Wenn man das Schweigen nicht hören kann, hört man auch keinen Text.

Wir wollen doch alle nackte Götter, Bacchantinnen, olympische Spiele und die Glieder lösende, böse Liebe. Gut, wenn man weiß, wo das alles geschrieben steht. Du sagst es. Das finden nur literarische Trüffelschweine heraus. Wenn`s ihnen Spaß macht. Nur dann. Mit viel Daseinstrunkenheit. Ja, sie werden in Folianten ihre Schnauze vergraben müssen. Oder tief in sich gehen und auf das Echo ihres Gewissens hören. Versteh´ ich nicht. Das verstehen die meisten nicht mehr, weil sie kein Ohr dafür haben. Lieber schreien sie herum und warten das Echo erst gar nicht mehr ab. Oder wenn, korrigieren sie es, wie es ihnen in den Kram passt. Selbsthilfegruppen für missverstandene Echos? Wäre eine schöne Idee. Aber zu poetisch, nicht wahr? Nicht wahr? Wie ein Wettlauf der Nachtwandler. Ich würde ihnen gerne zusehen. Ich würde ihnen sogar folgen. Wohin? In die Nacht. Und darüber hinaus. Was soll da sein? Verirrungen ergeben dort bestimmt ein Muster, eine verwickelte Gewissheit…  Die da lautet? Kunst. Ist das nicht zu einfach? Wäre das denn zuviel verlangt?

Der alte weiße Mann unter dem Meer

„Ich weiß, was das Mädchen braucht“, glaubt der alte Mann… „Die Rhythmen und Delirien, das Blau im rauchigen Schleier, verfärbt sind sie im Nu hier, versengt sind sie, verzehrt: so brannte noch kein Branntwein, kein Lied und keine Leier, wie hier das bittre Rostrot der Liebe brennt und gärt! / Liebling, es ist besser / Unten wo es nasser ist / Nimm es von mir / Oben am Ufer arbeiten sie den ganzen Tag / Draußen in der Sonne versklaven sie sich / Während wir uns hingeben / Vollzeit zum Schwimmen / Unter dem Meer – manchmal sah mein Auge, was Menschenauge träumt…“  Träum weiter, Mann!

Ein Bild von Verspieltheit

Ein Intellektueller? Was ist das doch gleich? Woran erinnert einen das, was der da von irgendwo, wie von nebenan mitphantasiert, mitklirrt, mitschwingen lässt? Ist er ein Förster im Unter- wie auch Überholz des Ur- und Geistesadel, ein Moralpfleger im Gehege von Salonhyänen und Wölfen der Politik, ein Apnoetaucher im Becken von Finanzhaifischen? Und was sagt er da, wenn er sagt: „Am Land kommen die Götter noch zu den Menschen, […] man ist jemand und erlebt etwas, aber in der Stadt, wo es tausendmal so viel Erlebnisse gibt, ist man nicht mehr imstande, sie in Beziehung zu sich zu bringen: und so beginnt ja wohl das berüchtigte Abstraktwerden des Lebens.“ Gehört er einer längst ausgestorbenen Art an?

Das Wunderland hinter den Jalousien (Du fragst dich was wohl kommen wird)

Allgemein betrachtet werden heruntergelassene Jalousien im Traum als ein Hinweis an den Träumenden verstanden, dass er in der Wachwelt einer bestimmten Situation oder einem Problem mit Ablehnung gegenübersteht…

Er möchte von der Angelegenheit am liebsten nichts wissen? Doch! So wie durch eine Jalousie immer noch Licht und Luft oder Geräusche hindurch kommen, dringen auch im realen Leben die Problematiken zum Träumenden durch…

Ist die Traum-Jalousie erst einmal hochgezogen, deutet dies die allgemeine Traumdeutung dahingehend, dass der Träumende im realen Leben bereit ist, etwas sehr Persönliches von sich preis zu geben. Sieht der Träumende durch eine Jalousie im Traum hindurch, lässt sich dieses Traumverhalten als ein Sinnbild für die Neugierde des Träumenden interpretieren…

Die spirituelle Traumdeutung sieht in dem Hindurchsehen durch eine Jalousie im Traum dagegen vielmehr ein Ausdruck für einen sibyllenhaften Wissensdurst des Träumenden…

 

In·s·pi·ra·ti·on / ɪnspiraˈt͜si̯oːn,Inspiratión

„Herr Bach, sagen Sie unserem Publikum doch kurz: Wie entstehen bei Ihnen die Ideen?“

