Die gemusterte Zeit

Was bedeutet es jemanden oder etwas zu mustern, etwas prüfend zu betrachten? Ach, mir war schlicht danach, etwas mit Mustern auszustatten, zu verzieren… ohne meinem Spiel gleich einen übertriebenen Aussagewert zu unterstellen. Gewiß: das Spiel ist etwas alt. Das heißt, ich hatte einfach Lust darauf. Und eventuell ist das schon Aussage genug.

THINK PINK

Mit einem zarten Altrosa verweist man auf etwas Traditionelles, auf etwas Unschuldiges, unschuldige Liebe oder gar auf Sentimentalität. Dagegen wirken helle, aber rötlichere Rosatöne eher jugendlich und sehr romantisch… Tja…

Ein kräftiges Pink jedoch wirkt stark auffordernd, geradezu aufreizend, sein Bild vermittelt uns eine sehr große Energie, zeugt von Selbstbewusstsein & I LOVE IT. Pink, it’s my new obsession / Pink, it’s not even a question / Pink on the lips of your lover  / ‚Cause pink is the love you discover / Pink as the bing on your cherry… *

(*Aerosmith) 

Orte unheimlich und Orte sehr vertraut

Im Prinzip sind meine Träume immer recht üppig…

Nur in meinem letzten zurückliegenden Traum bezog ich überraschenderweise eine eher schlichte Wohnung. Alles in ihr wirkte karg, wenig opulent, sondern vielmehr minimalistisch. Die einzige Ausnahme bildete in meinem Traum ein kleines Zimmer, das, im Gegensatz zu der übrigen Wohnung, radikal vollgestopft war. Dort stapelten sich bis unter die Decke sicherlich 40.000 Seiten Papier.

Handgeschriebene Manuskriptseiten, die sich im Zimmer zu schmalen Türmen formten, sie waren alle in einer seltsamen Kurzschrift verfasst, deren Inhalt, so war mir augenblicklich klar, nur die wenigsten Menschen verstehen würden. Zunächst war ich fest davon überzeugt davon, dass jemand mir im Traum mein gesamtes Werk offenbarte. Wirklich alles von mir, Leinwände, Zeichnungen, Collagen, Tagebücher, Objekte, schienen in einen einzigen Raum zusammen gepfercht.

Dann dämmerte mir allerdings, das ich mich in der Wohnung des Philosophen Edmund Husserl befand. Ein fleißiger Kerl, dachte ich so bei mir. Nun gut, man kann sich die Leute nicht aussuchen, von denen man träumt. Karl Kraus wäre nett gewesen. Er hätte sicherlich für mich an eine Wand meiner Wohnung die Zeilen hinterlassen: „Du bist berühmt. Die anderen wissen es nur noch nicht.“

Aber von Husserl zu träumen war auch okay. Jedes Ich hat seine „Lebenszeit“, schrieb er einmal. Und er hatte absolut recht damit.

Zufrieden tauchte ich deshalb aus meiner Traumzeit auf, um dann auf der anderen Seite des Spiegels meiner ganz eigenen Lebenszeit nachgehen zu können. Das bedeutet… so verstehe ich meine Kunst: Bilder malen, Texte schreiben, Objekte anfertigen, und alles in ein kleines Atelier stopfen.

Wer fasst in seine Faust das Meer?

Die Poesie zu beschwören bedeutet, dass etwas Altes hervorgerufen wird. Meine Bilder machen das ständig, sie fischen nach einem uralten Kern, auf dem Grund einer Seele. Einem Kern, in dem der ganze Sinn (oder Unsinn) des Universums eingeschlossen ist.

… aus dem Meere, beschworen von dunkler Trompete, / Flieg ich im Dunste der Lügengebete. / Das Tympanum schlag ich mit großem Schall. / Ich hüte die Leichen im Wasserfall. / Ich bin der Geheimnisse lächelnder Ketzer, / Ein Buchstabenkönig und Alleszerschwätzer. / Hysteria clemens hab ich besungen / In jeder Gestalt ihrer Ausschweifungen. / Ein Spötter, ein Dichter, ein Literat / Streu ich der Worte verfängliche Saat. (Da schau: Hugo Ball kann ebenso wenig wie ich Auskunft geben, warum wir etwas schreiben oder malen, collagieren oder zeichnen. Beide schwimmen wir bloß unentwegt wie winzige Fische durch das schier grenzenlose Meer der Poesie & Kunst…

Würde jemand von uns wissen wollen: „Und? Wie fühlt sich das Meer an?“, dann würden wir nur antworten können: „Was soll das sein? Das Meer.“)