Porträt eines Hinterbliebenen (und seiner Eltern)

Als Hinterbliebener macht man sich oft so seine Gedanken. Man fragt sich zum Beispiel, ob die eigenen Eltern Heilige waren?

O, nein, lautet die sofortige Antwort. Sie waren nicht einmal richtig religiös, eher waren sie herzensgut. Und das ist weit wichtiger als irgendeine Heiligtuerei, finde ich. Tja, als wäre es erst gestern gewesen, erinnere mich gerade daran, dass meine Mutter kurz vor ihrem Tod plötzlich wissen wollte, ob es immer noch viele Störche auf der Insel Föhr gäbe. Grund genug für mich, kurz nach dem Tod meiner Mutter (Vater war schon vor fünf Jahren verstorben), auf die Nordseeinsel zu fahren. Tatsächlich existiert dort eine starke Storchenpopulation. Mit cirka 20 bis 30 Tieren. Und jedes Jahr wachsen immer neue Jungstörche heran. Viele überwintern auf der Insel. Einige fliegen im Herbst in den Süden und kehren dann vereinzelt im nächsten Jahr zurück. Wie dem aber auch sei, kaum hatte ich seinerzeit die ersten Schritte auf die Insel gesetzt, da flog auch schon ein Storchenpaar über mich hinweg. Mir war auf der Stelle klar, dass dies meine Eltern waren. Und was für ein wunderbares Bild. Spontan setzte ich mich nieder und schrieb folgende Zeilen in mein Tagebuch: Ob die Eltern den Regen spüren / Vaters Knochen vom Nass geküsst / Mutters Asche feucht durchtränkt / Oder liegen nur Reste von ihnen in der Erde / Und ihre Seelen sind längst verwandelt / Ziehen als ein verliebtes Storchenpaar / Hoch am Himmel ihre Bahn…

„Da schau,“ sagte ich zu mir „da sind sie.“ Und da waren sie… das waren meine Eltern. 

Was auch immer in Wuppertal in der Erde des Friedhofes liegen mag, es hat nichts mehr mit ihnen zu tun, denke ich heute und setze die letzten Striche unter die Zeichnung, die mich und meine Eltern in einem Bild (wieder) vereinen.

Verliebte Blumen

Es gab eine Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat. Doch heute ist es allein mit Luft, genügend Licht und einer wünschenswerten Temperatur nicht mehr getan, damit sich verliebte Blumen wohlfühlen können.

Denn mit all den obigen Dingen sind diese bestimmte Pflanzen, die ich meine, nennen wir die beiden hier einfach S. und D., nicht ausreichend ernährt. Wie wir alle brauchen auch diese Zauber-Pflanzen besondere Nährstoffe und dazu ein Wasser, das nur aus einer ganz bestimmten Quelle sprudelt. Und auch nur dann, wenn diese wachgeküsst wird. Hinzu kommt noch, dass diese erwähnten Nährstoffe nicht zwingend in organischen Verbindungen vorkommen müssen. Unsere zwei Pflanzen können sich, dies darf verraten werden, auch rein poetisch ernähren. Sie nehmen also reichlich Liebe zu sich. Und das macht sie so märchenhaft… verliebt.