Into Darkness

Die Pornographie, so scheint es, ist salonfähig geworden. Erstmals äußerte sich dieser Wille zur Lust in den Schriften des Marquis de Sade. Seitdem ist die Pornographie in viele Bereiche des Alltags vorgedrungen und zu einem prägenden Element westlicher Kultur geworden. Die Philosophin Svenja Flaßpöhler zeichnet in ihrem Buch „Der Wille zur Lust“ diese Entwicklung nach und erläutert auch, warum insbesondere der Film geeignet ist, unser Bedürfnis nach selbstgenügsamer Erregung zu stillen. Die bewegten Bilder zeigen uns etwas vermeintlich »Reales« und erregen uns fast wie auf Knopfdruck…

„Was ich gleich tun werde, macht keinen Sinn, es ist nicht logisch. Es ist einfach ein Bauchgefühl.“

(Zitat aus: Star Trek – Into Darkness. Hätte aber auch der Künstler Franz von Stuck sagen können, als er seine „Salome“ malte.)

Yes I’m going to be a pop star, now*

Das Schönste am Pop ist, dass ich mir unseren ungeheuren gesellschaftlichen Reichtum jeden Tag aufs Neue aneignen kann. Luxusjachten, Edelkarrieren, Wissen, Macht, Neurosen, Kunst, Comics, Musik und, wenn ich mag, Küchengeräte oder sogar ganze Anzüge aus hochwertigem Edelstahl. *Yes I’m going to be a pop star, now. / Oh mama, mama see me, / I’m a pop star. / I’m going on the T.V. now. / Oh mama, mama see me on the T.V. (Cat Stevens)

Mein Seelgeräth

Das Wort „Seelgeräth“ ist uns verloren gegangen. Seiner eigentlichen Bedeutung liegt zugrunde, dass im Fegefeuer der Hölle büßende Seelen durch eine priesterliche Fürbitte, als auch durch gute Werke der Überlebenden, Erlösung oder Linderung der Qualen erhalten konnten. In bzw. nach der Reformation hatte dieses Wort dann keine Bedeutung mehr. Ein Gemälde als ein „Seelgeräth“, als ein gutes Werk der Kunst anzusehen, dieser Gedanke kam mir gerade heute; kurzum erweckte ich das Wort zu neuem Leben. Alles findet sich wieder. Man muss nur geradeaus auf der Kreisbahn seines Lebens entlang laufen.

Wer wahrlich liebt…

Ein Mensch, der wahrlich liebt, wird seine Liebe niemals ohne eine große Menge von Worten gewinnen. So ähnlich formulierte es einst Mallanaga Vatsyayana, der Verfasser des Kamasutra. Wie wahr, wie wahr, denke ich und binde mir sofort süsseste Wort-Bilder, auch um mich an ihren Farben und allzu weltlichen Formen zu erfreuen, zu einem wilden Strauß zusammen…

Wird man wohl vor Scham rot im Dunkeln? Daß man vor Schrecken im Dunkeln bleich wird, glaube ich, aber das erstere nicht. Denn bleich wird man seiner selbst, rot seiner selbst und anderer wegen. So mein Freund Georg Christoph Lichtenberg angesichts meiner Bilder und Artikel… u.a. hier auf dem Blog. Ach, ich möchte ihm und Mallanaga Vatsyayana hundertprozentig beipflichten. Es gibt so viel zu erzählen. Es gibt so vieles zu zeichnen. Und Liebe zu gewinnen.

1st. Nervous Breakdown

Die junge Theresa von Avila erfährt ihre erste Ekstase…

„Unmittelbar neben mir sah ich einen lüsternen Engel in vollkommener körperlicher Gestalt. Der Engel war eher klein als groß, sehr schön, und sein Antlitz leuchtete in solchem Glanz, er sprach zu mir, er sang zu mir: Du wurdest immer mit tausend Spielsachen verwöhnt, aber trotzdem hast du die ganze Nacht geweint / You were always spoiled with a thousand toys but still you cried all night. In der Hand des Engels sah ich einen langen goldenen Pfeil mit Feuer an der Spitze. Es schien mir, als stieße er ihn mehrmals in mein Herz, ich fühlte, wie das Eisen mein Innerstes durchdrang… süßeste Liebkosung: Hier kommt es, hier kommt es, hier kommt es, hier kommt es /  Here it comes, here it comes, here it comes, here it comes /  Hier kommt dein erster Höhepunkt / Here comes yours first climax…

The Times They Are A Changing

Bob Dylans Variationen der Matthäus-Passage aus Kapitel 19,30 („Aber viele, die jetzt vorn sind, werden dann am Schluss stehen, und viele, die jetzt die letzten sind, werden schließlich die ersten sein“) verdeutlichen …, dass es in „The Times They Are A-Changing“ unbestreitbar um einen radikalen Veränderungsprozess geht. (Literaturkritik von Matthias Bergert)

Gaukler küssen meine Stirn

„Les Saltimbanques“ (… zu deutsch „Die Gaukler“ oder auch „Die Gauklerfamilie“ ); dieses Bild wirkt wie eine kleine Zusammenfassung von Themen und Charakteren, denen ich in den letzten Jahren meine Aufmerksamkeit gewidmet habe… „in Ländern, die ich nie geschaut.“ (Emily Dickinson). Unreife Künstler mögen entlehnen, ich meine, dass reife Künstler stehlen, kopieren, übernehmen, imitieren und zitieren. Und „zitieren“ bedeutet hier, Originale betrachtet, sie gehört, sie gelesen zu haben. „Das Seltsame ist ja, dass sogar Bücher, an die wir uns nicht mehr bewusst erinnern können, Teil von uns sind und wie eine vergessene Melodie plötzlich wiederkehren können.“ (Siri Hustvedt; „Leben, Denken, Schauen„)