Kein Bild von Traurigkeit

„Die Wüste durchqueren mit Resten einiger Bilder von einst im Sinn“. Eine freie Arbeit für das Grabmal der Zeit. Die Zeit auf dem Schoß einer Frau, die dem Alter her kaum eine Mutter sein kann. Eine Zeit, die erstarrt im Augenblick der Frau. Sie weiß: Wenn du lange in die Zeit zurück blickst, dann erfindet diese Zeit auch dich … wieder und wieder und wieder … neu. Du bist dann Zeit ohne Ziel, ganz nur Spiel. Eins wird zwei, so wie zwei eins wird mit den Resten einiger Bilder.

Detlefs Erzählungen

„Im Voraus weiß ich nichts von mir“, schreibt Peter Handke und fügt hinzu: „Erst mit dem Erzählen fallen mir meine Erfahrungen ein.“ Besser könnte ich es nicht formulieren. Tatsächlich fällt mir beim Betrachten meiner Werke mehr und mehr auf, das digitale Arbeiten meinem Gefühl, das ich beim Schreiben habe, sehr ähnlich sind, während die analogen mich an einen Tanz erinnern, den ich im Atelier aufführte, einen Tanz, der zu nichts taugt, als mein Geblüt zu erhitzen und unmoralische Begierden zu wecken, den Kopf wirblich macht und mich zu letzt all meiner Sinne beraubt.

Genauso würde ich es sagen, schreiben, also wieder ein Bild draus machen…

Meine sehr eigene Hoffnung an die Zeit

Eine Zeichnung von 2002. Weitergeführt in eine abgeschlossene Zukunft 2020. Achtzehn Jahre vereinen sich in/zu einem einzigen Werk. Das Glück der Kunst scheint zur Zeit also das Einzige zu sein, was sich verdoppelt, wenn man es auf einem Blatt Papier verteilt…

Im Dichterspiegel

Nichts ist stummer als die seltsame Straße,

wo Blatt weder aufkommt noch fällt oder wintert,

wo keinerlei Ding sich abmüht oder gefällt,

wo kein Wechselspiel ist von Schlafen und Wachen. *

*Giuseppe Ungaretti

Wiener Schmäh

„Alles wirklich Wertvolle ist aus einer Spielerei hervorgegangen … Ja, man kann soweit gehen zu sagen: Ein Mensch, der nicht weiß, dass er ein Narr ist, ist nicht nur kein Künstler, sondern versteht überhaupt nichts vom Leben.“ (So beschreibt es der von mir sehr verehrte Egon Friedell, ein „genialer Dilettant“ durch und durch.)

Mein Leben ein Werk #1

… geboren 1963; ich bin ein barocker Minimalist, ein melancholischer Sanguiniker, mit einem Hang zum paradoxen Archäologen, intrinsisch motiviert, beheimatet in Bild und Sprache, dem positiven Versprechen »freier« ungegängelter Kunst gehorchend und Folge leistend. Mit Malereien, Übermalungen, Textfetzen, Zeichnungen, Photographien und allem anderem, was sich sich auf einem Bild versammeln lässt, Schicht auf Schicht auf Schicht. Bisweilen erkenne ich auf den ersten, zweiten oder dritten Blick auch mich selbst. Oder vermute mich dort. Unterhalb der Gesamtexpressivität der Bilder kann ich so ein leises Summen oder Flüstern vernehmen. Ein Klang wie ein Wort wie ein Bild.

Ein Märchen aus uralten Zeiten

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, / dass ich so traurig bin; / ein Märchen aus uralten Zeiten, / das kommt mir nicht aus dem Sinn. / Die Luft ist kühl und es dunkelt, / Man haucht mich an mit Worten und mit Klängen, / Und schon will meine Flügelwaage beben./ Um die Erschütterungen aufzuheben, / Dreh ich mich in den ewigen Gesängen.

(Heinrich Heine tanzt mit Hugo Ball vor einem meiner Bilder.)