Die Quelle

Unsre Quelle kommt im Schatten… Und wie dort die Vögel singen… Nein, das weißt Du nicht! Denn nur Ich betrachte das Bild. Und das Bild sieht wiederum mich an. Es flüstert mir zu: Während dein Denken des Bewusstseins an das Wort gebunden ist, sind deine Traumgedanken nur in Bildern darstellbar. Deine Träume sind zeitlos und es existiert im Unbewussten nichts, was deiner Zeitvorstellung entsprechen könnte. Die Inhalte deines Unbewussten, all deine Affekte, Wünsche und deine Ängste, sie sind ebenfalls zeitlos. Räumliche Beziehungen, bestimmte Orte, sie dienen dir im Traum als eine symbolische Darstellung deiner psychischen Topographie. Du bist dort und bist es zugleich auch nicht. So argumentiert das Bild. Es hat recht; ich sehe meine Quelle vor mir… Und wie dort die Vögel singen. Nein, das weiß ich nicht!

Meine Zeit ist ein Weg

Was wir die Wirklichkeit nennen, ist eine bestimmte Verbindung zwischen Empfindungen und Erinnerungen, die uns gleichzeitig umgeben – eine Verbindung, die bei einer einfachen kinematographischen Wiedergabe verlorengeht, da diese sich um so mehr von der Wahrheit entfernt, je mehr sie sich auf sie zu beschränken vorgibt –, eine einzigartige Verbindung, die der Schriftsteller wiederfinden muss, um für immer in seinem Satz die beiden verschiedenen Glieder miteinander zu verketten. Man kann unendlich lange in einer Beschreibung die Gegenstände aufeinanderfolgen lassen, die sich an dem beschriebenen Ort befanden: Die Wahrheit beginnt erst in dem Augenblick, in dem der Schriftsteller zwei Gegenstände nimmt, die Verbindung zwischen ihnen herstellt – diese Verbindung in der Welt der Kunst entspricht den durch die Kausalgesetze gegebenen einzig möglichen Verbindungen in der Welt der Naturwissenschaften – und sie einschließt in die zwingenden Glieder eines schönen Stils; oder auch erst, wenn er, wie das Leben es tut, in zwei Empfindungen etwas Gemeinsames aufzeigt und so ihre gemeinsame Essenz freilegt, wenn er, um sie den Zufälligkeiten der Zeit zu entziehen, die eine mit der anderen vereint: in einer Metapher. (Marcel Proust)

Endlicher Raum ohne Begrenzung

So lange wir jung sind, mag man uns sagen, was man will, halten wir das Leben für endlos und gehen danach mit der Zeit um. Je älter wir werden, desto mehr ökonomisieren wir unsere Zeit. Denn im späteren Alter erregt jeder verlebte Tag eine Empfindung, welche der verwandt ist, die bei jedem Schritt ein zum Hochgericht geführter Delinquent hat. (Arthur Schopenhauer)

Das Blut der Zeit

Die Zeit, die das eine Mal dahinfliegt, wie ein Vogel, schleicht das andere Mal wie eine Schildkröte – aber angenehmer erscheint sie nie, als wenn man nicht sagen kann, ob sie schnell oder langsam verstreicht. (Iwan Turgenjew)

Die Visite

Die Visite bezeichnet in meinem Atelier das Betrachten und die professionelle Erfragung von künstlerisch relevanten Informationen eines neuen Bildes bzw. der neuen Bilder (Ich besitze & belege bekanntlich ein Mehrbild-Atelier). Dies alles geschieht am „kranken Bett“… ausschließlich durch mich als leitender Atelierarzt.

Oder, wie auf den Fotos zu sehen ist, während der sogenannten „Boden-Therapie“.

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„Sehr neue Bilder“

David Hockney hatte schon lange vor mir die Idee, seine neuesten Bilder schlicht und einfach nur „very new paintings“ zu nennen.

Deshalb wählte ich für mich hier auch bloß: „Sehr neue Bilder“.

Mein Liebeslied (für S.)

Liebste, weil Dir das Bild von einem „autonomen Spiegel“ so sehr gefiel… hier, für Dich: O, Du : uns ist der Mond ein großes gelbes Tulpenbeet / (Es wälzen keuchend sich vom Horizonte Hollands taube Strahlen). / Vermischt sich Apfelmusgehirn mit Loderherz: kommt Eros viel zu spät / Und wir befinden uns weitaus am wohlsten in der Vertikalen. (Für Dich. Von Hugo Ball. Und auch von mir.)

Begegnung mit Hölderlin

„Wenn aus der Ferne, da wir geschieden sind, / Ich dir noch kennbar bin“, so hebt das an, und: „So sage, wie erwartet die Freundin dich? / In jenen Gärten, da nach entsetzlicher / Und dunkler Zeit wir uns gefunden?“ Diotima ist nun seit Jahren tot, aber die Stimme, die hier erklingt, lässt nicht locker: „Das muß ich sagen, einiges Gutes war / In deinen Bliken, als in den Fernen du / Dich einmal fröhlich umgesehen / Immer verschlossener Mensch, mit finstrem / Aussehn. Wie flossen Stunden dahin, wie still / War meine Seele über der Wahrheit, daß / Ich so getrennt gewesen wäre?“