Wortmeldungen

„Wenn man mit Worten arbeitet, arbeitet man gleichzeitig auch mit der Ohnmacht der Worte, mit der Zerschlissenheit der Worte und bleibt auf diese Weise verhaftet einer Krisenerfahrung, gerade auch als Künstler.“

Wie wahr, wie wahr, Herr Karl-Josef Kuschel, sinniere ich vor mich hin.

Déjà-vu

Was wäre, wenn das gesamte Leben nichts anders als einem immer wieder auftretenden Déjà-vu gleichen würde? Eine Folge von Erinnerungstäuschungen, bei der man glaubt, ein bestimmtes Ereignis früher schon einmal erlebt, in der Vergangenheit in gleicher Weise schon einmal durchlebt zu haben?

Nicht alle Tage erzeugen dieses Gefühl. Das Gefühl der ewigen Wiederkehr, es stellt sich nicht permanent ein. Bei vielen meiner Bilder, da denke ich jedoch oft, ich hätte sie in der Vergangenheit schon einmal gezeichnet…

Es stimmt also: Es reicht nicht, Erinnerungen zu haben. Man muss auch wissen, wie man sie vergisst, und die Geduld aufbringen, ihre Rückkehr abzuwarten.

Ich erinnere mich zunächst nur „unscharf“ an diese Bilder, kann die Gefühle, die sie beim Anblick in mir auslösen, nicht genau zuordnen.

Aber alles kommt mir sehr bekannt vor. Und löst dieses Déjà-vu aus. Immer und immer wieder ist dem so… als würde ich etwas aufschreiben, indem ich es zeichne. Jedes Bild ein Satzzeichen oder das grafische Element einer modernen Notenschrift.

Für die Partitur all meiner Erinnerungen.

Das Porträt des Künstlers als Seiltänzer

Genet hat recht: Ich bin ein Seiltänzer.

Der Schriftsteller Jean Genet (1910 – 1986) verdankt seinen Ruhm nicht zuletzt der Unbedingtheit seines ethischen Anspruchs. Sein Prosagedicht „Der Seiltänzer“ beschreibt die Verpflichtung des Künstlers, sich selbst das Äußerste abzuverlangen, um in der Kunst zu verwirklichen, was in der Realität des Lebens niemals zu erreichen wäre.

Kunst ist tausendmal schöner

Große Bühnenshows mit vielen Darstellern auf der Bühne sind in der Corona-Krise nicht erlaubt. Aber man kann ja Künstler, die nun dringend Geld zum Überleben brauchen, zur Belustigung der Massen in Castingshows und Kunstbattles aufeinander hetzen. Titel der Sendung: „Wer ist der Beste im ganzen Land?“  Heute mit Adam Elsheimer und dem Zauberer von Roos. Unsere Kandidaten malen vor laufender Kamera miteinander und dann gegeneinander…

Schweißgebadet schrecke ich aus meinem Alptraum hoch. Und ich lege beiden Künstlern Bilder auf ihre Lider, Bilder, die sie malten, um zu leben. Vielleicht tritt in ihre Augen, die noch blau sind, eine zweite, fremdere Bläue, und ich, der zart „du“ zu beiden sagt, träumt mit ihnen: Wir.*

(*frei nach Paul Celan)

Aus dem Leben ein Werk machen

Wie ein Werk entsteht? Es schleicht sich an mich heran, es kommt aus dem Dickicht des Unterbewusstsein. Es hockt in den Zweigen des Verstandes und schaut auf mich herunter. Mein Werk zählt zu den Lauerjägern, also Wort- und Bildwesen, die ruhig und gut getarnt an einer x-beliebigen Stelle in meinem Leben verharren und auf Beutetiere lauern… auf Beutetiere wie mich.

Ich lebe mit meinem Jahrhundert, bin aber nicht nur sein Geschöpf

So vieles, was wir tagtäglich sehen, erkennen wir gar nicht auf den ersten Blick… Mit anderen Worten: Eigentlich wollte ich nichts mehr zum Thema „Corona“ zeichnen, malen, neu zusammenstellen. Aber die Stimmung im Volk schwankt zwischen Ratlosigkeit und Aktivismus. Es wäre also die Gelegenheit, nun endlich alles neu zu ordnen, Kunst, Kultur, Staat und Gesellschaft in eine neue Beziehung zueinander zu bringen. Wie vermeintlich erlangte Freiheit und Selbstbestimmung wiedererlangen und letztlich auf Dauer sichern, das ist die Frage. Und eine Lösung hierfür gerade von der Kunst erhoffen! Genau dies macht Friedrich Schiller in seinen 27 Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“. Der Maler Anton Graff porträtiert den Dichter. Und ich mache ein Bild zu Anton Graff… in Zeiten von Corona, in einer Zeit, in der die Stimmung im Volk zwischen Ratlosigkeit und Aktivismus schwankt…

die Zeit ist ein altes & ewiges Legespiel.