coming soon

Das Vergangene ist nicht tot, schrieb William Faulkner einmal. Es ist nicht einmal vergangen. Und das Zukünftige ist für mich im Hier Heute mehr als lebendig. Meine Kunst gleicht glattem Eis. Es ist das Paradies für mich. Weil ich tanzen kann.

Zum Traume…

Zum Traume sag ich. »Bleib bei mir, sei wahr!« / Und zu der Wirklichkeit: »Sei Traum, entweiche!« / Das Wort, das Andern Scheidemünze ist, / Mir ists der Bilderquell, der flimmernd reiche…

Das Schöne, auch in der Kunst, ist ohne Scham nicht denkbar. (Hugo von Hofmannsthal)

»sich als träumend träumen«

Kann das Sprechen einen Einfluss auf mein Denken und Handeln haben? Auf welchen Wegen geschieht es, dass Sprache mich trägt, verwirrt, zum Lachen oder auch zum Fallen bringt? Und nicht nur am Tage. Auch im Traum steuert die Sprache meine Gedanken.

»Die vertrauten Sichtweisen sind umzustoßen. Es ist nicht so, dass das Träumen auf archaische Bilder, Phantasmen oder Mythen… verweist. […] Vielmehr verweist jeder Akt des Imaginierens auf das Träumen.« (Foucault)

Die Erfindung der Poesie (Spuren der Verirrten)

Poesie und Erfindung bedeuten nichts anderes, als das Verfertigen und Hervorbringen von bisher noch nicht Vorhandenem… Das Drehen innerhalb eines Kreises, der ekstatische Zustand einer Trance, das Schöpfen aus einem tänzerischen Enthusiasmus, Bilder sehen, bevor sie zu sehen sind; und sie dann mit der eigenen „Sprache“ nachzeichnen, ihnen die eigene Stimme verleihen… Come on baby, light my fire… We want the world and we want it… NOW.

WIRBELSÄULENFLÖTE (Prolog)

Ein Prost allen, die mir je gefielen oder gefallen / − verewigt im Seelenschrein Bild an Bild −, / heb ich als edelste von allen Schalen / hier diesen Schädel mit Versen gefüllt. / Immer öfter überleg ich: − / setzt man nicht am besten / den Schlusspunkt mit einer Kugel ins Herz? / Heut geb ich auf jeden Fall / diesen letzten Abend eines Abschiedskonzerts. / Gedächtnis! / nun schar mir im Saal meines Hirnes / die randlose Reihe meiner Geküssten. / Gieß lachenden Blick unter heitere Stirnen. / Drapier die Erinnerung mit Brautnachtgelüsten. / Lass Leiber vollaufen mit Wohlgefühlen. / Nachklinge die Nacht im Wonnegeheule. / Denn heute will ich mal Flöte spielen / auf meiner eigenen Wirbelsäule. (Wladimir Wladimirowitsch Majakowski) O, es gibt Gedichte, die gehen mir direkt ins Herz, die schießen mir sofort in den Kopf.

Verwittert vom Träumen

Das war´s wohl. Im Dunkeln saß verlassen ein Kind / Und weinte hinaus in Nacht und Wind / Und streckte empor die zitternde Hand / Das blaue Auge gen Himmel gewandt / Und der Engel des Todes umfasste mild / Der trostlosen Unschuld trauerndes Bild – Ich habe den Tod verleugnet / Ich war zornig / Wollte verhandeln / Die Depression drückte mir aufs Herz und dann, kam leise, wie über Nacht, die Akzeptanz. Wirklich? Die Schmerzen sind vergangen, der Kampf ist, so scheint es, vorbei und als Trauernder möchte ich mich wieder mehr der Außenwelt zuwenden…

Zurück liegen so viele Träume von Leben und Tod. Ich konnte über beides entscheiden. Wenn ich meinen kindlichen Stachel benutzte, konnte ich Leben nehmen. Oder aber Leben geben, wenn ich davon absah. Ich träumte von meiner Angst vor dem Leid im Leben, wie auch von meiner Angst vor dem Tod als Erlösung…  Niemand war mehr da, der mich tröstete, der mir die Angst weg strich mit einer milden Geste. Der mich beruhigte mit einem Lächeln. Dort wo einst ein Herz, blickte ich in einen kalten Spiegel.

Zeigte er mir je die Wirklichkeit, frage ich mich heute mehr denn je.

