Kunst Mimikry Kunst

Etwas, was alt ist, sollte weiterhin Gültigkeit besitzen: Mimikry, wie hier zum Beispiel, bezeichnet in der Biologie das Phänomen, bei dem Lebewesen das Aussehen, Verhalten oder die Signale einer anderen Art (dem Vorbild) nachahmen, um sich zu schützen oder auch Beute anzulocken.

In der sogenannten Realität imitieren und erschaffen harmlose Künstlermenschen, wie ich in unserem abgebildeten Fall, gefährlich aussehende Arten (ihre Werke), um „Fressfeinde“ abzuschrecken.

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Bilder, die Geschichten erzählen.

Jedes Bild beinhaltet eine Geschichte.

Es gleicht darin uns Menschen, die wir jeder eine Geschichte besitzen. Um die Geschichte des Bildes zu hören, muß uns jedoch erst ein Fantasieohr an unserem Herz erwachsen. Mit diesem Ohr können wir uns dann an die Brust des Bildes legen und seinen inneren Rhythmus vernehmen. Vielleicht hören wir ein Blau rauschen, ein Gelb zwitschern oder eine Linie nörgeln, weil sie scheints in eine wüste Irre schlendert. Jedes Bild trägt sein Geheimnis unter einer dünnen Haut aus Papier. Und wenn ein, zwei oder drei Bilder sich zusammenfinden, dann beraten sie sich gegenseitig, wie ihre Träume wahr werden können, ohne an der Wirklichkeit von uns Menschen zu zerschellen.

Diesen Gesprächen habe ich schon immer gerne gelauscht. Oft verbarg ich mich im eigenen Atelier, damit die Bilder sich unbeobachtet fühlten… und hörte einfach nur zu, indem ich schaute.

gezeichnet collagiert gemalt… ein Liebesbrief

Der Dichter Reiner Kunze wußte es, ein Brief, ob gezeichnet, collagiert, gemalt oder geschrieben, er bedeutet: „eine hoffnung sein, das unüberbrückbare überbrücken mit jedem schritt“.

Für mich gleicht jedes Bild, das ich male, einem Liebesbrief. Der Kunst zu verfallen heißt, an sich selbst eine Neubestimmung zu erfahren. Kunst und Liebe bedeuten, dass ich die eigenen Bedürfnisse neu zu definieren lerne.

Heilige Schriftzeichen

O ja, ich erinnere  mich: Die Bezeichnung „Hieroglyphen“ bedeutet soviel wie „heilige Schriftzeichen“, also KUNST. Zu voreilig denkt man, wenn über Hieroglyphen geredet wird, nur an das alte Ägypten. Ich dagegen sehe Hieroglyphen tagtäglich auf dem Boden, an den Wänden meines Ateliers. Wie groß der Anteil der eigentlichen Schriftkundigen an der Bevölkerung des alten Ägyptens war, ist bis dato unklar, es dürfte sich nur um wenige Prozent gehandelt haben. So verhält es sich heute auch noch, wenn wir auf wahre Künstler zu sprechen kommen. Auch deren Anteil ist im Verhältnis zur Besamtbevölkerung schätzungsweise sehr gering. Schriftkundige sind Künstler, sind einfach nur „Schreiber“…diese Bezeichnung, diese Gleichsetzung gefällt mir. Sie stehen synonym für ein Spiel, was ich als Kind spiele, um die Erwachsenen in mir aufzuwecken, indem ich über eine weiße Planke tanze…

Kurzer Brief an Velázquez

Zweideutigkeit, Verdoppelungen, mein lieber Freund Velázquez, die Infantin Margarete, dir als Modell dienend, die in einem Karton wohnt? Ich bin gespannt, wie Du mir das demnächst, wenn wir uns in meinem Atelier treffen, erklären möchtest. Es gibt für alles eine Geschichte, Du Wunderknabe, das ist mir bewußt. Du und ich, wir bringen sie letztendlich ständig auf Leinwand oder Papier.

Ganz liebe Grüße, D.