Es gibt kein endgültiges Foto von schönen Hermaphroditen

Sich etwas erlauben bedeutet an etwas glauben, bedeutet sich etwas lieb und vertraut zu machen. Jeder Mensch erlaubt sich in seiner jeweiligen Sprache, die er beherrscht, ganz spezielle Dinge. Sei es, weil wir uns so sehr daran gewöhnt haben, mit Worten. Oder, wie in der Kunst, auch mit Bildern. Schon seit Längerem versuche ich diese beiden Pole miteinander zu versöhnen. Denn unsere Worte sind immer so vorwitzig. Dabei wird Kunst mehr geatmet, als erzählt. Das glaubt mir aber kaum noch jemand. „Das da“, sagen wir… und die Worte führen uns zu einem Bild, das nachhallt… das Bild flüstert uns etwas ins Ohr der Seele. Es spricht von der Möglichkeit des Sagen=Zeigenkönnens.

Idylle (Wo Augen ihre Blicke baden)

Die Schande der Träume will tagsüber keiner wahrhaben. Ich schon. Denn solche Abgründe sind die Gründe für meine Bilder; vereint mit den Träumen (zu Tag / zu Nacht) bilden sie mein Werk //  „…wenn ein Träumer erzählt: „Zwischen zwei stattlichen Palästen steht etwas zurücktretend ein kleines Häuschen, dessen Tore geschlossen sind. Meine Frau führt mich das Stück der Straße bis zum Häuschen hin, drückt die Tür ein, dann schlüpfe ich rasch und leicht in das Innere eines schräg aufsteigenden Hofes“, dann lässt sich für einen geübten Übersetzer von Träumen eine Darstellung eines Koitusversuchs von rückwärts (zwischen den beiden stattlichen Hinterbacken des weiblichen Körpers) finden“.

(zitiert aus: „Freuds Dinge“; Lothar Müller, Die Andere Bibliothek, Berlin 2019)

Heimatfront ≥ Kunstmarkt

Genauso. Und nicht anders.

(P.S. Warum ich Ausstellungen so sehr hasse? Ich bin wie Marsyas, so please be kind. Well, this is (like) my first affair, please be kind / Handle my heart with care, please be kind / This is all so grand, my dreams are on parade…  Marsyas, der Satyr, er spielte im Verborgenen. Als er an die Öffentlichkeit trat, da wurde seine Kunst blosser Wettstreit. Aber wahre Kunst entsteht nur im intimsten Raum der Zurückgezogenheit. So tell me your love’s sincere, please be kind / Tell me I needn’t fear, please be kind / ‚Cause if you leave me, dear, I know my heart will lose its mind / If you love me, please be kind / This is my first affair…)

Ein Zustand, dessen Beschreibung mir unmöglich scheint

Meine Kunst möchte eine Welt in sich aufnehmen. Und zwar taumelnd. Lächelnd ohne Macht, über ein Ereignis, das im Innersten meiner Sprache nistet, gleichzeitig sich aber einem klärenden Wort verweigert. Ich schau es nur an; erregt kann ich seinem Treiben zu sehen, beiwohnen, beischlafen am helllichten Tag, in schwitziger Nacht…

Der Nachklang

„Mein innerer Körper schickt sich an zu vibrieren, wie von Trompetenstößen aufgeschreckt, die einander antworten und sich übertönen: der Reiz hinterlässt eine Spur… : von einem Nichts ausgehend, entfaltet sich ein ganzer Diskurs der Erinnerung…“ (aus Roland Barthes „Fragmente einer Sprache der Liebe“). Eine zauberhafte Beschreibung meiner Kunst, meines Verständnisses von ihr.