Zornige Sehnsucht

So malen, als würde ich schreiben: Täglich zu wandeln, ich duld es nimmer! / Ists Menschenlos – ists meines? ich trag es nicht, / Mich reizt der Lorbeer, – Ruhe beglückt mich nicht, / Gefahren zeugen Männerkräfte, / Leiden erheben die Brust des Jünglings… / was bin ich?… / Ein siecher Säugling, welchen mit tränendem, / Mit hoffnungslosem Blick die Mutter / In den gedultigen Armen schaukelt… / Der Schwur ist groß. Er zeuget im Auge mir / Die Trän, und wohl mir, wenn ihn Vollendung krönt, / Dann jauchz auch ich, du Kreis der Frohen, / Dann, o Natur, ist dein Lächeln Wonne.

Oja, die Welt braucht Hölderlin.

Lebendige Quellen

Liebe! wie sah von dir / Zum goldnen Tage dieses Auge / Glänzend und dankend empor. Da rauschten / Lebendiger die Quellen, es atmeten / Der dunkeln Erde Blüten mich liebend an…

Der Dichter (Verstehe die Freiheit, / Aufzubrechen, wohin er will)

Die Welt braucht Hölderlin. Und visuelle Neuinterpretationen zu seinen Gedichten. Manch einer meint, die Zeilen des Dichters seien rätselhaft. Ich empfinde sie als wundersam und anziehend zugleich. Der Dichter wollte nicht nur eine neue Kultur, er wollte eine neue Welt. Eine Welt der Ewigkeit, geboren aus dem Augenblick; einem Augenblick, der mit der Ewigkeit zusammen fällt. Die Gedichte Hölderlins sind Wanderungen entlang eines Tautropfens, mit durchsichtigem Segel… Ich verstehe mich nicht als Sklave irgendeiner seiner Gedichtzeilen. Viel eher fühle ich mich einem blinden Maler vergleichbar, der mit Seelenfingern die Schrift des Dichters abtastet, um somit Bilder in meinem Herz entstehen lassen zu können.