1st. Nervous Breakdown

Die junge Theresa von Avila erfährt ihre erste Ekstase…

„Unmittelbar neben mir sah ich einen lüsternen Engel in vollkommener körperlicher Gestalt. Der Engel war eher klein als groß, sehr schön, und sein Antlitz leuchtete in solchem Glanz, er sprach zu mir, er sang zu mir: Du wurdest immer mit tausend Spielsachen verwöhnt, aber trotzdem hast du die ganze Nacht geweint / You were always spoiled with a thousand toys but still you cried all night. In der Hand des Engels sah ich einen langen goldenen Pfeil mit Feuer an der Spitze. Es schien mir, als stieße er ihn mehrmals in mein Herz, ich fühlte, wie das Eisen mein Innerstes durchdrang… süßeste Liebkosung: Hier kommt es, hier kommt es, hier kommt es, hier kommt es /  Here it comes, here it comes, here it comes, here it comes /  Hier kommt dein erster Höhepunkt / Here comes yours first climax…

Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer

Und man darf wohl aufseufzen bei der Erkenntnis, daß es einzelnen Menschen gegeben ist, aus dem Wirbel der eigenen Gefühle die tiefsten Einsichten doch mühelos hervorzuholen… Irgendwie steckt die Angst hinter allen Symptomen, aber bald nimmt sie lärmend das Bewusstsein ganz für sich in Anspruch, bald verbirgt sie sich vollkommen, daß wir genötigt sind, von unbewusster Angst – oder wenn wir ein reineres psychologisches Gewissen haben wollen, da ja die Angst zunächst nur eine Empfindung ist – von Angstmöglichkeiten zu reden. (Zitiert aus „Das Unbehagen in der Kultur“ von Sigmund Freud.)

Goya, Kominsky, Anima & ich.

Die Atempause geht so sanft wie möglich in den Zielmodus über, damit mein Kunst-Schuss nicht verrissen wird.

Kann denn die Künstler keiner lehren, wie man spricht? Die Sprache macht den Menschen, die Herkunft macht es nicht…. Wo bleibt die Sprache, die Kunst den Menschen näher bringt? Vor fünf Jahren schrieb ich, dass mein Reichtum in den Handtaschen meiner Mutter verborgen läge. Nun, einige Jahre später, schaue ich auf die zahlreichen Bilder, die ich auf dem Atelierboden ausgebreitet habe…

Mutters Handtaschen, ich habe sie allesamt ausgewaidet, habe sie zerrissen, zerschnitten (O, Psychologen aller Länder, vereinigt euch, um mir das zu erklären!). Wie erlegte Beute habe ich die Taschenüberbleibsel auf präparierten Pappen ausgelegt und dort arrangiert. Ist das getroffene Bild vor mir nur verwundet und ein Nachschuss nötig? Solch eine Situation im Atelier könnte schnell gefährlich werden. Meine Reaktionsschnelligkeit ist stets gefordert und der entscheidende Schuss sollte sitzen, insbesondere in einer Lage, in welcher ein Deutschuss (Schüsse ohne genaues Anvisieren des Ziels) erforderlich ist und meine Waffen, meine Farben und Lacke, aus kurzer Distanz abgefeuert werden.

Durch gezielt-erträumte Fangschüsse habe ich am Ende die Taschen zur Strecke gebracht…

Sollte ich ihnen nun noch Zweige ins „Reißverschluss-Maul“ stecken? Meine Kunst der Hirschjagd: Taschenkadaver warten bzw. erleben in meinem Atelier ihre Auferstehung. Ein einfaches „Erhebt euch,“ rufe ich ihnen zu. O, wer lehrt uns Künstlern das, was unästhetisch klingt, dazu noch phonetisch ein Schreck für jedes Ohr? Und da, plötzlich richten die Taschen zum wahren Leben ihren Flug / Und schwinden wie ein Leichenzug / In Lüften, die von Wollust zittern…

Die Oper des kleinen Mannes

In einem Märchen fühlt eine Prinzessin eine einzelne Erbse unter einem Berg von Matratzen. Dies macht sie für den Prinzen attraktiv und er nimmt sie zur Frau.

