Irritierende Leidenschaft

Es gibt irritierende Ereignisse, die ein Mittel sind, zu irritieren, wie zum Beispiel die Ereignisse zwischen zwei Ereignissen und Ereignisse, die solche irritierende Ereignisse erkennen lassen. (Thomas Bernhard)

Ebenso gibt es irritierende Bilder, die ein Mittel sind, zu irritieren.

Beglückende Venus

Ich sah, ich errötete, ich erblaßte. Meinen Geist ergriff unendliche Verwirrung; finster ward’s vor meinen Augen, mir versagt‘ die Stimme. Ich fühlte mich durchschauert und durchflammt, der Venus furchtbare GESTALT erkannt‘ ich. Und alle Qualen, die sie zürnend sendet?

Erinnern, so beschrieb es der Autor Mario Schlembach einmal, sei bekanntlich nicht, irgendwelche Denkmäler zu errichten. Das Erinnern bestünde aus einem ständig vollzogenen Akt und einem aktiven Prozess. Das stimmt. Genau aus diesem wunderbaren Grund entstehen all meine Bilder: ich erinnere mich. An das Vergangene. Als auch an das Zukünftige. Das Gegenwärtige ist der eigentliche Akt des Erinnern. Während ich male, treten von Zeit zu Zeit Menschen an mich heran und beginnen über meine Bilder zu erzählen. Sie berichten mir, welchen Bezug sie zu ihnen haben oder was sie mit anderen Bildern schon erlebt haben. Manchmal erzähle ich mir auch selber, was ich erblickt… Ich schaue; ich bin der Beglückte.

Beim Prüfen von Bildern

„Beim Prüfen von Bildern: können sie der Einwirkung von Schatten standhalten?“, fragt John Cage. Und Sylvia Plath antwortet ihm ohne zu zögern: „Sterben ist eine Kunst, wie alles andere auch. Ich kann es besonders gut.“ O, Seele, denke ich, was wiegst du? Am Ende waren es nur cirka 30 Kilo. Nicht mehr. Ein Lufthauch nahm dich hinfort… Zurück bleiben Spuren von Farben und Formen, die uns immer an dich erinnern werden, Jana.

Geheimnis der Dinge

Wenn Wort und Bild auseinander klaffen, so bedeutet das zugleich, dass es irgendwo eine Verbindung zwischen ihnen geben muss. Dort liegt das Geheimnis der Dinge. An dieser Stelle niste ich mich ein. Und betrachte liebend gern die grünen Sonnen dieser Welt. Die Tage kommen blütenreich und milde. Der Abend blüht hinzu. Und helle Tage gehen vom Himmel abwärts, dort wo meine weiteren Lebenstage sich vermählen. Jedes neue Jahr erscheint mit seinen Zeiten wie eine Pracht… Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele. So sind die Zeichen dieser Welt, der Wunder viele… an einer Galeriewand ausgestellt. So fiebere ich. So schreibe und male/zeichne ich zu mir selbst. Hand in Hand mit Scardanelli. Am Käfig der Worte hab ich das Türchen geöffnet, damit die Bilder heraus- und emporsteigen können.

Täglicher Drachenkampf

Der Drache, wie in der psychoanalytischen Tradition C. G. Jungs bei Erich Neumann, James Hillmann, Etienne Perrot u. a. aufgezeigt, steht für einen der ursprünglichsten und kulturübergreifenden Archetypen (strukturelle Elemente des kollektiven Unbewussten oder grundlegende Bilder, die die Psyche strukturieren) der Menschheit… Und gemeinsam mit dem Drachen wird immer der heldenhafte Reiter dargestellt, der ihn im grausamen Kampf stellt. Was bedeuten diese beide Figuren?… Auf dem Weg der Evolution wird die Menschheit vom Unbewussten zum Bewusstsein geführt, von der kosmischen Fusion mit dem Ganzen (Uroboros) zum Aufkommen der Selbständigkeit des Ichs. Dieser Schritt ist, wenn er ganz vollzogen ist, dramatisch: deshalb muss das Ich ihn immer wieder gehen, will es sich der Freiheit und der Selbständigkeit erfreuen… Es ist wichtig zu erkennen, dass der schreckliche Drache und der heldenhafte Reiter zwei maßgebliche Dimensionen des menschlichen Seins darstellen… Die Handlung des Helden, in unserem Fall der Hl. Georg in seinem Kampf mit dem Drachen, zeigt die Stärke des Ichs, das sich mutig und erleuchtet durchsetzt und Autonomie erobert, sich jedoch stets in Spannung mit der dunklen Dimension des Drachen befindet. Sie koexistieren, doch niemals beherrscht der Drache das Ich… Wer sich auf diesen Weg Kampf einlässt, leugnet den Drachen nicht, sondern behält ihn bei als gezähmten Anteil seiner inneren Schattenseite. Und darum tötet der Hl. Georg in den meisten Erzählungen den Drachen auch nicht. (nach Leonardo Boff, Theologe und Philosoph)

