Ortlose Erfahrungen

Zeit hinterläßt Spuren in jedem meiner Bilder / Archäologen graben in diesen Spuren nach vergangenem Leben / Sie übersehen aber dabei dass die Spuren das Bild selber darstellen / Denn Leben findet nur in der Zeit statt / Und es ruht sich kurz aus in einem Werk / Nichts ist vergangen alles ist gegenwärtig…

Bewohnte Frau

Mein Bild, es hat sich aufgerichtet, es äußert sich mir gegenüber fein und leise, es sei schlicht inspiriert durch: „So drang ich in den Baum ein, in seine Blutbahnen, ich durchlief ihn wie eine lange Liebkosung aus Saft und Leben…  /… / … es ist die Zeit der Frucht. Doch hat der Baum meinen eigenen Kalender angenommen, mein eigenes Leben…“ ( Diese Zeilen, so mein Bild, seien ihr vertraut aus: „Bewohnte Frau“ von Giaconda Belli)

Ein Block voll Zeit

Blockzeit bezeichnet eine bestimmte kosmologische Vorstellung. Dabei wird die Gesamtheit der Zeit, also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, als gleichermaßen gegeben und real aufgefasst…

Konkurrierende Standpunkte sind Präsentismus (nur Gegenwärtiges ist real) und Possibilismus (nur Gegenwärtiges und Vergangenes sind real gegeben, die Zukunft ist insofern offen, als unterschiedliche Möglichkeiten realisierbar sind). Da steh‘ ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!

Und sehe meinen Block voll Zeit… Und tu‘ nicht mehr in Worten kramen.

Wall of Infame

Die Legende des Künstertums, sie gleicht der Geschichte vom Drachenkampf. Dieses berühmt-berüchtigte Motiv taucht in den Mythen als Topos der Weltschöpfung auf: das Nichts, aus dem (m)eine Welt entsteht…

Das Nichts wird dargestellt als ein Schlangenungeheuer, ein Drache, eine Schöpfung aus dem Urmeer, das von einer Kämpferin oder einem Kämpfer besiegt werden muß, um aus seinen Teilen die Welt zu formen. Drachenungeheuer bewachen mit großer Regelmäßigkeit den Eingang zu verborgenen Gärten oder Gemächern. Ateliers? Soll dort der Drache getötet oder doch lieber eine Seele errettet werden? Die Urfehde zwischen Gut und Böse, Hell und Dunkel, Bewußtsein und Unterbewußtsein, wo ließe sie sich ewig wiederholen, wenn nicht in der Kunst?! Die kämpferische Auseinandersetzung sich umwandeln in Sanftmut? In der Kunst. Gefährliche Tiere werden friedfertiger… ich baue sogar Nester und Rahmen für sie. Aber wer bin ich, dass…? Drache oder Held*in?

(Tiefenpsychologie und Exegese)

No Logo?

Ist Kunst wirklich nichts weiter als ein Slogan (Devise, Losung, Motto, Parole, Schlagwort, (Leit-, Werbe-, Wahl-)spruch) abgeleitet vom schott. slogan (Schlachtruf), welches sich von der älteren Form slogorn (Kennwort, Losungswort) und dieses wiederum abgeleitet vom gäl. sluagh-gairm (Schlachtruf = sluagh (Heer) und gairm (Lärm, Schrei))… auf einer Pappe verewigt und bei einer Demonstration stolz in die Höhe gereckt?

Oder entfaltet sie nicht vielmehr, weil sie sich von jeher bedroht fühlt, vor unser aller Augen ihre märchenhaften Bilder=Flügel, die vergleichbar einer poetischen Stille, sich komplett einer Vivisektion durch unsere Alltagssprache entziehen?

Rückeroberung der Autonomie

Ein sehr lieber Freund schrieb mir, ich hätte mir die Autonomie der Kunst nach dessen Ende längst wieder zurückerobert. Ob das schwierig war? Ich möchte es einmal so formulieren: Ich laufe mit meiner Stimme einem Bild hinterher / Ein Kinderspiel / Der Künstler ist der Fänger / Das Bild rennt los / versucht sich nicht fangen zu lassen / Sobald der Künstler das Bild berührt / dann löst es sich auf / bleibt jede Antwort schuldig / Jede Frage offen / Meine Stimme greift ins Leere / das Spiel beginnt von Neuem / Ich laufe mit meiner Stimme einem Bild hinterher / in der Hoffnung es nimmt mich in sich auf / Seidene Hüllen ganz nah / vollkommen vertraut / wie fremd zugleich / Ich kann nichts anderes machen / als warten / treibe auf einen Höhepunkt zu ohne jegliches Zutun / Kunst ist ein Spiel / in aller unkeuschen Unschuld / mit eigenwilligen Gedanken / In einer Sprache / die historisch schwer bis gar nicht einzuordnen ist / Meine Stimme krallt sich fest in ihrem eigenen Gestöhne / wälzt sich herum und erzeugt dadurch Wellen / die ans Ufer eines neu erfundenen Selbst branden… Genauso ist es; es war einfach.

Einfach so.