Einfach einfach.

Zu all meinen Lebzeiten wollten Atelierbesucher oder Besucherinnen stets eins von mir wissen: Warum tue ich das, was ich mache? Schon damals gehörte diese penetrante Neugier zu einem äußerst unterhaltsamen Fragenspiel der vom Leben gelangweilten Gesellschaft. Ja, natürlich durfte jeder Mensch mich fragen, ob ich meine Blilderpracht lieber nach der berühmten Sigmund-Freud-, der Alfred-Adler-, der C-G-Jung- oder der Knaus-Ogino-Methode zu analysieren beliebe. Es gab für mich aber stets nur die eine, die immer gleiche, befriedigende Festellung: „Das sieht schlicht und einfach richtig aus.“ 

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Ein zauberhafte Zugabe

Es ist ein leichtes und absolut legitimes Spiel, den Dingen einen Sinn zu verleihen. Doch das wird niemals der eigentliche Sinn des Tun sein. Es kann mir durchaus Sinn bereiten eine riesige Bleirakete zu basteln und sie mir in eine gigantische Garage zu stellen. Aber der eigentliche Sinn dahinter bleibt schleierhaft. Ebenso kann ich Sinn darin finden, das größte Auto in Form einer Banane zu bauen, um ins Guinness-Buch der Rekorde zu gelangen. Es existiert nun einmal eine Diskrepanz zwischen Sinn geben und Sinn sein. Martin Heidegger hat sich zeitlebens immer auf die Seite des Sein geschlagen und war sich seiner Wahl führerhaft sicher. Ich bleibe in meinem Tun unsicher und höre deshalb lieber auf mein Herz. Es schlägt sich mit mir auf die Seite von Glenn Gould, der einst behauptete: Ein Künstler nimmt nichts weg. Ein Künstler gibt stets dazu. Genau darin sehe ich meinen Sinn: ich gebe etwas zu. Und ich tue das mit Worten und mit meinen Bildern: etwas zugeben. Ich gebe also bewusst zu, meine Kunst hat nur Sinn, weil Kunst mir Sinn gibt. Mit anderen Worten: mit Kunst mache ich mir selbst eine Freude.

unschmeichelhaft, also wahr

Ein unwahres Bild ist paradoxerweise jedes Bild, was uns wahr erscheint. Ich denke, ein Bild kann von mir nur als wahr angesehen werden, wenn es mich in keinster Weise repräsentiert. Es soll mir nicht schmeicheln, das ist mir wichtig.

Existenzielle Fragen

„Der Zusammenschnitt der 4 Motive ist für mich eines der stärksten Werke, die ich bisher von Dir sehen und „erleben“ (Hallo!!! Kierkegaard 🙂 )durfte!!! Ich hoffe noch auf viele Jahre Deines Schaffens!!“ So schreibt mir heute ein lieber, guter Freund.*
* Dieser Freund hatte mich am Tag zuvor in meinem Atelier besucht. Er wollte meine neusten Werke sehen. Und er war, wie er sagte, ergriffen von ihnen. Eine Woche zuvor hatten wir über Søren Kirkegaard geredet. Über die Bedeutung des Philosophen, wie auch Theologen, in heutiger Zeit. Eine Lehre von Kierkegaard, vorallem in unserem Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, ist es, sich zu fragen: Wer wollen wir sein? Wie wollen wir sein? Und wofür? Existenzielle Fragen. Ewig gültig. Leise formulierte ich das Wort KUNST auf meinen Lippen. Uns war klar, Kunst stellt solche existenzielle Fragen. Wir suchten nach Antworten… und betrachteten gemeinsam die ausgelegten Werke.

Mein Eintrag ins Atelierbuch

Seit dem 1. Januar 2025 gibt es bekanntlich keine Meldepflicht mehr für deutsche Staatsangehörige in den Hotels in Deutschland. Ein handschriftlich unterschriebener Meldeschein ist für niemanden mehr erforderlich. Für mich bleibt diese Meldepflicht allerdings bestehen; ich meine, ich muß mich weiterhin mit einer kleinen Zeichnung oder Collage ausweisen, wenn ich mein Atelier betrete. Das Atelierbuch liegt direkt an der Rezeption für mich bereit. Und gerne komme ich meiner Pflicht nach und hinterlasse darin ein kleines Kunstwerk. Nur so kann ich später dort nachschauen, um zu registrieren, ob ich auch tatsächlich vor Ort war.

Der eigene Abgrund

Willst du mitgehn? oder vorangehn? oder für dich gehn?… Man muß wissen, was man will und daß man will. (Friedrich Nietzsche)

Der Schriftsteller Umberto Eco schreibt über seine Troubadour-Verse, dass sie reine Onanie seien. Weil die Angebetete, die darin besungen wird, bloß reine Phantasie wäre und rosige, nackte Haut in einem imaginären Harem. Wenn dem nicht so wäre, dann, so Eco weiter, hätte ein völliger Trottel die Verse geschrieben. Weil dieser Idiot hätte einer Frau aus Fleisch und Blut nur Gedichte schrieben. Und mehr nicht.

Geht denn mehr? Ich meine schon: Reine Phantasie und zugleich ein Bild aus Fleisch und Blut. Kunst ist immer Welle und auch Teilchen. Was sich widerspricht, hier existiert es.