verlegen (ein Traum mit zwei Seiten)

Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Schrieb Franz Kafka. Und eine liebe Freundin meinte zu mir, dass sie mein Werk von jeher als ein Wechselspiel zwischen/mit Bild und Text verstanden habe. Franz Kafka und Anne-Kathrin Reif (Dr. phil(osophie), Kulturjournalistin, Kulturvermittlerin, Camus-Bloggerin) haben sicherlich recht. Ich suche weniger einen Galeristen, ich suche eher einen Verleger. Für meine Träume…

Pietà

Ich sehe was, was du nicht siehst…? 

Für den Philosophen Ludwig Wittgenstein ist die Frage des Aspektwechsels eine Frage der Fähigkeit, „etwas als etwas zu sehen“. Denjenigen, dem diese Fähigkeit abgeht, nennt Wittgenstein „aspektblind“. Aspektblindheit ist mit Farbenblindheit oder mit „dem Mangel des ‚musikalischen Gehörs’“ vergleichbar. (Wittgenstein 1984, 552) Der Aspektblinde vermag zwar in dem Sinne ein Bild „einmal so und einmal so zu sehen“, dass er auf die Frage, was er sieht, sagen könnte: „Das ist ein Hase.“ Oder: „Das ist eine Ente.“ Es würde für ihn aber nicht der eine „Aspekt in den anderen überspringen“, so dass er ausriefe: „Ah, jetzt sehe ich es als …!“ Der Aspektwechsel kann nur vom Sehenden erlebt werden. Er zeigt sich (uns) durch sein Staunen.

IRON MAM

… das höchste aber / Von allen Gütern ist der Frauen Schönheit. gleich wie wir noch gestalten in wolken oder ein gesicht im mond sehen so liessen sich in rissen und wölbungen des gestirns kaum anderes als silhouetten von körpern erkennen / läufe / ein trächtiger bauch eine kruppe / … und nun das tier vor augen zu haben wie es ganz darauf hervortrat: sich offen zeigend… Ist es das, was du willst? Du willst Gespielin der Soldaten sein? dann bist du am richtigen Ort, mein Kind! (ein zusammengestückelten Körper: aus: Friedrich Schiller „Die Jungfrau von Orleans“, 3. Aufzug, 3. Auftritt; Raoul Schrott „ERSTE ERDE EPOS“ und Filmzitat aus „Jeanne d’Arc – Die Frau des Jahrtausends“ von Christian Duguay)

Ein Bild von Verspieltheit

Ein Intellektueller? Was ist das doch gleich? Woran erinnert einen das, was der da von irgendwo, wie von nebenan mitphantasiert, mitklirrt, mitschwingen lässt? Ist er ein Förster im Unter- wie auch Überholz des Ur- und Geistesadel, ein Moralpfleger im Gehege von Salonhyänen und Wölfen der Politik, ein Apnoetaucher im Becken von Finanzhaifischen? Und was sagt er da, wenn er sagt: „Am Land kommen die Götter noch zu den Menschen, […] man ist jemand und erlebt etwas, aber in der Stadt, wo es tausendmal so viel Erlebnisse gibt, ist man nicht mehr imstande, sie in Beziehung zu sich zu bringen: und so beginnt ja wohl das berüchtigte Abstraktwerden des Lebens.“ Gehört er einer längst ausgestorbenen Art an?

Idylle (Wo Augen ihre Blicke baden)

Die Schande der Träume will tagsüber keiner wahrhaben. Ich schon. Denn solche Abgründe sind die Gründe für meine Bilder; vereint mit den Träumen (zu Tag / zu Nacht) bilden sie mein Werk //  „…wenn ein Träumer erzählt: „Zwischen zwei stattlichen Palästen steht etwas zurücktretend ein kleines Häuschen, dessen Tore geschlossen sind. Meine Frau führt mich das Stück der Straße bis zum Häuschen hin, drückt die Tür ein, dann schlüpfe ich rasch und leicht in das Innere eines schräg aufsteigenden Hofes“, dann lässt sich für einen geübten Übersetzer von Träumen eine Darstellung eines Koitusversuchs von rückwärts (zwischen den beiden stattlichen Hinterbacken des weiblichen Körpers) finden“.

(zitiert aus: „Freuds Dinge“; Lothar Müller, Die Andere Bibliothek, Berlin 2019)