Mein Werk: ein Monster der Eigenwilligkeit.

& noch einmal… was ist ein Werk? Eine Brise, die aus Regio­nen kommt, in die das eigene Ich vorstoßen wird; sie gibt einen Vorgeschmack auf eisige Gefilde. Von diesem vielversprechenden Wind inspiriert, werden Tagträume ungestümer und leb­hafter. Das Werk: ein Land, dessen Wunder und Schönheiten alle Gegenden über­treffen. Was darf man nicht alles von einem Land erwarten, in dem das Licht nie erlischt? (So oder ähnlich würde meine Freundin Mary Shelley wohl die Frage von Niklas Luhmann beantworten.)

Ich tagträume indes einfach weiter und weiter…

Der Fahrer der Braut

2020 // 12 Songs gegen den Wahnsinn des Alltags, 53 Min.

1. Kleines Konzert – Trakl                                    6:55

2. Verdächtiges Ich – Kaschnitz                           4:29

3. Bedenken von der Liebe – Mayröcker              2:44

4. Doors und Dostojevski – Sontag                      5:56

5. Mutter Corsage – Meyer                                  3:53

6. Abendmahl, venezianisch – Enzensberger       5:41

7. Der Wille zur Lust – Flaßpöhler                         3:27

8. Lerne im Leben die Kunst –  Hölderlin              3:26

9. Mütter und Amazonen – Eckstein-Diener         1:43

10. Rosenrot – Mutt                                             4:40

11. Der realistische Maler – Nietzsche                  6:16

12. Hochzeitsmarsch – Mendelsohn, arr. Bach     4:43

Edel sei der Mensch. Und seine Kunst „divers“.

War das ein Fluch, war das ein Flüstern? Zweimal geboren. Entblösst, verwandelt. Wie Teiresias war ich erst das eine und dann das andere.

Bitte, singe jetzt, o Muse, die Geschichte über die Tücken der Wahrheit: längst wissen wir, dass ich auf einem Berg zwei Schlangen erblickte, die gerade damit beschäftigt waren, sich fortzupflanzen. Ich war ganz allein, dort auf dem Berg Kyllene, der von einer einzelnen Eiche gekrönt wurde. Mein Versteck lag so hoch, dass ich weit unten neunzehn kleinere Gemeinden mit dem bloßen Auge sehen konnte, und vielleicht dreißig oder vierzig, wenn das Wetter schön war…(…) Nachdem ich die Schlangen (aus einem mir nicht mehr nachvollziehbaren, plausiblem Grund) verletzt hatte, wurde ich in eine Frau verwandelt. Später sah ich die beiden Schlangen erneut und wurde wieder zu einem Mann. Eine alte Überlieferung besagte, dass eine Königin mich einst küsste, aber ich selber weiß das nicht mehr mit Sicherheit zu sagen. Die Königin, so hieß es, vergaß mich jedoch nie. Die ganze Fruchtbarkeit eines Sommerabends war um meinen Körper gewebt. So fing meine besondere Reise an. Meine Beine, die Hände, meine Haltung waren die eines Jünglings, aber kein Jüngling hatte einen Mund wie meinen, kein Jüngling hatte diese Brüste, kein Jüngling hatte diese Augen, die aussahen, als seien sie vom Grund des Meeres gefischt… Wenn Menschen mit solch offenen Augen hinsehen, werden sie möglicherweise das Leben anders sehen. Denn der große Koitus mit der himmlischen Atmosphäre wird durch die Laufbahn der Erde um die Sonne bestimmt. So klang mein Flüstern.

(Textcollage: Die Rezeption des Teiresias, „Middlesex“ von Jeffrey Eugenides, „Orlando“ von Virginia Woolf, Zitate von George Bataille.)