Die Größe liegt in einer Sprache

…man muss Hölderlin vor seinen Bewunderern schützen. Denn manchmal erscheint seine Sprache als die einzig mögliche… Hölderlins Größe liegt in einer Sprache, bis zum Äußersten aufgeladen… Es gibt Momente medialen Überdrusses, da scheint mir Hölderlins Sprache die einzig mögliche. Eingängig und kristallin klar, transportiert sie in jeder Silbe dann mehr Sinn als eine Tageszeitung. An anderen Tagen erscheinen mir dieselben Verse dagegen dunkel und unverständlich… Eines Tages, ich bin sicher, bin ich Hölderlin gewachsen. So schreibt Denis Scheck in der WELT online vom 18.7.2017. Dem stimme ich absolut zu. Wenn ich Hölderlin als Bewunderer nahe trete, dann, so hoffe ich, entzaubere ebenso wenig das Kristalline seiner Sprache, noch bring ich Licht ins Dunkle.

Ich nehme ihm keine Beichte ab. Eher bläht ein Geist mir die durchsichtigen Segel auf, um aufzubrechen zum Rationalität-Horizont, jener Linie zwischen Sinnlichkeit und Verstand, die Hölderlin zerriss, um seine Kunst zu schaffen. Alles was gesponnen ist, was gedacht, gewünscht und illusioniert ist, und mit dem, was wahrgenommen wird, erinnert wird, ist eins ist alles miteinander ich

Unmöglich, wenn man nicht daran glaubt!

Es gibt einen Ort, wie keinen anderen auf der Welt… Ich nenne diesen Ort „mein Atelier“. Es heißt, um dort zu überleben, muss man schon verrückt sein wie ein Hutmacher. Glücklicherweise bin ich das… &  Auf der Suche nach neuen „Hölderlin-Mengen“ komme ich dort oft an sehr schönen Hermaphroditen vorbei. Und die Lieb′ auch heftet fleißig die Augen, Was bleibet aber, stiften die Dichter.

Andenken

Wo die Bewegung des Erinnerns bei den Bildern innehält, kommt sie doch nicht zur Ruhe. Denn auch in der erinnerten Welt ist alles in Bewegung. (Rüdiger Safranski)

Pietà

Ich sehe was, was du nicht siehst…? 

Für den Philosophen Ludwig Wittgenstein ist die Frage des Aspektwechsels eine Frage der Fähigkeit, „etwas als etwas zu sehen“. Denjenigen, dem diese Fähigkeit abgeht, nennt Wittgenstein „aspektblind“. Aspektblindheit ist mit Farbenblindheit oder mit „dem Mangel des ‚musikalischen Gehörs’“ vergleichbar. (Wittgenstein 1984, 552) Der Aspektblinde vermag zwar in dem Sinne ein Bild „einmal so und einmal so zu sehen“, dass er auf die Frage, was er sieht, sagen könnte: „Das ist ein Hase.“ Oder: „Das ist eine Ente.“ Es würde für ihn aber nicht der eine „Aspekt in den anderen überspringen“, so dass er ausriefe: „Ah, jetzt sehe ich es als …!“ Der Aspektwechsel kann nur vom Sehenden erlebt werden. Er zeigt sich (uns) durch sein Staunen.