Das Verlöschen der Welt / Jetzt / Da ich tot bin / Nicht wirklich tot / Doch mir abhanden gekommen / Durch eine Lebensdiskriminierung / Die in Wahrheit eine Kunstdiskriminierung / So bin ich / Keine Gefahr mehr für etwaige Kritik / Aus reinem Respekt und Pietät / Gegenüber meiner Person / Bitte / Schweigt / Lauscht lieber / Auf das Rumoren / In der Stille meiner Einsamkeit / Jetzt / Da ich tot bin / Habe ich viel zu sagen / Meine Bilder sprechen darüber
Zahnloser Gott
Vielleicht ist es zu hoch gegriffen? Ein Gott? Wer bin ich, dass…?
Genug!? Okay, ich behaupte ja gar nicht: Ihr alle seid meiner nicht würdig. Keinesfalls. Doch bin ich schon kein Gott, so lasse ich mich dennoch nicht mehr malträtieren… d.h. anbeten.
Meine Kunst ist und bleibt autonom.
„Die autonome Kunst bekommt (…) eine neue Qualität. Als etwas, das sich nicht den Logiken der Sozialen Medien anpasst, sondern unabhängig davon entsteht und präsentiert wird. Sie mag vergleichsweise ein zahnloser Tiger sein, da sie sich nicht auf die Macht der Algorithmen einlässt, nicht zur Waffe wird, aber sie ist eben doch ein Tiger, kann groß und erhaben sein und Perspektiven verändern, Stoff zur Reflexion bieten, die Erinnerung daran hochhalten, dass Bilder auch etwas ganz anderes sein können als zynisch-instrumentelle Biester.“ So mein Freund und Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich. So meine Kunst.
Ein Liebesbrief von meinem Atelierboden
Wahrnehmungshypothesen
In dem Buch „On The Move“ von Oliver Sacks stolpere ich über die Überlegung, dass unser Gehirn stets mit Ideen spiele. Und das, was wir Wahrnehmung nennen eventuell nur Wahrnehmungshypothesen seien. Unser Gehirn konstruiere diese, um mit ihnen zu spielen. Dieser Gedankengang gefällt mir. Verwandelt schaue ich auf meine eigenen Bilder.
… während ich so spiele – mein Gehirn sich an neuen Ideen erfreut – kommt mir auch das in den Sinn: eine weitere Wahrnehmungshypothese, ein neuer Versuch Kunst zu erklären.
Ein Mund. Und einen Mond im Auge.
Mein Körbchen Wahrheit
Rezept gegen den Wiederholungswahn
Das obige Bild gibt mir recht, ich bin ein ganz gewöhnlicher Neurotiker. Und dazu noch ein heiliger, ein pathologischer Wiederholungstäter. Als Beweis dafür bedürfte es nur einen kurzen und fachkundigen Blick auf all meine Kunst; und siehe da: 2174 Wiederholungen nur zu Camass, 86 Wiederholungen z.B. zu Eros, Tod & Kitsch, 1017 Wiederholungen zum Froschkönig, 244 Wiederholungen zum Marionettentheater. Und mehr als 452600000 Atemzugwiederholungen bis zum heutigen Tag. Die Atemzüge ab Verlassen meiner Singularität bis hin zu meiner Geburt gar nicht erst mitgerechnet. Als wichtige Erneuerungen in meinem Lebensentwurf gebe ich deshalb hier zu Protokoll: ich möchte mich ab heute keinem Wiederholungswahn mehr anschließen. Einfach mal das sich ständig wiederholende Einatmen einstellen. Keine Schafe mehr vor dem Einschlafen zählen. Nichts mehr geraderücken Kein Bild mehr aufbauen, wenn es am Boden liegt. Beim Theater den Vorhang unten lassen. Oder, noch besser, stets geöffnet halten. Den kommenden Morgen aussperren, ebenso jede alpträumende Nacht. Das katzenlose Lächeln frei am Himmel als Mondersatz schweben lassen. Kein, wenn möglich, Ermüden in allen Ecken eines Quadrates. Keinen Ton mehr auf den anderen folgen lassen. Meine meist nervösen Orientierungssuche ab jetzt komplett einstellen. Den fraglichen Felsen nicht mehr versuchen den Berg hoch zu rollen, den schweren Brocken einfach im Tal liegen lassen, dort wo er alle hilfreichen Ideen unter sich begraben hält, wie z.B. den Tanz mit dem Bienenwolf, die magische Hosenbiene, die fuchsrote Sandbiene in ihrem fliegenden Bett, alles großartige Bildideen. Ach, was soll´s, warum sich überhaupt wiederholt am Abend (oder auch gerne tagsüber) ausziehen, wenn ich mich dann doch wieder anziehen darf, muß oder soll?
„Um Liebe zu machen“, lautet die Antwort. „Die schönste Art sich eine Wiederholung schmackhaft zu machen. Sie will halt Liebe nur, die Wiederholung.“ Ich glaube, ich verstehe nicht ganz richtig, was da gesprochen wird. Und deshalb frage nach. „Leben?“, frage ich. Und die Stimme antwortet: „Ja. Genau. Richtig verstanden. Lieben.“
Ach so. Und jetzt verstehe auch ich, es lockt mich stets von neuem: Kunst.
„Richtig. Liebe.“













