Kaleidoskopartige Zeiten

Vor meinem Auge: ein an ein Fernrohr erinnerndes Spielzeug, mein Tagebuch-Kaleidoskop, bei dem sich durch mehrfache Spiegelung von bunten Traum-Glassteinchen im Innern, die sich durch mein Drehen jeweils anders zusammenfügen, wechselnde Text-Bilder und Muster ergeben…1.Drehung: Ich weiß es ja und ich sehe es deutlich vor mir, die Corona- Nachrichten posaunen es zudem stündlich heraus, diese Welt wird nicht mehr dieselbe sein… 2.Drehung: Ein paar Leute lachen, ein paar Leute weinen, die meisten sind still… 3.Drehung: Dass ich die Augen schließe, lässt vermuten, dass ich, wie viele von uns, versuche nun unsichtbar zu sein. Wenn ich nichts sehe, denke ich, dann sehen andere mich auch nicht. Eine alte Kinderei. Ich will mich verstecken. Aber warum? Ganz einfach, weil ich Angst habe… 4.Drehung: Der gewohnte Alltag verschwindet, er ist kein Faden mehr, der mich durch das Labyrinth meiner routinierten Möglichkeiten leitet… 5.Drehung: Allerdings erscheint es mir nutzlos sich von denen einen Rat zu holen, die nicht den gleichen Weg gehen wie ich… 6.Drehung: Dem Künstler, sofern er sein Glück will, sollte man keine Vorschriften über den Weg zu seinem Glück geben: denn das individuelle Glück quillt aus eigenen, jedermann unbekannten Gesetzen, es kann mit Vorschriften von außen her nur gehemmt werden… 7.Drehung: Ein neues Bild entsteht. Und die Angst ist augenblicklich bezwungen.

 

Die Größe liegt in einer Sprache

…man muss Hölderlin vor seinen Bewunderern schützen. Denn manchmal erscheint seine Sprache als die einzig mögliche… Hölderlins Größe liegt in einer Sprache, bis zum Äußersten aufgeladen… Es gibt Momente medialen Überdrusses, da scheint mir Hölderlins Sprache die einzig mögliche. Eingängig und kristallin klar, transportiert sie in jeder Silbe dann mehr Sinn als eine Tageszeitung. An anderen Tagen erscheinen mir dieselben Verse dagegen dunkel und unverständlich… Eines Tages, ich bin sicher, bin ich Hölderlin gewachsen. So schreibt Denis Scheck in der WELT online vom 18.7.2017. Dem stimme ich absolut zu. Wenn ich Hölderlin als Bewunderer nahe trete, dann, so hoffe ich, entzaubere ebenso wenig das Kristalline seiner Sprache, noch bring ich Licht ins Dunkle.

Ich nehme ihm keine Beichte ab. Eher bläht ein Geist mir die durchsichtigen Segel auf, um aufzubrechen zum Rationalität-Horizont, jener Linie zwischen Sinnlichkeit und Verstand, die Hölderlin zerriss, um seine Kunst zu schaffen. Alles was gesponnen ist, was gedacht, gewünscht und illusioniert ist, und mit dem, was wahrgenommen wird, erinnert wird, ist eins ist alles miteinander ich

Unmöglich, wenn man nicht daran glaubt!

Es gibt einen Ort, wie keinen anderen auf der Welt… Ich nenne diesen Ort „mein Atelier“. Es heißt, um dort zu überleben, muss man schon verrückt sein wie ein Hutmacher. Glücklicherweise bin ich das… &  Auf der Suche nach neuen „Hölderlin-Mengen“ komme ich dort oft an sehr schönen Hermaphroditen vorbei. Und die Lieb′ auch heftet fleißig die Augen, Was bleibet aber, stiften die Dichter.

Andenken

Wo die Bewegung des Erinnerns bei den Bildern innehält, kommt sie doch nicht zur Ruhe. Denn auch in der erinnerten Welt ist alles in Bewegung. (Rüdiger Safranski)