Sich selbst verspotten kann nur ein ernstes Bild

Das Volk stand bloß da und sah stumm auf das Bild. „Mich dürstet“, dachte dies bei sich. Die Oberen verspotteten das Bild. Es verspotteten ihn auch die Feldgrauen, und traten herzu. Sie gaben ihm Wein zu trinken, mit schwarzer Tusche vermischt; ein Gefäß mit weißem Lack stand da. Sie steckten einen breiten Pinsel in den Lack und hielten ihn wie eine Lanze an seinen Mund. Nachdem das Bild von dem Lack gekostet hatte, und die Feldgrauen das Kreuz gesetzt, warfen sie das Los…

Das Bild wies eine „Seitenwunde“ auf, eine „durchbohrte“ Stelle, als Symbol für die Tatsache, daß von dem Bild jene lebendigen Ströme ausgingen, durch welche die Menschen erquickt würden und lebten. Und so sprach das Bild: „Es ist vollbracht!…“ Es neigte sein Haupt … und betete zur Nacht, hab acht! Halb neun! Halb zehn! Halb elf! Halb zwölf! Zwölf! So betete das Bild zur Nacht,  habt acht!

Sacrifice

Was genau „sagt“ mir das Bild? Während ich noch nach Fragen forsche, die ich an das Werk richten könnte, höre ich es schon zu mir sprechen: „Früher gab es die Liebe, oder ihre Möglichkeit; / Es gab Anekdoten, Abzweigungen und stille Momente / … / Aber das ist vorbei… / – / Wir leben heute in einer ganz neuen Ordnung, / Und die Verflechtung der Umstände umhüllt unsere Körper, / Umströmt unsere Körper / Mit einem Strahlenkranz der Freude / … / Jetzt, da das Licht um unseren Körper greifbar geworden ist, /… / Können wir uns / Heute / Zum erstenmal / Das Ende der alten Ordnung vergegenwärtigen.“ * 

(*Michel Houellebecq; aus: „Der Sinn des Kampfes“ und „Elementarteilchen“)

Es ist die Form, die „spricht“

Kunst ist immer die Ausnahme. Meine mich umschmeichelnde Zeit mag so mache unschuldige Blume zertreten…

Ich aber trete als Einzelner für die Dinge ein, an die ich glauben möchte. Nennt mich einen kauzigen Botanisten oder Blütensammler; ich huldige stets der Blume, von deren Blick ich plötzlich neu geboren…

Die Grenzen meiner Bilder sind die Grenzen meiner Welt

Über das, was ich nicht malen kann, darüber kann ich …

reden: all meine Texte, sie sondieren das weite künstlerische Terrain, auf dem ich mich seit so vielen Jahren bewege. Die Wege, die kreuz und quer durch dieses Gebiet führen, sie haben als Wegmarkierungen für sich Tuschefedern gewählt. Oder Tinten und Farbtuben in jeglicher Form und Größe. Die Bäume an meinem Wegesrand sind aus Papier, all meine Himmel aus Leinwand oder schlichter Pappe. Und es gibt überall das Gespräch mit Gespenstern. Nur in der Kunst erlebe ich meine Lehrjahre beim Feigenbaum. Reden kann ich dank ihr mit Lebenden; ich rede aber auch mit Toten. So wie mit mir selbst. Ich schöpfe dabei aus den „honigströmenden Quellen“ und weiß stets: jedes Bild sagt mehr als tausend Worte. Wieviel mehr kann es aber bei einem Bild sein? Ein kleines Häppchen mehr? Über hundert Worte mehr? Eventuell eine märchenhafte 1000 und 1 Wort-Bild-Exegese… Oder bloss ein einziges, kleines Wort mehr? Wie: lebendig  „Das Wort war lebendig … War es «lebendig», das Wort, oder das Wort lebendig?“* Darüber gilt es zu reden. Mit meinem ganzen „F#*ki☈g-Heart“. ✓

(* Patrick Roth; zitiert aus: „Johnny Shines“.)

 

Kunst als Geschenk zur Liebe

Die Liebe ist eine Bühne für Zwei. Und deren Liebkosungen, heißt es, sind ein Spiel mit etwas, das sich stets entzieht…

Liebe ist ohne Grund, sie überfällt uns, sie verwundet unser Herz. Wir leiden an der Abwesenheit eines anderen Ich. Die Liebe verbindet stets ein ungleiches Paar, ihr schützender Mantel ist aus purer Fantasie genäht.