Verschränkte Liebschaften

Immer wieder komme ich zu bestimmten Bildern zurück, wie Gedanken sind sie wieder da, weil ich auf einem Kreis ständig geradeaus gehe. Alles fließt, alles ist in Bewegung, alles verschränkt sich.

So ist meine Kunst halt: ein mäanderndes System mit und aus mehreren Teilchen, das als Ganzes betrachtet einen wohldefinierten Zustand einnimmt. Doch anders als bei der Quantenverschränkung können meine Werke stets einem eigenen wohldefinierten Zustand bzw. Gefühl zugeordnet werden, wenn ich das denn mag.

Um das Verhalten eines Gesamtsystems (wie in der Quantenphysik) richtig erklären zu können, muss man alle seine nebeneinander bestehenden Möglichkeiten zusammen betrachten. Für mich war dies stets ein sehr poetischer Gedanke.

Ebenso die Tatsache, dass es verschiedene, aber aufeinander abgestimmte Möglichkeiten gibt, bei denen, wie in meinem Fall, die Bilder sich zusammen finden können. Alle diese Möglichkeiten haben nach der Quantenmechanik eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Und ich meine: wahrscheinlich ist das gut so

Mein Hütchenspiel in den Ring werfen

Die Psychologie meines Hütchenspiels besteht darin, den Betrachter in den Glauben zu versetzen, er könne der Bewegung meiner Bilder mit den Augen und seinem Verstand folgen. Aber der Zuschauer kann gar nicht aktiv in das Spiel einsteigen, die Bilder verdecken stets von selbst ihre wahren Vorgänge, sie lenken ab, denken sich auf der Kehrseite des reinen Zufalls Gedichte aus und stoßen dem Betrachter gerne gegen die Stirn.

Eine Frage ist eine Frage ist eine Frage

Dieses „Kennen wir uns nicht?“ war nicht unbedingt die Frage, die ich von einem Bild erwartete, aber sie brachte alles ins Rollen. „Lassen Sie uns über den Tod reden“, forderte das Bild mich auf. Oder richtete sich die Frage gar nicht so sehr an mich, sondern an jemand anderen? Wen stellte das Bild denn überhaupt dar? Was war darauf zu sehen, zu erkennen, zu deuten? Alles bloß Hindernisse, die uns auf dem Weg zum Glück seit Ewigkeiten enorme Schwierigkeiten bereiteten?

„Lassen Sie mich auch eine Frage stellen. Was geschieht, wenn all diese Hindernisse beseitigt wurden? Was erblicken wir dann?“

„Chaos. Lautes, brutales Chaos.“ Wer diese Antwort gab, blieb offen.

Nachtfeuer im Therapieraum

Kein Ort bietet so viel Raum wie ein Museum. Deshalb wollen viele Menschen dort auch übernachten. Um des Nachts, in aller Stille, die Aura uralter Dinge zu erspüren. Ähnlich verhält es sich bei mir in meinem Atelier, meinen sogenannten Therapieraum.

Die uralten Dinge, die ich in meinem eigenen Therapieraum studieren kann, liegen am Grund meiner Seele verborgen. Und / Oder wollen wachgeküsst werden… wie letzte Nacht. An der Decke meines Schlafzimmer breitete sich ein Nachtfeuer aus. Alle Atome, die ich dort erblickte, hatten das unstillbare Verlangen, die sogenannte Oktettregel einzuhalten, will sagen, acht Elektronen strebten die Außenschale ihres geliebten Atoms an. In der vergangenen Nacht sah ich ganz deutlich, wie sich immer mehr und mehr Elektronen auf einer immer größer werdenden Außenschale plazierten, um dadurch ein Bild von mir zu erschaffen…

All diese farbigen Elektronen, das belustigte mich, befanden sich ganz offensichtlich in einem sehr speziellen Zustand. Einem Zustand, der nicht an meinem kleinen Ich lag. Deshalb war ich auch überzeugt davon, dass die Elektronen einen hohen Energie-, wie auch Unterhaltungswert besaßen, und mit Sicherheit nicht in mein träumendes Ich stürzen würden… Es gab also etwas, an dass ich glauben konnte. An komplizierte Fragen. Oder an Erinnerungen, die weder eine Sprache hatten, noch einen Namen. Bilder wie Schlagzeilen. An ein Pendel, dass seelenruhig in Richtung Vergangenheit und Zukunft ausschlug…

An meine Eltern. Ich sah einen Schleier, der sich hob, um zu (ge)fallen…