Werk, schau!

Mein Werk, schau, was du aus mir gemacht hast. Ich bin aufgestanden und habe mich dann gesetzt, um ein Lied zu schreiben…

… oder ich blieb stehen, nur um für dich zu tanzen. Ich habe einem Gott und den von mir geliebten Wein besungen. Und das in nur einem einzigen Atemzug. In solch einem trunkenen Lied versuche ich auszusprechen, was andere Stimmen um uns herum gerne verschweigen. Derart berauscht, letztlich auch von dir, erhielt ich meine ganz persönliche Stimme… so hoffe ich jedenfalls. Sie wirke, so sagt man, wenn man mir schmeicheln möchte, sehr galant. Vielleicht aber auch zu erotisch. In meinen Augen und Ohren ist sie gemacht für ein zartes Werben. Das Lied hab ich gemacht weiß nicht über wen. Vielleicht stimmt das sogar, vielleicht aber auch nicht. Meine Hingabe (an wen auch immer) geschieht heimlich und bedarf in guter Troubadourenart nur ganz beiläufigen Bemerkungen über den eigentlichen Adressaten. Es stimmt schon, ich spiele mit Rätseln und versteckten Hinweisen… Will you, won’t you want me to make you / I’m coming down fast but don’t let me break you / Helter skelter… das Drunter und Drüber sind für mich nämlich Hilfsmittel bei der Suche nach einer Erkenntnis. Ständig halt ich Ausschau und erwarte deinen Einfluß und deine Innovation, du, mein Werk: When I get to the bottom I go back to the top of the slide… Helter skelter… Ich sah sie noch nie und lieb sie doch sehr. Sie ist also wie du selbst.

„Hier“ wie „gestern“

To lead a better life, I need my love to be here…

Here, making each day of the year…

Changing my life with a wave of her hand…

Nobody can deny that there’s something there…

„Here, There and Everywhere“; The Beatles. Ich weiß nur zu gut: Bei all meinen Identifikationen bedeutet das „hier“ auch „gestern“… als auch „zukünftig“.

Schönheit Liebe Lernen

Alle Dinge, die wir jetzt lieben, haben wir lieben gelernt. Wir werden schließlich immer für unseren guten Willen, unsere Geduld, Billigkeit, Sanftmütigkeit gegen das Fremde belohnt, indem das Fremde langsam seinen Schleier abwirft und sich als unsägliche Schönheit darstellt. Es ist sein Dank für unsere Gastfreundschaft…

Auch die Liebe muß man lernen. Nicht nur für solche Feinheiten, solche Beobachtungen, liebe ich meinen Freund Nietzsche. Er heißt mich wonniglich einen stillen Saal der Phantasie durchstreifen.

Ich habe sie alle gehabt

Man fragte mich: „Sind Sie Peter Anton von Verschaffelt?“

Und ich antwortete wahrheitsgemäß: „Ja, einer von uns muss es in der heutigen Zeit einfach sein. Ganz ohne ihn wäre es nicht annähernd so schön. Aber sie können mich auch Hans Burgkmair nennen…

Oder Johann Heinrich Dannecker, das wäre mir alles recht.

Denn ich habe sie alle gehabt. Die Männer gingen, die Kunst blieb…

Namen verwehten in der Zeit. Ach, wissen sie was, nennen sie mich doch schlicht und einfach Brecht, Bertolt Brecht. Denn ich will mit dem gehen, den ich liebe.“

Trennungsträume

Die Kunst ist nämlich nicht an Siegen interessiert, oder sie hört auf, Kunst zu sein. Das ist die Agonie des Erfolgs…

Kunst ist nicht verlautbar, bleibt im Hals stecken, ist, sozusagen, zum Kotzen. (George Tabori. Aus: „Betrachtungen über das Feigenblatt“)

Wie wahr, wie wahr, ich reiße das Feigenblatt herunter, erfreue mich an der Blöße des Freigelegten, und wandel weiter in meinen Träumen: Wie, wenn die Sonne hinter dem Monde hervor eine zauberhafte Dämmerung in einer düstern-schönen Eklipse auf die Halbscheid meines Lebens schüttet.

Über die Neigung die Realität neu zu gestalten

Unsere Kunstauffassungen haben sich im Laufe der Zeit stark verändert. Damit sind, in meinen Augen, allerdings nur die unterschiedlichen Einfassungen der jeweiligen Spiegel gemeint, durch den die Betrachter ins Wunderland der Kunst oder der Träume zu treten vermögen. Es gibt Barockrahmen, Jugendstilrahmen, Spiegel mit Rahmen im Art Deco Stil oder Kinderzimmer-Spiegel von Edelstahl umrankt in Form eines Kaninchens. Manchmal erscheint uns ein Spiegel blind, wenn er längere Zeit zu starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Oder der normale Alterungsprozess kann zu solch blinden Stellen führen.

Aber der Spiegel bleibt immer das Nichts als Widerstand für Alles. Er bleibt die Demarkationslinie zwischen angenommener Wirklichkeit und wirklicher Angenommenheit. Wir lassen den Makel der Abbildung hinter uns, wenn wir durch ihn hindurch auf eine andere Seite treten. Wer jedoch mit analytischen Blick am erdenschweren Material festhält, an Öl auf Leinwand, an Acryl auf Pappen, der wird nie eine Welt betreten, in der Bienen in einem Löwenskelett ihren Bienenstock errichtet haben. Derjenige, welcher den Honig in dieser Welt mit der bloßen Hand begreift, beginnt mit den Augen eines Künstlers zu sehen.

Die Liebe zum autonomen Spiegelbild

Mein eigenes Spiegelbild ist längst so autonom geworden, wie ich es seit Jahren in meiner Kunst schon bin. Da verwundert es mich auch nicht, wenn es mir aus reiner Lust oder künstlerischer Überzeugung ab und an ein Bild präsentiert, dass mir nicht bis aufs Haar gleicht, aber zugleich meine Seele widerspiegelt. Das muss Liebe sein.