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Selbstinterview (aus der Nacht gesprochen)

Wie kommen Sie nur immer wieder auf Ihre Bilder? Also gut, ich erkläre es Ihnen hier gerne noch einmal. Es ist ganz einfach: I’m gonna sit right down and write myself a letter – And make believe it came from you… Pardon! Wer sagten Sie, ist noch einmal mit „You“ gemeint? Der dunkle Schatten, den man sieht, wenn man seinen Rücken zur Sonne dreht?  Hey, unterbrechen Sie mich doch nicht, wenn ich mit mir rede… I’m gonna write words, oh, so sweet They’re gonna knock me off my feet – A lotta kisses at the bottom – I’ll be glad I got`em… O, ich verstehe: eine wundersame Verbindung, wie von Himmel und Wasser. Und die Kunst ward in einer Muschel der inneren Denkungsart geboren. Stimmt`s? Her weapons were her crystal eyes / Making every man mad / Black as the dark night she was / Got what no one else had / And Venus was her name.

 

Na, sehen Sie, es ist doch nicht so schwer das alles zu verstehen. Trotzdem, ich bleibe dabei, dieser Schatten, der über allem liegt, der Gedanke an die Sterblichkeit muss irgendwie, irgendwo sublimiert werden. Am besten in einer manisch gesteigerten Produktivität. Was geschieht aber, wenn diese Produktion einmal abgeschlossen ist? Was, wenn Ihr Werk vollendet ist? Darüber lässt sich nur spekulieren. Mit der Stimme der Zeit.

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Zum Tode von Stan Lee

Stan Lee revolutionierte die Comic-Welt durch seine komplexen Charaktere. Und ich verdanke ihm unzählige Bilder und Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend. Vor Egon Schiele, vor Wassily Kandinsky, vor Friedrich Hölderlin gab es für mich Reed Richards, Charles Xavier und Bruce Banner. Am 12.November starb Stan Lee, der Dostojewskij der Comic-Literatur im Alter von 95 Jahren in Los Angeles. R.I.P.

 

Mein Wahn & Sinn

Worte sind nichts als kleine, missverstandene Leben. Und ich frage Sie, wird ihr Klang, das Hörbare, überhaupt in Bildern sichtbar? Na, was meinen Sie? Sie, als Künstler?

Wer bin ich, dass…? Ich bin ein Kind. In einem Spielzimmer. Auf einem Karussell… Und dann und wann, Sie wissen schon, ein weißer Elefant. Oder ein Löwe. Er hat einen tiefen Riss im Rücken. An seinen prächtigen Tatzen blättert die goldene Farbe ab. Ein Schmetterling hat längst einen seiner Flügel eingebüsst. Und das Nilpferd im rosa Tutu knarzt, wenn ich mich auf es setze. Mein geliebtes Kinder-Karussell, an dem die Tiere mit Eisenstangen befestigt sind, ist mehr als viele 100 Jahre alt. Und es geht hin und eilt sich, dass es endet, und kreist und dreht sich und hat nur ein Ziel… meinem Glück hinterher.

 

Was ich bin

Wer bist du und was willst du?

„Ich bin kein Gespenst der Vergangenheit , / Kein grabentstiegener Strohwisch, / Und von Rhetorik bin ich kein Freund, / Bin auch nicht philosophisch. /… Doch wisse: was du ersonnen im Geist, / Das führ ich aus, das tu ich. / … -ich bin / Die Tat von deinen Gedanken.“

Ich bin der Koch der Dieb seine Frau und ihr Liebhaber. (Ich bin Peter Greenaway und genauso Heinrich Heine)