Kunst ´n` Lügen

Worte sind mächtige Verführer, Illusionisten, Verzauberer, Erreger, Einschläfer und noch vieles mehr. Zugleich können sie jedoch keinen Anspruch auf Wahrheit erheben, weil sie niemals frei sind. Sie sind und bleiben ein Leben lang unsere Sklaven. Und wir müssen uns fragen, wie wir mit ihnen umgehen, wofür wir sie gebrauchen und lieben; oder sie missbrauchen und vergewaltigen…

Paul Rosenberg zeigt Somerset Maugham drei Spaziergängerinnen von Auguste Renoir. Wer sind wir, dass wir Worte wie diese, gerne für die eine oder andere Aussage benutzen? Wenn der Mensch die Worte für bare Münze nimmt, dann passiert stets ein Unglück. Dann werden Philosophen, wie auch Politiker unausstehlich. Soziologen, Psychologen, Religionsverfechter, alle werden sie merkwürdig-sonderbar, wenn sie sich auf die Richtigkeit des/ihres Wortes berufen! Dann sollte man spätestens weghören. Weggehen. Und diese Wortheiligsprecher wegsperren. Oder sie nur noch Gurken pflanzen lassen. Worte sind da, dass man mit ihnen jongliert! Man soll sie in die Höhe werfen und wieder auffangen. Mit Worten soll man wie mit Kindern spielen…

Ich kann meine Worte nicht leben. Sie sind außerhalb von mir. In mir sind die Bilder, sind die Träume. Worte sind an die Dinge da draußen geheftet, thesenhaft angeschlagen. Mit der Zeit verwelken all diese wichtig-unwichtigen Worte wie Blumen. Dann kommen sie auf den Kompost der Zeit. Mal mag ich mehr die Pfingstrosen, die wie ein Gedicht von Ingeborg Bachmann duften. Dann lieber Hyazinthen, die Friedrich Nietzsche besprüht hat, dann Gladiolen wie Marie Luise Kaschnitz, Vergissmeinnicht a la Rainer Maria Rilke; Foucault eine Seerose, Wondratschek ein Stiefmütterchen, Arno Schmidt eine Kaktusblüte, Wolfgang Max Faust eine Prothea… wie auch ich! Mein Blumenwortgeschmack ändert sich ständig. Worte eilen den Bildern hinterher. Denn am Anfang war kein Wort. Am Anfang war und ist stets ein Bild.