Die Liebenden (Tristan & Isolde)

Isolde: Darf ich dich fassen? – Tristan: Kann ich mir trauen? –  Isolde: Endlich! Endlich! – Tristan: An meiner Brust! – Isolde: Fühl ich dich wirklich? – Tristan: Seh ich dich selber? Isolde: Dies deine Augen? – Tristan: Dies dein Mund? – Isolde: Hier deine Hand? – Tristan: Hier dein Herz? – Isolde: Bin ich’s? Bist du’s?…

verhalten verzichten drücken unterwerfen hinnehmen verdrängen betäuben schmerz unempfindlich machen

Mein Bild

…den phantomen enthoben von denen wir umgeben sind… dem digitalen morphing und dem photoshop die bloss noch bilder produzieren die keinem körper mehr gehören imaginäre unsterblichkeiten mit denen wir diese feige sterbensangst wie einen lautlos in der glasglocke hallenden schrei anästhetisieren… (aus: „ERSTE ERDE EPOS“; Raoul Schrott)

Mein Paradies

Angeblich haben wir Menschen das Paradies verloren. Und viele von uns sehnen sich danach. Tag für Tag. Unsere Vorstellungen vom Paradies sind schon in allen Völkern des Altertums vorhanden, wenn auch nur als eine vage Erinnerung an das, was der Mensch einmal besaß. Das Wort Paradies stammt, ich hab nachgeschaut, aus dem Avestischen oder Altpersischen und ist ins Griechische und unsere europäischen Sprachen übernommen worden. Er hat die Bedeutung eines abgeschlossenen Gartens. Nun, wenn das so ist, dann kenne ich das Paradies. Will sagen: dann kenne ich mein Paradies. Es schenkt mir Wonne. Tag für Tag. Mein Paradies, es ist ein zauberhafter Nutz- und Ziergarten. Angelegt mitten in meinem Atelier. Friedrich Nietzsche schrieb: „Der Mensch ist inmitten der Natur immer das Kind an sich. Dies Kind träumt wohl einmal einen schweren beängstigenden Traum, wenn es aber die Augen aufschlägt, so sieht es sich immer wieder im Paradiese.“ Er hat so recht.

IRON MAM

… das höchste aber / Von allen Gütern ist der Frauen Schönheit. gleich wie wir noch gestalten in wolken oder ein gesicht im mond sehen so liessen sich in rissen und wölbungen des gestirns kaum anderes als silhouetten von körpern erkennen / läufe / ein trächtiger bauch eine kruppe / … und nun das tier vor augen zu haben wie es ganz darauf hervortrat: sich offen zeigend… Ist es das, was du willst? Du willst Gespielin der Soldaten sein? dann bist du am richtigen Ort, mein Kind! (ein zusammengestückelten Körper: aus: Friedrich Schiller „Die Jungfrau von Orleans“, 3. Aufzug, 3. Auftritt; Raoul Schrott „ERSTE ERDE EPOS“ und Filmzitat aus „Jeanne d’Arc – Die Frau des Jahrtausends“ von Christian Duguay)

Künstlergeburt

gehämmert federt er zurück und zersprengt den amboss / geschliffen aber glitzern an ihm sechsstrahlige sterne auf… (aus: Raoul Schrott „ERSTE ERDE EPOS“) … hinter dem horizont klart meine Künstlergeburt.

Die Wahrheit der Formen

In der vergangenen Nacht erschien mir im Traum ein König, der Barack Obama glich. Er war mir ein Monarch als weiser Ratgeber. Barack Obama stellte vielleicht diese positive Vaterfigur dar, für die ein König bekanntlich im Traum steht. Schien mein Vater-Kind-Verhältnis hier von einer Art Abhängigkeit geprägt? So wie es Traumdeuter fragen. Ich weiß es nicht. Ich habe vielmehr gelesen, dass das Symbol des Königs im Traum das Streben nach Vereinigung mit sich selbst darstellt. Es geht bei dem Traumsymbol „König“ um verdrängte Gefühle, die ich mir bewusst machen sollte. Auf einer spirituellen Ebene erhält das Traumsymbol „König“ zudem Bedeutung als eine schlummernde Kraft, für Erfolg und den Sieg über zerstörerische Energien sowie für neue Freundschaften oder Beziehungen. Ein spannendes Bild, finde ich. Könige galten im alten Ägypten z.B. nicht als selbstherrliche Machthaber, sondern als Inkarnationen der Sonne. „In der Tat“ schreibt Eugen Drewermann, „ist der Vater, der König oder der Gott in den Mythen und Märchen … ein Symbol für den regierenden Teil der Psyche, also für das Bewusstsein… die Not, die der König erleidet …/…/… mag nur das verdrängte Gegenbild zu der bewussten Lebenseinstellung Heilung bringen. Dieses Gegenbild, das bei einem männlichen Träumer für gewöhnlich in weiblicher Gestalt symbolisiert wird, hat C.G. Jung… die anima genannt.“ (Eugen Drewermann; Tiefenpsychologie und Exegese, Band 1) Und wenn der König dann auch noch in den Worten von Robert D. Laing zu mir spricht, dann ist es ein ungeheurer guter Traum gewesen. Von mir als Künstler.