Im „wahren“ Leben deuten Psychologen solche Feinfühligkeit als Hochsensibilität. Die Erbse steht dabei für Klänge, Geräusche, Farben, Gerüche oder Stimmungen, für die ein hochsensibler Mensch empfänglich ist. Je nach Charakter kann diese Feinfühligkeit, das Talent, für ihn als Last oder als eine kreative Gabe empfunden werden. Belastet hat mich diese Art von Erbse eigentlich nie. Bin ich jetzt also auch eine Prinzessin? Oder ein Erbsenzähler. Ein Erbsen-Erzähler? Im Traum stehen Erbsen gerne als ein Symbol für einen Gewinn durch Redlichkeit. Sie deuten auf gedeihliche Geschäfte hin, die viel Geld einbringen. Na, das finde ich doch spitze! Gekocht bringen Erbsen allerdings Ärger. Sagt der Traum. Gut, dann lass ich die Finger davon. Und leg sie mir weiterhin roh unter meine Matratze. So liege ich dann da, auf einem Berg aus Naturlatex und mache mir ein Bild dazu… meine Oper trägt den Titel: „Die Prinzessin auf der Erbse“.

Sinnbild weiblicher Macht

„Befürchtest du Gefahr von mir? – Warum? / Macht denn ein Küßchen deine Lippen schlechter? / Sprich, doch sprich sanft, sonst bleibe lieber stumm. / Gieb mir ’nen Kuß, ich will ihn wiedergeben, / Und einen zweiten noch als Zins daneben… Well, I’m your Venus / I’m your fire / At your desire …“

Heilige verborgen im Schilf

Jede Kunst entsteht im allerintimsten Raum, in einem einsamen Schilfgürtel, der das Leben des Künstlers ist. Dieser Schilfgürtel entspricht einer gewaltigen Kathedrale, die gleichwohl Platz in einer Handtasche findet, erbaut von und für halluzinogene Heilige.

Zahlen musst du, / Schlag um Schlag

„Ein gottverhasstes, götterhassendes Haus. / Ja! Mitwisser von vielerlei: / Verwandtenmord, durchschnittene Kehlen – / ein Menschenschlachthaus, / und sein Boden schwimmt im Blut.“

(Kassandra über das Haus der Atriden, S. 64, in „Die Orestie“ von Aischylos …)

„Zahlen musst du, / Schlag um Schlag…“

(… Kassandra ist aufgewühlt, so als wäre sie in einem Auktionshaus.)

Taxe zum Schafott

Das Bild „Triptych Inspired by the Oresteia of Aeschylus“ des britisch-irischen Künstlers Francis Bacon (1909-1992) hat bei einer Online-Auktion in New York rund 85 Millionen Dollar eingebracht. Zwei Bieter – einer online aus China und einer am Telefon von Gregoire Billault (Senior Vice-Präsident von Sotheby’s) – haben sich einen zehnminütigen Wettstreit geliefert. Am Ende erhält der Telefonbieter, der zunächst anonym blieb, für rund 84,6 Millionen Dollar den Zuschlag. Die Taxe für das Francis Bacon Werk lag laut Auktionshaus bei „nur“ 60 Millionen Dollar.

(Foto: Monopol Magazin)

„Ist es Satzung ja, dass der mörderische Geld-Strom,

Vergossen zur Erd, aufs neue verlangt

Nach Geld. Ruft doch soviel Geld die Erinys [die Rachegöttin] auf,

Die zur Taxierung an vordem Verkauften führt,

Immer wieder herbei ruft neue Vermögens-Spekulanten.“

– nach Aischylos.

Ein Traum von großer Magie (oder: Die Hochzeit)

Viel königlicher als ein Perlenband / Und kühn wie junges Meer im Morgenduft, / So war ein großer Traum – wie ich ihn fand. / Durch offene Glastüren ging die Luft. / Ich schlief im Pavillon zu ebner Erde, / Und durch vier offne Türen ging die Luft – / Und früher liefen schon geschirrte Pferde / Hindurch und Hunde eine ganze Schar / An meinem Bett vorbei. Doch die Gebärde / Des Magiers – des Ersten, Großen – war / Auf einmal zwischen mir und einer Wand: / Sein stolzes Nicken, königliches Haar… // Dann warf er sich mit leichtem Schwang der Lenden – / Wie nur aus Stolz – der nächsten Klippe zu; / An ihm sah ich die Macht der Schwere enden. / In seinen Augen aber war die Ruh / Von schlafend- doch lebendgen Edelsteinen…

(Hugo von Hofmannsthal)