Es gibt kein endgültiges Foto von schönen Hermaphroditen

Sich etwas erlauben bedeutet an etwas glauben, bedeutet sich etwas lieb und vertraut zu machen. Jeder Mensch erlaubt sich in seiner jeweiligen Sprache, die er beherrscht, ganz spezielle Dinge. Sei es, weil wir uns so sehr daran gewöhnt haben, mit Worten. Oder, wie in der Kunst, auch mit Bildern. Schon seit Längerem versuche ich diese beiden Pole miteinander zu versöhnen. Denn unsere Worte sind immer so vorwitzig. Dabei wird Kunst mehr geatmet, als erzählt. Das glaubt mir aber kaum noch jemand. „Das da“, sagen wir… und die Worte führen uns zu einem Bild, das nachhallt… das Bild flüstert uns etwas ins Ohr der Seele. Es spricht von der Möglichkeit des Sagen=Zeigenkönnens.

Porträt des Künstlers als Hofnarren

Jemanden zum Narren halten, zum Narren haben – jemanden narren, foppen, veralbern. Der Narr, er soll fassen und fürchtet sich davor…

Ein seltsamer, fast gespenstischer Geist beherrscht ihn. Verloren in den Abgründen der Mutlosigkeit gewinnt er oft das Beste: sich selbst; und vertieft in große Gedanken verliert er sich wie Spreu in den Wind geworfen… Außer Gebrauch gekommen ist für ihn die allgemeine Bezeichnung als ein „Künstler“, der „künstlerische“, verdrehte, einfältige Dinge tut, halb mutwillig, halb wahnsinnig… so lebt er in fortlaufenden überzarten Sorgen, die ihm die gesunden Sinne zu verrücken drohen. Er ist eine Figur, die keinen festen Platz in der ständischen Ordnung und somit in der Gesellschaft hat, die sich keinerlei Normen verpflichtet fühlt und in ihrer menschlichen Gegebenheit aus dem System fällt. Mit sich selbst stets im Unklaren, dünkt es ihn fürchterlich, auch nur von ferne irgendwelches Vertrauen zu sich zu haben und strotzt doch zugleich von Vertrauen zu sich selber. Sein Gefühl der Erleichterung beim Urinieren zeigt, dass der Narr/Künstler daran arbeitet, Empfindungen für sich selbst zu klären… aber er traut es sich nur dann, wenn er mitten im Fieber des Schaffens begriffen ist. (☛ siehe/lese hierzu u.a. „Über den Charakter des Künstlers“ von Robert Walser.)

Das Nest

Wenn der Himmel einfällt, so können die Vögel keine Nester mehr bauen.

Es sei denn, sie malen sich welche.

Veröffentlicht unter Kunst

Mutter ohne Kind / Kind ohne Mutter

eine geste zu einer figur geronnen dahingekauert von großem leid von schmerz und verlust gepeitscht gekrümmt in trauer von tränen nieder gedrückt von tränen die das gesicht wegwuschen als wäre es niemals dort gewesen hätte nie geschmunzelt geredet nie geküsst ausgelöscht durch traurigkeit nicht mal mehr im stande flehend die arme zu heben

 

Ich bin jemand

 

Ich bin jemand. Aber wie würde ich mich, bei Interesse, beschreiben wollen? Vielleicht so: Ich bin ein Wanderer durch ein freies Feld. Ich mag nicht weiter. Ich mag in dieser Stille mit dem Geplauder meiner Schritte und dem Keuchen meines Atems nicht Lärm machen. Ich setze mich nieder, mache eine Pause.