Woher sind Sie?

„Woher sind Sie? -„Ich bin von hier.“ – „Sie lügen. Sie sind von woanders, von ganz woanders.“ – „Ich habe keinen Vater mehr, ich habe keine Mutter mehr, ich bin von hier“

(Peter Handke; Ein Jahr aus der Nacht gesprochen)

Umrahmungen

Umrahmungen wurden erfunden um die Bilder wissen zu lassen, dass man sie liebt, ohne etwas zu sagen.

(Siehe hierzu auch den Artikel vom 30. April 2019)

Liebe ist´s die mich jauchzend lieben macht

Liebe ist´s die mich jauchzend lieben macht / daß ich ihr voll freude den tribut entrichte / und diese lust wird mir zur ersten pflicht / daß sie vollkommen ich trage ich acht / bei meiner ehre und wider jeden verdacht – / was ich höre erfüllt mich mit zuversicht

Ich war nie auf meinen guten ruf bedacht / und auf lobeshymnen noch weniger erpicht / doch wenn je eine blume ihre blüte verspricht / ist sie es in der sich die lust voll entfacht / und über allem erstrahlt mit ihrer pracht / jäh die sonne die durch die wolken bricht (Guihelm IX., Graf von Poitiers und Herzog von Aquitanien)

für meine Anima

DIP * DIP * DAP *

#im stillen busch den bach hinab / treibt Amor seine spiele. / und immer leise dip dip dap (bezeichnung des schalles bei leisen tritten), so schleicht er nach der mühle. / es macht die mühle klap, rap, rap, / so geht es stille dip, dip, dap, / was ich im herzen fühle  *Willst du das?

Im Entwurf, da zeigt sich das Talent, in der Ausführung die Kunst

Berühren sich die Zeigefinger Gottes und Adams auf Michelangelos berühmtem Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle? „Die meisten Leute glauben, sie berühren sich. In 80 Prozent der Literatur und sogar auf der Homepage des Vatikans ist von einer ,Berührung‘ die Rede“, sagt David Hornemann von Laer. Der 1971 in Hamburg geborene Kunsthistoriker, der an der Universität Witten/Herdecke lehrt, hat über das Deckenfresko seine Habilitationsschrift verfasst und wirft einen erfrischend direkten Blick auf das berühmte Bild. Er schreibt klipp und klar: In Wahrheit berühren sich die Finger nicht. „Darin liegt gerade die Spannung, die Dramatik des Bildes“, sagt der Wissenschaftler. Gewiss strecken sich Gottes und des Menschen Hand einander entgegen, gewiss weisen ihre Fingerspitzen aufeinander zu – doch da ist eine Lücke, ein synaptischer Spalt zwischen ihnen. Er mag winzig erscheinen, und dennoch ist er da. Michelangelo selbst, heißt es, war sich des Abstands zwischen Gott und Mensch sehr bewusst. Das Bild zweier Hände, die sich einander entgegenstrecken, wird im Laufe der Jahrhunderte jedoch zum Pars pro toto (= Ein Teil [steht] für das Ganze). Und wie selbstverständlich ist heute oft von einer Berührung der Finger die Rede. Dazu der Kunsthistoriker Ross King: „Die Berührung der beiden Hände wurde zu einem Leitgedanken, zu einer Art von Grundton für das gesamte Fresko.“ Vielleicht aber, so überlege ich, soll das Bild überhaupt keine Berührung zeigen, sondern vielmehr eine Zurechtweisung. Gott ermahnt Adam, dass es unhöflich ist und als eine Bloßstellung verstanden werden kann, in der Öffentlichkeit mit dem Finger auf jemanden zu deuten. „Man zeigt nicht mit nacktem Finger (und schon gar nicht, wenn man völlig nackt ist!) auf einen angezogenen Mann.“ Ich bin mir zudem sehr sicher, dass, wenn Gott mit einen zarten Geste einen Menschen erschafft, seine ausführende Handhaltung eine völlig andere wäre…

I’m gonna sit right down and write myself a letter

Sollte ich es einmal nicht machen wie in dem berühmten Song von Dean Martin beschrieben, dann verfasse ich gerne einen Brief für einen lieben Freund. Ganz Old School. Das heißt: analog. So echt mit der Hand. Auf einem kleinen Stück Papier. Ich bin und bleibe halt ein analoger Spieler in einer digitalen Welt, denke ich. Schreiben ist darin für mich wie Zeichnen.

Und genau das weiß mein Freund Wolfgang Ullrich zu schätzen. „Dank für Ihre Zeichnung…“ antwortet er mir später „auf der man Sie beim Schreiben sieht. Ihr Gesicht ist so hell wie das Blatt – das gefällt mir besonders gut. Ein Bild für die Aufklärung. Und der Stuhl gegenüber ist leer. Ein Hinweis darauf, dass Sie einen Brief schreiben und den Adressaten imaginieren? Ganz leise nähere ich mich, schiebe den Stuhl etwas zurück und lasse mich darauf nieder. Um Sie beim Schreiben aus nächster Nähe zu beobachten. Etwas später, wenn Sie mich bemerkt haben, stoßen wir an. Sieht nach gutem Rotwein aus in den Gläsern. Herzlich grüßend

Ihr W.U.“

Wer nach außen sieht, träumt.

Traumbilder sind Botschaften der Seele. Sie vermitteln einen Zugang zum Unbewussten. Doch die Traumsprache ist meist nicht auf Anhieb verständlich; die Bilder und Symbole müssen »übersetzt« werden. Aus Bildern werden Worte.

„Ich schäme mich meiner Leere“, sagte das Wort zum Werk. „Wenn ich dich sehe, erkenne ich, wie arm ich bin“, sagte das Werk zum Wort. (Tagore) Aus Worten werden wieder Bilder… Wenn ich sie male, durchbreche ich kurz diesen Kreis.

Über die Sehnsucht nach einer Architektur für meine Seelenart

Er, von Jahr zu Jahr älter werdend, aber immer noch intrinsisch motiviert, ein barocker Minimalist, mit Hang zu leicht überbordender Zurückgezogenheit, sucht Galerist*in – (m,w,d) -, also einen Menschen, der auch noch in Gedanken auf Zehenspitzen laufen kann, zwecks gemeinsamer Suche nach Präsentationen „unendlicher Sehnsüchte, die sich in tanzenden Tränen“ zeigen.

Wenn Du mit mir gemeinsam gerne ausrufen möchtest: „Der Kaiser ist ja nackt!“, angesichts der Tiefe der Oberflächlichkeit im Bild der Zeit, dann melde Dich. Sei „der Vogel, dessen Flügel kamen, wenn ich erwachte in der Nacht.“

Veröffentlicht unter Kunst

Tollkühn in ihrer Unentschlossenheit

„Carmen begleitete mich ein Stück, und verließ mich… Man hatte mich gewarnt, sie sei nur eins jener leichten Mädchen, von denen es, je näher man dem Meer komme, viele gebe, mehr als Möwen. Nun war das nichts, was mir Kopfzerbrechen bereitete… Sie litt unter Langeweile wie andere unter Wahnsinn… Mein Paradies ist die Geschichte ihrer Sünden… Gott suchte ein Geheimnis… die Hölle aus puren Fleisch… Und Gott erschuf das Web. Ich liebe ihn für die Idee, die Schöpfung zu vollenden mit etwas, das er selbst nicht verstand.“ (Wolf Wondratschek; aus: „Carmen oder bin ich das Arschloch der achtziger Jahre“)