Im „Café Liebe“

„Was denkt der Liebende von der Liebe? Kurz gesagt, nichts,“ notiere ich mir in/auf meinen Notiz-Blog. Und füge noch hinzu: „Der dunkelste Platz ist immer unter der Lampe.“ Diese Merksätze skizzieren für mich meine tiefverwurzelte Überzeugung, dass Fantasien im „Café Liebe“ nicht schamlos ausgelebt werden, sie müssten zerplatzen wie Seifenblasen…

Fantasien erleuchten vielmehr alle Winkel meines Daseins. Nein, das Leben im „Café Liebe“ macht keine Anstalten sich wichtig zu nehmen. Es ist nicht mehr als das Löffelchen, mit dem ich verträumt meinen geliebten Espresso umrühre, während ich gleichzeitig meine Gedanken von der Leine lasse. Sie tollen herum, mit neugierig kindlicher Fröhlichkeit. Nicht auf Befriedigung bin ich aus, sondern vielmehr auf der Suche nach Vorstellungen einer mich bezaubernden Welt. Der wahre Ursprung der Welt ist kein skandalträchtiges Bild à la Gustave Courbet, ein Bild, bei dem Skeptiker gerne die Frage in den Raum stellen: „Besitzt der Akt auf dem Gemälde überhaupt einen Kopf?“ Ehrlich jetzt? So treten Sie an ein Kunstwerk heran? Formal-analytisch. Im „Café Liebe“ mach` ich mir über so etwas wahrlich keinen Kopf. Der Ursprung meiner Welt liegt für mich nämlich vielmehr in all jenen Cafés verborgen, deren Eingangstüren allesamt als Fluchttüren funktionieren und hinter denen ich mich vor der Welt der Skeptiker in Sicherheit bringen kann.

Meine Zeit Räume

Verzögerung. Verlangsamung. Umwege. Ablenkung. All das sind zeitliche Möglichkeiten des Erotischen. All meine Aufzeichnungen zirkulieren im Rätselhaften, im Verborgenen fühlen sie sich zu Hause. Sie rekeln sich auf meinem Bett, das einer Palette gleicht.

Meine Geständnisse sind nicht wirklich vernehmbar. Und wenn doch, lauschen wir nur einem kleinen Tropfen, der singend in eine Brunnentiefe fällt… und fällt… und fällt…

„Die Schaumgeborenen“

Es gibt nur zwei Dinge: die Liebe, in all ihren Spielarten… und Jazzmusik. Alles Übrige mag verschwinden, denn alles Übrige ist hässlich… Oja, der Schaum der Tage lässt alle Freiheiten zu. Die Personen auf meinem Bild, nennen wir sie Adam & Eve, sind Liebende. Sie lieben es zum Beispiel, Händchen haltend aus einer großen Muschel zu gleiten… um von den Göttern des Windes, von einem Regen aus Rosen begleitet, ans Ufer getrieben zu werden. An Land werden sie zudem von einer Göttin der Jahreszeiten mit einem violetten Umhang empfangen. Das Schöne dabei ist: das alles ist wahr. Denn es wurde einfach erfunden.

Ich habe sie alle gehabt

Man fragte mich: „Sind Sie Peter Anton von Verschaffelt?“

Und ich antwortete wahrheitsgemäß: „Ja, einer von uns muss es in der heutigen Zeit einfach sein. Ganz ohne ihn wäre es nicht annähernd so schön. Aber sie können mich auch Hans Burgkmair nennen…

Oder Johann Heinrich Dannecker, das wäre mir alles recht.

Denn ich habe sie alle gehabt. Die Männer gingen, die Kunst blieb…

Namen verwehten in der Zeit. Ach, wissen sie was, nennen sie mich doch schlicht und einfach Brecht, Bertolt Brecht. Denn ich will mit dem gehen, den ich liebe.“