Über die Sehnsucht nach einer Architektur für meine Seelenart

Er, von Jahr zu Jahr älter werdend, aber immer noch intrinsisch motiviert, ein barocker Minimalist, mit Hang zu leicht überbordender Zurückgezogenheit, sucht Galerist*in – (m,w,d) -, also einen Menschen, der auch noch in Gedanken auf Zehenspitzen laufen kann, zwecks gemeinsamer Suche nach Präsentationen „unendlicher Sehnsüchte, die sich in tanzenden Tränen“ zeigen.

Wenn Du mit mir gemeinsam gerne ausrufen möchtest: „Der Kaiser ist ja nackt!“, angesichts der Tiefe der Oberflächlichkeit im Bild der Zeit, dann melde Dich. Sei „der Vogel, dessen Flügel kamen, wenn ich erwachte in der Nacht.“

Veröffentlicht unter Kunst

Tollkühn in ihrer Unentschlossenheit

„Carmen begleitete mich ein Stück, und verließ mich… Man hatte mich gewarnt, sie sei nur eins jener leichten Mädchen, von denen es, je näher man dem Meer komme, viele gebe, mehr als Möwen. Nun war das nichts, was mir Kopfzerbrechen bereitete… Sie litt unter Langeweile wie andere unter Wahnsinn… Mein Paradies ist die Geschichte ihrer Sünden… Gott suchte ein Geheimnis… die Hölle aus puren Fleisch… Und Gott erschuf das Web. Ich liebe ihn für die Idee, die Schöpfung zu vollenden mit etwas, das er selbst nicht verstand.“ (Wolf Wondratschek; aus: „Carmen oder bin ich das Arschloch der achtziger Jahre“)

Verehrt. Geliebt. Vergessen?

„Wunderschön prächtige, hohe und mächtige, liebreich holdselige, himmlische Frau“ oder „liebe, werte Magd“ (?!) „Ich sehe sie dreidimensional vor mir … richtig als Person.“ Die Madonna habe wunderschöne dunkle Haare und himmelblaue Augen. Sie trage ein schlichtes weißes Gewand „… wo durchsichtig ist“. Aber sie sei inzwischen durch eine Wolke unseren Blicken entzogen, einer Wolke „aus Glaube, Liebe und Hoffnung, aus Mythos, Sehnsucht und archetypischen Vorstellungen, aus Weisheit und kindlicher Einfalt, aus Traum und Gebet.“ Aus geerbten Bildern setze ich sie mir, einem spielenden Kind gleich, an meinem Nebenhimmel wieder neu zusammen.

Traditionelle Ästhetik in mehrere Richtungen

Nicht alles im Leben lässt sich bildhaft darstellen. Die eigene Geburt. Der eigene Tod. Meine Kunst leistet hier schlicht Nacharbeit bzw. Vorarbeit. Die eigene Werke machen mir mein Leben auf diese Weise anschaulich. Nicht unbedingt verständlich in einer volkstümlichen Sichtweise. Mein Werk, mein Œuvre, mein Kosmos, eingepfercht in meinem kleinen BLOG. Oder wie Arno Schmidt es sagen würde in „wirr=gekalkten Kellern (= Mäusefarmen!)“.

Fotos, Briefe, Dokumente (wie z.B. mein Fahrtenschwimmer-Abzeichen oder die gewonnenen Urkunden der Bundesjugendspiele), meine TV-Lieblingssendungen („moderne Schriftsteller müssten gesetzlich dazu angehalten werdn, zu notiren, was für Sendungen sie=sich so täglich angesehen habn“, forderte Arno Schmidt stets vehement), so vieles fehlt auf meinem BLOG. Wahre Bilder der Liebe, in denen sich der Mensch buchstäblich nackt zeigt? Die eigenen Abgründe, die Ängste, die Offenheit, das Intimste vom Intimen?! Mea culpa.

„Was ich fühle, wie drücke ich es aus? Der Mensch ist doch immer, selbst auch auf seinem BLOG, allein“ (frei nach Heinrich von Kleist, der leise vor sich hin singt: „Happiness Is a Warm Gun“.)

 

Nebenhimmel

Aus dem Leben ein Werk machen. Darum geht es. Bei mir. Oder wie zum Beispiel bei Shai Maestro. Der Jazzpianist Shai Maestro erhielt eine klassische Ausbildung. Er lernte Bach zu spielen, von dem er sagt, er sei wie eine Bibel für ihn. Tja, das habe ich den ganzen lieben langen Tag: von Geburt an, lernte ich Bach zu spielen, Bach zu sein. Ohne das mich dies Schicksal sogleich bibelschwer bedrückte. Es war leicht. Es war schwer. Es war normal. Früher. Aber auch jetzt, heute, ist es halbwegs erträglich Bach zu sein. Denn ich bin nicht allein. Ich bin so viele. Oder auch rimbaudhaft formuliert: „Ich ist ein anderer“, immer auch ein anderer. Ich bin, denke ich, jene Wirklichkeit, die vorgibt wahr zu sein…

(Texte: Octavio Paz, Wolfgang Bach, Vasko Popa, Friedrich Schiller und Lupo, alias Rolf Kauka.)

Cä-ci-li-a / famu-la tu-a / Do-mi-ne / qua-si a-pis ti-bi ar-gu-men-to-sa de-servit

Cäcilia + Deine Dienerin + dient Dir + o Herr + wie eine emsige Biene + Denk Dir doch, wie schön das wird, ich kanns genügend kaum erläutern / Wenn sie uns aufs offene Meer zusammen mit den Hummern schleudern!

(Alles eine große Lüge!? Ja, sicher. Wovon ich nicht sprechen kann, darüber muss ich aber nicht schweigen. Nein! Darüber kann ich ein Bild malen. Auch das eine Lüge. Das Bild ist nicht wahrer als die Sprache. Ein Bild macht mich verwundbarer; ich will ihm sofort glauben, bringe ihm nicht das Misstrauen entgegen, dass ich bei der Sprache habe, die erst behaupten muss: was sich sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. Das glaube ich nie und nimmer. Meine Bilder sind beredt. Sie erzählen indes nicht von Worten, sie erzählen von Taten.)

„Oh how Shakespeare would have loved cinema!“

Derek Jarman (1942 – 1994). Sein Film „Blue“ ist wie Wittgensteins „Tractatus“ reinste Poesie. Ein Wechselspiel von vier Stimmen. Sein Text springt zwischen erschreckenden Banalitäten wie den 47 Nebenwirkungen, die der Beipackzettel eines Medikaments nennt, und einem hochtönenden Gesang, der sich z.B. in Jarmans ganzem Werk vernehmen lässt, hin und her. Außerdem gibt es im langsamen Schwinden des Blickfeldes die verzweifelte Bitte, vom Bilde erlöst zu werden. Das ist es, was in diesem Film passiert: Von dem Moment an, wo das grelle Licht der Augenuntersuchung das Blau eines leeren Himmels als Nachempfindung hinterlässt, löst sich die Welt auf…

„Dear William Shakespeare. I am a 14 year old and I’m queer like you. I’m learning art. I wanted to be a queer artist like Leonardo or Michelangelo. But I like Francis Bacon best I read Alan Ginsberg, Rimbaud. I like Tchaikovsky, if I make films I will make them like Eisenstein, Murnau, Pasolini, Visconti. Love from Derek.“