Toccata. Sehen. Hören

Oja, ich liebe es… hier… mein virtuoses, ein klein wenig improvisatorisch wirkendes Kunststück für Acryl, Tusche, Klebestreifen, zerschlagenem Holzrahmen und Orgelpfeife.

Ein Erinnerungsversprechen

Die eigenen Erinnerungsversuche an mich wurden, nein, ich korrigiere mich, sie werden immer wieder zu neuen Erklärungsversuchen meiner Existenz. Und zwar Tag für Tag. Nacht für Nacht. In jedem Traum, der auf einen neuen Traum folgt. Wenn ich, hier in der Erde liegend, von meiner möglichen Zukuft träume, dann versuche ich mich aufmerksam in diesen Träumen zu verhalten. Es fühlt sich für mich so an, als würde ich mich selber in einen Stummfilm betrachten, ich dem ich alle Rollen spiele, und den ich versuche zu vertonen, sobald ich meine Augen wieder geöffnet habe. Das heißt, ich klappere mit den Zähne vor Erregung. Bin ich damit fertigt, beginne ich, auf meinen Knien liegend, zahlreiche Traumbilder zu malen. Diese Bilder, sie dienen mir seit ich zurückdenken kann, als die Zwischentitel, die ich mir in den nächsten Traum schneiden möchte.

Die Kunst ausweiden

Sehr gehrte Damen und Herren. Heute wenden wir uns im Kunst-Talk der Frage zu: „Dürfen wir die Kunst ausweiden?“

Blitzlichtartig meinen die Experten, dass dieses Wort der Jägersprache entnommen sei. Die Innereien des erlegten Wildes, also der Kunst, argumentieren die angeblichen Kunstexperten, werden den Hunden zum Fraß vorgeworfen. Wer ist hier der Hund!, ereifert sich ein Gast der Runde. Mit der Öffnung der Bauchhöhle, nein!, schreit wieder jemand aufgeregt in die Talkrunde, erst mit der metaphysischen Öffnung einer imaginären Herzkammer, können Eingeweide und Innereien wirklich entfernt werden. Diese Innereien seien die Wahrheit… und nichts als die Wahrheit, die Poesie, die Träumerei, ein Gefühl von Schönheit angesicht gewaltiger Erscheinungen, sowie der zarte Wunsch nach Autonomie. Ausweiden, so sämtliche Experten erregt weiter, ist ein Synonym für ausnehmen, ausschlachten, oder auch entleeren. Wenn man so will, sagen die Experten. Und entleeren sich wortreich.

Mir wurde inzwischen ein kleiner, unbearbeiteter Pflanzenzweig auf die Zunge gelegt. Unfähig etwas zu sagen, spanne ich einen Schirm auf. Das ist mein Bild. Schön so.

Uhrmacher und Genies

Jede Uhr zeigt uns die Zeit an. Fragt uns jemand, welche Stunde geschlagen hat, wir können es dank einer Uhr beantworten. Aber wenn wir das Phänomen Zeit erklären müssten, dann wird es kompliziert. Sicherlich ist mit der Zeit nicht nur ein Zusammenspiel und Zusammentreffen von Unruh, Kugelumlauf und oder Pendel gemeint. Zeit ist höchstwahrscheinlich vielmehr als uns alle Uhren der Welt zusammen anzuzeigen vermögen…

Und ich? Ich bewege mich auf meinem Zeit-Lebens-Strahl geradeaus im Kreis, so will es mir erscheinen. Verschiedene Enden aus unterschiedlichen Zeiten werden zu neuen Anfängen verbunden, damit meine Kunst im Jetzt erblühen kann.