Nachtmahr-Triptychon

Albträume werden meist besser erinnert als schöne Träume. Schlimme Erlebnissen festigen bestimmte neuronale Verbindungen im Gehirn stärker als schöne Ereignisse. Schreckliches brennt sich sozusagen ein im Gedächtnis. Zehn Prozent der Erwachsenen haben gelegentlich Albträume, fünf Prozent regelmäßig, das heißt ein Mal im Monat oder häufiger, sagt der Psychologe Reinhard Pietrowsky von der Universität Düsseldorf.

Was, wenn der Alptraum nun aber ein Jahr oder noch länger dauert?

„… in den letzten Jahren mehren sich (…) die Annahmen, oder es gibt auch Theorien, dass Albträume auch eine Funktion haben können, dass die Albträume auch dazu dienen können, sich mit schwierigen Situationen, mit belastenden Situationen auseinander zu setzen und quasi so im Schlaf, im Traum, auch den Umgang mit ganz schrecklichen Situationen irgendwie zu üben, irgendwie zu trainieren, mit solchen schlimmen Situationen umzugehen.“ „Man nimmt die Elemente, die wirklich ganz schlimm sind, aus dem Albtraum heraus und ersetzt sie durch weniger bedrohliche Elemente. Und so wird dann quasi eine neue Traumgeschichte entwickelt, die eben nicht mehr ängstlich, nicht mehr bedrohlich ist, und diese Traumgeschichte wird immer wieder vorgestellt. Diese wiederholte Vorstellung führt dann dazu, dass sich dieser neue, nicht mehr bedrohliche Traumverlauf dann im Gedächtnis auf den Albtraum legt. Und das führt dann dazu, dass der ursprüngliche Albtraum seltener oder im günstigsten Fall gar nicht mehr geträumt wird.“ (Quelle: Deutschlandfunk, Montag, 23.03.2020, Autor: Jochen Steiner)

Ach! der Menge gefällt, was auf dem Marktplatz taugt.

Oja, es stimmt! der Menge gefällt nur, was auf dem Marktplatz taugt. Und wo die Einsamkeit aufhört, da beginnt der Markt; und wo der Markt beginnt, da beginnt auch der Lärm der großen Schauspieler und das Geschwirr der giftigen Fliegen. Voll von feierlichen Possenreißern ist der Markt – und das Volk rühmt sich seiner großen Männer! das sind ihm die Herrn der Stunde, die krakeelen: „Ich werde eine große Mauer bauen – und niemand baut Mauern besser als ich, glauben Sie mir – und ich baue sie sehr kostengünstig. Ich werde eine große, große Mauer an unserer südlichen Grenze bauen und ich werde Mexiko für diese Mauer bezahlen lassen.“ Es ist zum Verrücktwerden. Deine Nächsten werden immer giftige Fliegen sein; das, was groß an dir ist – das selber muss sie giftiger machen und immer fliegenhafter. Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit und dorthin, wo eine rauhe, starke Luft weht. Nicht ist es dein Los, Fliegenwedel zu sein… ja, fliehe. Wie ich geflohen bin. Schon längst. Zwischen Farben und Formen verborgen, zwischen Zeilen versteckt. Dort wo jede Sprache eine Leerstelle hinterlassen muss, dort habe ich mich eingenistet.

verlegen (ein Traum mit zwei Seiten)

Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Schrieb Franz Kafka. Und eine liebe Freundin meinte zu mir, dass sie mein Werk von jeher als ein Wechselspiel zwischen/mit Bild und Text verstanden habe. Franz Kafka und Anne-Kathrin Reif (Dr. phil(osophie), Kulturjournalistin, Kulturvermittlerin, Camus-Bloggerin) haben sicherlich recht. Ich suche weniger einen Galeristen, ich suche eher einen Verleger. Für meine Träume…

Pietà

Ich sehe was, was du nicht siehst…? 

Für den Philosophen Ludwig Wittgenstein ist die Frage des Aspektwechsels eine Frage der Fähigkeit, „etwas als etwas zu sehen“. Denjenigen, dem diese Fähigkeit abgeht, nennt Wittgenstein „aspektblind“. Aspektblindheit ist mit Farbenblindheit oder mit „dem Mangel des ‚musikalischen Gehörs’“ vergleichbar. (Wittgenstein 1984, 552) Der Aspektblinde vermag zwar in dem Sinne ein Bild „einmal so und einmal so zu sehen“, dass er auf die Frage, was er sieht, sagen könnte: „Das ist ein Hase.“ Oder: „Das ist eine Ente.“ Es würde für ihn aber nicht der eine „Aspekt in den anderen überspringen“, so dass er ausriefe: „Ah, jetzt sehe ich es als …!“ Der Aspektwechsel kann nur vom Sehenden erlebt werden. Er zeigt sich (uns) durch sein Staunen.

IRON MAM

… das höchste aber / Von allen Gütern ist der Frauen Schönheit. gleich wie wir noch gestalten in wolken oder ein gesicht im mond sehen so liessen sich in rissen und wölbungen des gestirns kaum anderes als silhouetten von körpern erkennen / läufe / ein trächtiger bauch eine kruppe / … und nun das tier vor augen zu haben wie es ganz darauf hervortrat: sich offen zeigend… Ist es das, was du willst? Du willst Gespielin der Soldaten sein? dann bist du am richtigen Ort, mein Kind! (ein zusammengestückelten Körper: aus: Friedrich Schiller „Die Jungfrau von Orleans“, 3. Aufzug, 3. Auftritt; Raoul Schrott „ERSTE ERDE EPOS“ und Filmzitat aus „Jeanne d’Arc – Die Frau des Jahrtausends“ von Christian Duguay)