nachdenklich

… ein übler Monat, er treibt Flieder aus der toten Erde, mischt Erinnerung mit Lust. Das soll wohl heißen: Ein modernes Kunstwerk ist unverständlich. Es wirkt wie ein Schock oder das Hereinbrechen eines Traumas. Aber so habe ich das wirklich noch nie gesehen. „Wo ist die Faust, wenn die Hand geöffnet ist?“ Ist es nicht in Wahrheit das, was wir schon immer über Kunst wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten?

 

Träume der Träumenden

Die Träume der Träumenden gehen die Lebenden nichts an? Die Lebenden wollen die Träume nicht in ihre Welt lassen? Wer aber sind denn die Lebenden? Die Betrachter von Bildern etwa? Diese Gruppe von Menschen, die in der fortwährenden Debatte gefangen ist, ob man Bildern einen „grammatikalisch richtigen Oralismus“ aufzwingen soll und kann. Sollte man nicht eher akzeptieren, das Bilder ihre eigene Sprache „sprechen“, ihre eigene Sprache zeigen=zeichnen. Wir mit unserer akademischen Bildung und Grammatik sind es doch, die „zeichengeschädigt“ sind, nicht die Bilder. Wir sollten ihre Poesie lernen zu sehen und dann versuchen diese, in eine den Bildern angemessene Sprache, zu übersetzen. Wir Lebenden sind die „Sehgeschädigten“. Nicht die Träumenden.

„Zahlreich sind die Bezeugungen der Wichtigkeit, die der Analyse der Träume als unerlässlicher Praxis für das Leben nicht nur bei den großen Anlässen, sondern auch im alltäglichen Lauf der Dinge zugestanden wurde.“ (Michel Foucault)

Fantasierender Ring

Liebste, dieser farbige Ring aus Staub und mehr, er fantasiert von Dir. Als dünne Schicht wird er sich auf die Oberfläche der Zeit legen, die dann, kurz berührt, zerfällt, nur um Dich in abertausend Scherben zu spiegeln. Damit Du wie ein unendliches Sternenmeer in all ihren gläsernen Augen auferstehen kannst. Denn genauso betrachte ich Dich. Weder gibt es einen zeitlichen Anfang, noch ein zeitliches Ende, für das, was ich Liebe nennen möchte.

Kunst als Tanz poetischer Wassertropfen

Im Atelierhaus wars, wo ich beschaute, wie Papiere auf Papier angeordnet paßten; Die alte Zeit gedacht ich, die ergraute. Sie liegen da in Reih geklemmt…

Wieder einmal wurde mir bewußt : Kunst ist nichts, was man sich an die Wand hängt. Oder ein Zeitvertreib für einen netten Nachmittag. Kunst ist Poesie. Kunstwerke sind immer nur jene Tropfen, die auf einen kochend heißen Stein fallen. Trifft solch ein Wassertropfen auf jenen heißen Stein des Anstoßes, dann verdampft bekanntlich die unterste Wasserschicht sofort. Dies geschieht bevor sich die Hitze durch den gesamten Tropfen ausbreiten kann. Zwischen Wasser und heißem Stein entsteht ein dünner Film aus Luft. Diese sogenannte „Isolierschicht“ ist entscheidend für das „Tanzen der Wassertropfen“… Und dieses poetische Tanzen mit Wort und Bild möchte ich gerne als Kunst begreifen.

(*Obige Gedichtzeilen von William Shakespeare aus seinem Kaufmann von Venedig.)

A kiss is still a kiss

You must remember this / A kiss is still a kiss / A sigh is just a sigh / The fundamental things apply… Das ein Kuss immer noch ein Kuss ist, daran habe ich immer geglaubt. Aber das ein Bild nur ein Bild ist? Niemals. 

Eine Blüte voller geheimer Küsse

Dies alles: hingetuscht, gespuckt, gemalt, gespritzt, angefeuert von aufschäumenden Zärtlichkeiten, eine zelebrierte Liebesmette, einzig und allein um dieses Bild in mir erblühen zu lassen. Eine intime Knospe, nur angelegt, um mir das Herz zu verwirren und meine Sinne zu verdrehen.

Blume der Liebe

Ich bin der Pfeifer an den Toren der Morgendämmerung / Es ist keine Magie, es ist kein Wahnsinn / (Mein Bild gleicht einer) Power-Blume yeah, oh (Flower-Power, Flower-Power, Flower-Power, Blume der Liebe) …

  Liedzeilen aus Stevie Wonder’s Journey Through „The Secret Life of Plants“.