„Tja, ich weiß nicht, manch einer behauptet, die Inspiration wäre so ein schöpferischer Einfall, ein Gedanke, also eine plötzliche Erkenntnis. Sie verstehen, eine erhellende Idee, die jemanden, besonders bei einer geistigen Tätigkeit, weiterführt… Erleuchtung, Eingebung – „künstlerische, dichterische, musikalische Inspirationen“… So etwas halt. Noch besser wäre allerdings: Inspiration ist das Einatmen während einer zynischen Hysterie Stunde! Zynische Hysterie Stunde. O, der wunderbare Titel (original: „Filmworks VII: Cynical Hysterie Hour“), der einfach hervorragend für mein Inspirationsverständnis stehen könnte/sollte, geht zurück auf das 1989Album von John Zorn. Der Musiker, den ich sehr schätze. Er komponiert hier für eine Serie von japanischen Zeichentrickfilmen, die der Künstler Kiriko Kubo geschaffen hat; Stück 20 auf der CD ist „Omelet Punk 1“ (0:21) … Stück 24 lautet „Omelet Punk 2“ (0:28)…

… beides sind (eigentlich echt kurze) Quellen der Inspiration für mich. Wissen Sie, ich kann nicht mal die einfachste Tonleiter spielen. Bei einem Nachnamen wie dem meinen, schon etwas peinlich, finde ich. Oder?

Stattdessen könnte ich aber, wenn verlangt, ein Gedicht aufsagen. Wie zum Beispiel: „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund, ich schrie mir schon die Lungen wund nach deinem weißen Leib, du Weib. Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht, da blüht ein süßer Zeitvertreib mit deinem Leib die lange Nacht. Da will ich sein im tiefen Tal. Dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl…

Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar, da schlief ich manchen Sommer lang bei dir und schlief doch nie zu viel. Komm her… ich weiß ein schönes Spiel im dunklen Tal, im Muschelgrund… ach, ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!“ Von François Villon. Würde mich wirklich inspirieren.

Ob nun Omelet oder Erdbeere… ich mag beides. Oder ich finde eine Fotografie von Dennis Hopper und – ZACK – bin ich inspiriert zu bestimmten Arbeiten.

Fast könnte man meinen, ich könnte nicht zurückhalten, so eine Art (künstlerische) Ejaculatio praecox; aber ich schwebe einfach so dahin, im Traum… und da kommt mir schon so manch eine Idee…

Ich schalt‘ die Glotze an / Die Daltons Waltons, everyone  / Ich glotz‘ von Ost nach West, 2, 5, 4 / Ich kann mich doch gar nicht entscheiden / Ist alles so schön bunt hier!…

Ja, ich lasse es einfach geschehen. Zurückhaltung ist mir genauso unerträglich, wie die vollauteste Aufschneiderei. Ich zeichne halt, wie einem der Schnabel gewachsen ist… Manch böse Lästerzunge kräht, ich wäre „ A Little Busy Body“, aber das stört mich nicht…

Frauen!… so heißt es, sie inspirieren uns zu großen Dingen. Hindern uns aber dann daran, diese auszuführen. Hahaha! Das ist lustig…

Und die Inspiration? Ich glaube, das ist eine alte romantische Idee ohne Sinn und Verstand. Wissen Sie, wer das gesagt hat? Rodin! Ich frag mich, ob der Omeletts mochte. Schon gewusst? Omeletts sind weltweit beliebt. In Spanien heißt die Eierspeise Tortilla und besteht klassisch aus in Olivenöl angebratenen Eiern, Kartoffeln und Zwiebeln. Apropos Zwiebeln. Ich hab mal eine benutzte, mit Essensresten verschmierte Pizzaschachtel, in der ich mir eine Pizza Cipolla/Zwiebel gekauft hatte, zum Kunstwerk umgestaltet. Mit etwas Bootslack alles versiegelt, ein paar liturgische Farben wie ein Smaragdgrün, Marienblau, Blutrot drauf und – ZACK – fertig. „Das vorletzte Gericht“ hatte ich die Arbeit getauft. Und schnell einen Käufer dafür gefunden… Ach ja, Inspiration.

Ein echtes gefühlsmäßiges Durcheinander, nicht wahr? Leider muss ich gestehen, dass mir auf die Schnelle dazu leider überhaupt nichts einfällt.“

Das Sittlichkeitsdelikt

Die Sonne stach. Er wankte durch die Wälle / Und sehnte sich nach Allem, was er sah. Die Philosophin Svenja Flasspöhler ist schwer beunruhigt. Über die, wie sie sagt: „Unfähigkeit, Ambivalenz auszuhalten…

(…) die Kunstwerke selbst müssen (…) rein sein, weil man sich sonst belästigt fühlt. Wann tangiert mich etwas? Was verletzt mich? Wird durch dieses oder jenes meine Würde angetastet? An diesen Formulierungen merkt man schon, wie zentral das Fühlen und Empfinden für uns ist. Sensibilität ist der Motor des Anerkennungskampfes von unterdrückten Gruppen. Aber sie kann eben auch vom Progressiven ins Regressive kippen und zu moralischem Totalitarismus führen…(…) Es gibt eine Angst davor, als reaktionär dazustehen, wenn man in die Differenzierung geht.“ (Nachzulesen in der taz / FUTURZWEI Nr.9 ) Dann war es, dass die Hände streicheln mussten / Und dass das Kind bösartig hässlich schrie… Und Hunde heulten hinter jedem Tor. (Max Hermann-Neisse)