In·s·pi·ra·ti·on / ɪnspiraˈt͜si̯oːn,Inspiratión

„Herr Bach, sagen Sie unserem Publikum doch kurz: Wie entstehen bei Ihnen die Ideen?“

„Tja, ich weiß nicht, manch einer behauptet, die Inspiration wäre so ein schöpferischer Einfall, ein Gedanke, also eine plötzliche Erkenntnis. Sie verstehen, eine erhellende Idee, die jemanden, besonders bei einer geistigen Tätigkeit, weiterführt… Erleuchtung, Eingebung – „künstlerische, dichterische, musikalische Inspirationen“… So etwas halt. Noch besser wäre allerdings: Inspiration ist das Einatmen während einer zynischen Hysterie Stunde! Zynische Hysterie Stunde. O, der wunderbare Titel (original: „Filmworks VII: Cynical Hysterie Hour“), der einfach hervorragend für mein Inspirationsverständnis stehen könnte/sollte, geht zurück auf das 1989Album von John Zorn. Der Musiker, den ich sehr schätze. Er komponiert hier für eine Serie von japanischen Zeichentrickfilmen, die der Künstler Kiriko Kubo geschaffen hat; Stück 20 auf der CD ist „Omelet Punk 1“ (0:21) … Stück 24 lautet „Omelet Punk 2“ (0:28)…

… beides sind (eigentlich echt kurze) Quellen der Inspiration für mich. Wissen Sie, ich kann nicht mal die einfachste Tonleiter spielen. Bei einem Nachnamen wie dem meinen, schon etwas peinlich, finde ich. Oder?

Stattdessen könnte ich aber, wenn verlangt, ein Gedicht aufsagen. Wie zum Beispiel: „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund, ich schrie mir schon die Lungen wund nach deinem weißen Leib, du Weib. Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht, da blüht ein süßer Zeitvertreib mit deinem Leib die lange Nacht. Da will ich sein im tiefen Tal. Dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl…

Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar, da schlief ich manchen Sommer lang bei dir und schlief doch nie zu viel. Komm her… ich weiß ein schönes Spiel im dunklen Tal, im Muschelgrund… ach, ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!“ Von François Villon. Würde mich wirklich inspirieren.

Ob nun Omelet oder Erdbeere… ich mag beides. Oder ich finde eine Fotografie von Dennis Hopper und – ZACK – bin ich inspiriert zu bestimmten Arbeiten.

Fast könnte man meinen, ich könnte nicht zurückhalten, so eine Art (künstlerische) Ejaculatio praecox; aber ich schwebe einfach so dahin, im Traum… und da kommt mir schon so manch eine Idee…

Ich schalt‘ die Glotze an / Die Daltons Waltons, everyone  / Ich glotz‘ von Ost nach West, 2, 5, 4 / Ich kann mich doch gar nicht entscheiden / Ist alles so schön bunt hier!…

Ja, ich lasse es einfach geschehen. Zurückhaltung ist mir genauso unerträglich, wie die vollauteste Aufschneiderei. Ich zeichne halt, wie einem der Schnabel gewachsen ist… Manch böse Lästerzunge kräht, ich wäre „ A Little Busy Body“, aber das stört mich nicht…

Frauen!… so heißt es, sie inspirieren uns zu großen Dingen. Hindern uns aber dann daran, diese auszuführen. Hahaha! Das ist lustig…

Und die Inspiration? Ich glaube, das ist eine alte romantische Idee ohne Sinn und Verstand. Wissen Sie, wer das gesagt hat? Rodin! Ich frag mich, ob der Omeletts mochte. Schon gewusst? Omeletts sind weltweit beliebt. In Spanien heißt die Eierspeise Tortilla und besteht klassisch aus in Olivenöl angebratenen Eiern, Kartoffeln und Zwiebeln. Apropos Zwiebeln. Ich hab mal eine benutzte, mit Essensresten verschmierte Pizzaschachtel, in der ich mir eine Pizza Cipolla/Zwiebel gekauft hatte, zum Kunstwerk umgestaltet. Mit etwas Bootslack alles versiegelt, ein paar liturgische Farben wie ein Smaragdgrün, Marienblau, Blutrot drauf und – ZACK – fertig. „Das vorletzte Gericht“ hatte ich die Arbeit getauft. Und schnell einen Käufer dafür gefunden… Ach ja, Inspiration.

Ein echtes gefühlsmäßiges Durcheinander, nicht wahr? Leider muss ich gestehen, dass mir auf die Schnelle dazu leider überhaupt nichts einfällt.“