Traditionelle Ästhetik in mehrere Richtungen

Nicht alles im Leben lässt sich bildhaft darstellen. Die eigene Geburt. Der eigene Tod. Meine Kunst leistet hier schlicht Nacharbeit bzw. Vorarbeit. Die eigene Werke machen mir mein Leben auf diese Weise anschaulich. Nicht unbedingt verständlich in einer volkstümlichen Sichtweise. Mein Werk, mein Œuvre, mein Kosmos, eingepfercht in meinem kleinen BLOG. Oder wie Arno Schmidt es sagen würde in „wirr=gekalkten Kellern (= Mäusefarmen!)“.

Fotos, Briefe, Dokumente (wie z.B. mein Fahrtenschwimmer-Abzeichen oder die gewonnenen Urkunden der Bundesjugendspiele), meine TV-Lieblingssendungen („moderne Schriftsteller müssten gesetzlich dazu angehalten werdn, zu notiren, was für Sendungen sie=sich so täglich angesehen habn“, forderte Arno Schmidt stets vehement), so vieles fehlt auf meinem BLOG. Wahre Bilder der Liebe, in denen sich der Mensch buchstäblich nackt zeigt? Die eigenen Abgründe, die Ängste, die Offenheit, das Intimste vom Intimen?! Mea culpa.

„Was ich fühle, wie drücke ich es aus? Der Mensch ist doch immer, selbst auch auf seinem BLOG, allein“ (frei nach Heinrich von Kleist, der leise vor sich hin singt: „Happiness Is a Warm Gun“.)

 

„Verzeihung“

„Unser Leben ist ein Produkt unserer Gedanken“. Schreibt Marcus Aurelius. Und wenn ich versuche aus dem Leben ein Kunstwerk zu machen, dann schließt sich der Kreis, auf dem ich ständig geradeaus laufe.

Kultur und Gespenster

Bazon Brock meinte einmal: „Der Tod muss abgeschafft werden, diese verdammte Schweinerei muss aufhören. Wer ein Wort des Trostes spricht, ist ein Verräter.“ Eine gute Idee. Aber wer macht schon mit? Wie viele Tode werden auf den Bühnen der Welt immer wieder aufs Neue gestorben, um nach dem letzten Vorhang wieder aufzuerstehen? Von Literatur, Film, Musik und Tanz zu diesem Thema einmal ganz zu schweigen. Der Tod, heißt es, lächelt uns alle an, das einzige was man machen kann ist zurück lächeln! Ich nicht. Ich lächle nicht. Nein, ich spucke ihm ins Gesicht, weil er mir einen geliebten Menschen nahm. Am liebsten würde ich ihm seine hässliche Visage zerkratzen. Stattdessen schnippel ich herum, an Bildern, die aus dem Erinnerungsbaum fielen, an Fotos, die ich vor Tagen in alten Kladden fand, muffig vom Staub der Schränke. Bockig wie ein kleines Kind, das nicht begreifen will, gebe ich dem Tod nicht die Hand. „Mein Name ist Max“, hatte der Tod gesagt. Ich weiß. Mutti hatte den Tod, ihren Krebstumor, mit Max angeredet, als er ihr im Krankenhaus vorgestellt wurde, so als hieße sie den eigenen Scharfrichter in ihrer Wohnung herzlich willkommen. Und Max nistete sich ein, er machte es sich bequem. Von Anfang an konnte ich Max nicht leiden. Er sprach kein Sterbenswörtchen. O, nein. Er ließ nur sterben. So ein Gast war Max. Und als er endlich ging, nahm er meine Mutter gleich mit. So jemandem gebe ich zum Abschied nicht die Hand. Ich schmeiße die Tür hinter ihm mit Wucht ins Schloss. Und starre dann selbst erschrocken in die Leere der Wohnung. Mutters Stimme vernehme ich in dieser möblierten Öde nur noch wie ein fernes Blätterrauschen. Es kommt von dem Baum, der unweit vor dem Balkon steht. Die Sonne hat sich in den Zweigen verfangen und lässt die längst ausgehauchten Worte meiner Mutter in mir aufleuchten. Sie spricht von und mit Liebe zu mir. Weinend hocke ich mich nieder und bastel mir kleine Trostbilder.

Die Kultur kennt viele Gespenster, die uns als Publikum faszinieren. Mag sein. Als Künstler lasse ich Dinge erscheinen und wieder verschwinden. Ich zerstöre Dinge und stelle sie auf magische Weise wieder her. Ich spiele mit Illusionen. Meine Bilder werden auf Rauch projiziert, sie erscheinen schwerelos und schweben als Geist vor unseren Augen. Und auch das niedliche weiße Kaninchen taucht wieder auf. Ein künstliches Kaninchen, so täuschend echt, dass es sich bewegen kann wie ein richtiges Kaninchen. Man kann diese Kaninchenpuppen so zucken und zappeln lassen, dass im Publikum die Illusion entsteht, da ist ein wirkliches Kaninchen aus dem Hut gezaubert worden. All das kann ich machen. Mit Leichtigkeit. Nur meine Mutter, das wird mir mit jedem neuen Tag schmerzlich bewusst, sie kommt nie mehr zum Vorschein. Nie mehr.

Tonleiter der Liebe

Die Tonleiter der Liebe : „Made in heaven / That’s what everybody says / Wait and see … It was really meant to be / Written in the stars“ (Queen)