Das Bild, das mich träumt.

Künstler müssen auch Dichter sein. Das war mir immer schon bewußt. Es wird mir immer klarer. WortBild = BildWort, Mut zur Originalität, Originalität als Alleinstellungsmerkmal. Eine autonome Originalität, der die Kunst sich verpflichtet fühlen sollte, intuitiv, nicht so sehr einer Logik folgend oder einer Grammatik. Die Kunst, die mir vorschwebt, sie erzählt eine Geschichte ohne Ende oder einen präzisen Anfang. Wo genau würde meine Kunst denn beginnen? In welchem Alter? Bei welcher Gelegenheit? Nur rückblickend kann ich evtl. einen Anfang be-nennen. Wie bei einer Taufe. Am nächsten Tag sehe ich das vielleicht schon wieder anders. Die Räume haben sich verschoben, die Zeit ist, so scheint es mir, eine andere geworden. Ich bin ebenfalls ein Anderer geworden. Auch dadurch, dass ich einen Blick zurück wagte und somit ein Zucken meiner Zukunft wahrnehmen konnte. Ein Zucken, so immens kurz, dass ich gewillt bin anzunehmen, dass es gar nicht wirklich stattfand. Doch der Künstler in mir verlängert dieses unglaubliche Zucken. Es führt dann meine Hand, ich setze so den ersten Strich auf einer Leinwand. So betrachtet dauert es Jahrzehnte, es dauert auf diese Weise (m)ein ganzes Leben, bis das Bild, das mich träumt, vollendet ist.