Meine Zeit Räume

Verzögerung. Verlangsamung. Umwege. Ablenkung. All das sind zeitliche Möglichkeiten des Erotischen. All meine Aufzeichnungen zirkulieren im Rätselhaften, im Verborgenen fühlen sie sich zu Hause. Sie rekeln sich auf meinem Bett, das einer Palette gleicht.

Meine Geständnisse sind nicht wirklich vernehmbar. Und wenn doch, lauschen wir nur einem kleinen Tropfen, der singend in eine Brunnentiefe fällt… und fällt… und fällt…

„Die Schaumgeborenen“

Es gibt nur zwei Dinge: die Liebe, in all ihren Spielarten… und Jazzmusik. Alles Übrige mag verschwinden, denn alles Übrige ist hässlich… Oja, der Schaum der Tage lässt alle Freiheiten zu. Die Personen auf meinem Bild, nennen wir sie Adam & Eve, sind Liebende. Sie lieben es zum Beispiel, Händchen haltend aus einer großen Muschel zu gleiten… um von den Göttern des Windes, von einem Regen aus Rosen begleitet, ans Ufer getrieben zu werden. An Land werden sie zudem von einer Göttin der Jahreszeiten mit einem violetten Umhang empfangen. Das Schöne dabei ist: das alles ist wahr. Denn es wurde einfach erfunden.

Ich habe sie alle gehabt

Man fragte mich: „Sind Sie Peter Anton von Verschaffelt?“

Und ich antwortete wahrheitsgemäß: „Ja, einer von uns muss es in der heutigen Zeit einfach sein. Ganz ohne ihn wäre es nicht annähernd so schön. Aber sie können mich auch Hans Burgkmair nennen…

Oder Johann Heinrich Dannecker, das wäre mir alles recht.

Denn ich habe sie alle gehabt. Die Männer gingen, die Kunst blieb…

Namen verwehten in der Zeit. Ach, wissen sie was, nennen sie mich doch schlicht und einfach Brecht, Bertolt Brecht. Denn ich will mit dem gehen, den ich liebe.“

Dreams upon a dirty ground

Von Heiner Müller, über George Tabori, hinüber zu Paul McCartneyWalking down the sidewalk on a purple afternoon / I was accosted by a barker playing a simple tune / Upon his flute, toot, toot, toot, toot / A red fine thread was falling down / Upon the dirty ground of London Town…

das ist die Kunst & Spread your little wings and fly away… says Queen.

Damals / Heute / Wer ist der Ärmste

»Geld!« rief, »mein edelster Herr!« ein Armer. Der Reiche versetzte: »Lümmel, was gäb ich darum, wär ich so hungrig, als Er!« So schrieb einst der Dramatiker und Lyriker Heinrich von Kleist über das Künstlertum.

Und dieser Text soll antiquiert sein? Als ich vor einiger Zeit bei einer Millionärsgattin zu Gast war, um ihr meine Werke präsentieren zu dürfen, hatte diese es so wunderbar im Geiste von Kleist formuliert, als sie mir erklärte: „Du bist ja auch nur so einer, der darauf wartet, dass Brotkrümel von meinem Tisch fallen.“ Wie gut, dass ich so oft eine Kappe oder (noch besser) einen Hut trage, da darf jeder mal was reinwerfen.

Klinger*in

Vorbilder und …Worte, verwoben wie aus ekstatischen Stimmen uralt und rauschend aus dem Rotholzbaum, Stimmen jahrhundertealter, unsichtbarer Dryaden, die sangen und Abschied nahmen… (Walt Whitman)