Vögel in endlosen Flug

Alle Verheißungen waren bis dato Worte, Vögel, in endlosen Flug – nichts führt zum Guten, heißt es, was nicht natürlich ist. Aber ist dem so? Der Idiot ist stets der erste der erwacht, der geboren wird; so träumte ich lange und erwache nun ohne eine innere Notwendigkeit, eher aus purer Vorfreude auf den einen Rosenkranz von unzureichenden Bestimmungen, den ich heruntermurmeln werde, all das ein Verwirrspiel, das ich ich deklariere; ich, eine (Schein)Heilige … O,die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort… das da wäre… „Gackelfreude“ – närrische, thörichte Gackelfreude: ir (der frommen) fröd ist inwendig im herzen und geistlich… Mein ästhetisches Schreiben, mein fast irres Sprechen, ein Widerstand gegen die stets mürrischen Hüter einer unumstößlichen, anständigen Denkungsart.

1st. Nervous Breakdown

Die junge Theresa von Avila erfährt ihre erste Ekstase…

„Unmittelbar neben mir sah ich einen lüsternen Engel in vollkommener körperlicher Gestalt. Der Engel war eher klein als groß, sehr schön, und sein Antlitz leuchtete in solchem Glanz, er sprach zu mir, er sang zu mir: Du wurdest immer mit tausend Spielsachen verwöhnt, aber trotzdem hast du die ganze Nacht geweint / You were always spoiled with a thousand toys but still you cried all night. In der Hand des Engels sah ich einen langen goldenen Pfeil mit Feuer an der Spitze. Es schien mir, als stieße er ihn mehrmals in mein Herz, ich fühlte, wie das Eisen mein Innerstes durchdrang… süßeste Liebkosung: Hier kommt es, hier kommt es, hier kommt es, hier kommt es /  Here it comes, here it comes, here it comes, here it comes /  Hier kommt dein erster Höhepunkt / Here comes yours first climax…

Bilder-Geschichten aus einer Verrichtungsbox

Was sind Ateliers anderes als abgeschirmte Verrichtungsboxen, die einer Garage ähneln (mein Atelier wäre tatsächlich durch eine Garage erreichbar!) und Prostituierten oder eben auch Künstlern die Möglichkeit bieten, ihre Freier zu bedienen.

Die Freier fahren mit ihren Autos in die Box (bzw. an die Box heran, in meinem Fall wäre das so, Parkmöglichkeit direkt vor meiner Garage…), in der sie vor fremden Blicken geschützt Sex haben können. Solch ein Sex ist bekanntlich, so meinen schmallippige Puristen, nur grober Unfug mit drei Buchstaben. Ohne jeglichen Geist.

Man könnte natürlich auch nur Kunst betrachten. Oftmals auch nur grober Unfug. Aber eben mit Geist. (Ach, man kennt die Künstler ja so genau! Picasso, Schiele, Degas. Man weiß ja, wie diese Künstler so ticken. Das Feuilleton lügt nicht.)

Der Maler steht etwas vom Bild entfernt. Er wirft einen Blick auf das Modell … //… die Perspektive rückt sie beide in eine Nachbarschaft … // … eine Bewegung, etwas Licht würde genügen, um sie verschwinden zu lassen.*

Richtig ist und bleibt, dass in meinem Atelier jeder Gast, der mich besuchen mag, auf alle Fälle vor fremden Blicken geschützt ist. Versprochen! Wir könnten auch nur einen grünen Tee zusammen trinken, wenn Wein schon zu verwegen wäre.

Wie dem auch sei, glauben Sie mir, der Künstler, er spukt durch solch eine Verrichtungsbox und flüstert leise zu sich selbst: „I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhäuser Gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain.“ … den „Tears in rain monologue“ aus dem Film Blade Runner. Immer und immer wieder.

Schauen Sie ruhig mal vorbei. Und lauschen Sie. Was immer ihr Herz begehrt.

(*Zitiert aus: „Foucault – Velázquez – Las Meninas“)

The Times They Are A Changing

Bob Dylans Variationen der Matthäus-Passage aus Kapitel 19,30 („Aber viele, die jetzt vorn sind, werden dann am Schluss stehen, und viele, die jetzt die letzten sind, werden schließlich die ersten sein“) verdeutlichen …, dass es in „The Times They Are A-Changing“ unbestreitbar um einen radikalen Veränderungsprozess geht. (Literaturkritik von Matthias Bergert)