(Gedichtfragment von Friedrich Hebbel)

Therapiesitzung

Therapeut: „Und warum glauben Sie, Sie wären Rembrandt? Ist es das Talent?“

Rembrandt: „Nein, meine Unfähigkeit mit Geld umzugehen. Kaum Kunden, stets am finanziellen Abgrund.“

„Aber Rembrandt war ein gefeierter Künstler. Alle sprachen über ihn.“

„Nur das Geld sprach leider nicht zu ihm.“

„Spricht Geld nicht alle Sprachen?“

„Na, meine jedenfalls nicht.“

„Was sprechen Sie denn so?“

„Sagte ich das nicht schon: Kunst.“

„Aber davon sollte man doch gut leben können; denken Sie doch nur an Gerhard Richter.“

„Moment, ich spreche hier von Kunst und nicht über Blanko-Schecks für Galeristen und Spekulanten.“

„Sie sind ungerecht.“

„Besser ungerecht als diese ewige vorgespielte Gerechtigkeit.“

„Die da wäre?“

„Ein Bild stellt sich dar als das Unübersichtliche, Unlogische, Unsinnige.“

„Ist diese Weisheit von ihnen?“

„Nein, von Gerhard Richter.“

„Sie mögen den Mann nicht.“

„Ach, wissen Sie: zwei Dinge sind bei der Kunst nötig: Unermüdliche Ausdauer und die Bereitschaft etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen.“

„Und?“

„Gerhard Richter hat nur vier läppische Werke in den Müll geworfen. Stand lang und breit in der Presse.

„Ja, ich hörte davon.“

„Herr Richter, der Müllmann ist da… Och, sagen Sie ihm, ich habe nichts mehr für ihn.“

„Ahhhh, ja, sehr witzig… Haben Sie noch nie etwas weggeworfen?“

 „Aber sicher doch. Allerdings ich hab wenigstens zuvor ein großes Loch in meine Arbeiten geschnitten, damit niemand was mit meinem Müll anfangen kann.“

„Verstehe. Gute Idee.“

„Bringt aber nichts. Ich hab es schnell heraus gefunden. Eine Person klaute mir selbst diesen Sperrmüll und rühmte sich später sogar noch damit.“

„Was macht man denn mit einer Leinwand mit einem Loch darin?“

„Man klebt einen singenden Fisch dahinter.“

„Das ist jetzt ein Scherz?“

„Ein Scherzartikel! Der singende Fisch reagiert auf Bewegungen und fängt dann an zu singen und rhythmisch mit der Schwanzflosse zu wackeln“

„Und was singt der dann so?“

Don’t worry be happy und I will survive.“

„Na, sehen Sie… das sind doch schöne Lieder; wenn die nicht mal gut zu einem Künstler wie ihnen passen.“

„Ein anderes klassisches Liedgut hätte mir aber besser gefallen.“

„Und das wäre?“

„An meinen Bildern müsst ihr nicht schnüffeln, die Farben sind giftig.“

„Das kenn ich gar nicht. Ist das von Bach?“

„Nein, von Rembrandt.“

Sacré Cœur

Und gäb es in Europa ein Wasser, das mich lockte, so wärs ein schwarzer Tümpel, kalt, in der Dämmernis, an dem dann eins der Kinder, voll Traurigkeiten, hockte und Boote, falterschwache, und Schiffchen segeln ließ’. (Arthur Rimbaud)

Dies alles gibt es also

Meine Atelierwand könnte ich durchaus als Salonhängung bezeichnen. Also eine besonders enge Reihung von Gemälden oder, wie in meinem Fall, von Fotografien, Postkarten, Zeichnungen und diversen Objekten. Die Salonhängung zielt, so sagen Kritiker, bekanntlich darauf ab, den Betrachter durch die schiere Menge der versammelten Kunstwerke zu beeindrucken. Objekt der Bewunderung ist letztlich nicht das einzelne Bild, sondern derjenige, der über die Mittel verfügt, sich so eine Sammlung zusammenstellen zu können. Die heute gebräuchliche, weitaus sparsamere Hängung von Bildern lässt das Einzelkunstwerk (und den Künstler) stärker hervortreten. Was absolut okay ist.

Wie dem auch sei: ich finde es schlicht schön, wenn´s so üppig ist. Als barocker Minimalist liebe ich meine kleine Atelierhängung. Es ist, als ob ich (m)eine Geschichte vor mir sehe. Manchmal denke ich, die Atelierwand verrät viel über mein eigentliches Werk.