verlegen beschämt wundervoll betreten

Denk ich an Kunst bei Tag und Nacht, bin ich gerne um den Schlaf gebracht. Ich will meine Augen gar nicht schließen, und heiße Freudentränen mögen fließen, denn was ich da vor mir sehe, das sei bitte „eine komplizierte Justierung von Sicherheitsbedürfnis und Risikobereitschaft, von Handlungsskripten und fetischistischen Bildfetzen mit ihrer verworrenen Kombination aus entmenschlichender Abstraktion und wieder vermenschlichter Konkretheit, die für den Einzelnen die sexuelle Erregung maximiere.“ (Robert J. Stoller, Psychoanalytiker)

Genau deshalb empfinde ich Kunst auch als so wunderbar berauschend und belebend.

Ich singe in Bildern

Über was singen meine Bilder? Ich lausche und höre es genau: „Ich singe den Leib, den elektrischen, / Die Heerscharen derer, die ich liebe, umgürten mich, und ich umgürte sie /… / Die Liebe zum Leib eines Manns oder Weibes spottet jeglicher Rechenschaft / … / Der männliche ist vollkommen und der weibliche ist vollkommen. /…/ Hast du jemals eines Weibes Leib geliebt? / Hast du jemals eines Mannes Leib geliebt? /… / … dies sind nicht die Teile und Gedichte des Leibes allein, sondern der Seele, / O nun sage ich, sie sind die Seele!“ … WOW … (Walt Whitmann & ich)

Es geht weiter…

Wo Welt und Fantasie sich gegenüberstehen. Oder miteinander tanzen, zusammen einen Blick auf Unmöglichkeiten werfend, ohne schamhaft zu erstarren, da will ich ein Ich sein. Aus den Holzplanken meiner Wiege zimmerte mir ein anderes Ich einst mein Atelier, mäanderte dann umher, stetig sich verändernd in aufsteigenden Schwärmen von Papierfliegern, auf denen es Zeichnungen für mich hinterließ… In ihren sprenkelhaften Schatten, entdecke ich ab jetzt nur noch Schönwetterphänomene, um in Tränen der Freude auszubrechen. Mit der Dämmerung werde ich nach wie vor gerne telefonieren. Für meine Melancholie weiterhin einkaufen gehen.

Solche Theatralik zieht ein in die Poren der Atelierwände und die Tiefe von Raum und Zeit, sie steigert meine Lust auf Kunst geradezu in einen Wahn. Um damit fertigt zu werden, ziehe ich nun mühelos einen Kreis um Realitäten, um sie darin für immer gefangen zu halten. Oder als nette Erinnerung in ein Regal zu stellen. Mit anderen Worten: es geht weiter, immer weiter…

Und wieder geht ein schönes Jahr zu Ende

Und wieder geht ein schönes Jahr zu Ende, / voller Glück und voller Sonnenschein. / Ich legte mein Herz in seine lieben Hände, / denn wo es war, konnt die Welt nicht schöner sein! / Vergessen waren da / all meine Sorgen, alles Leid, / O, Jahr, hab’ Dank für diese Stunden, / die ich bei dir gefunden; / dieses schöne Jahr geht nun zu Ende. / Schlafe süß, mein Liebes, gute Nacht! / Wieder geht die Welt nur kurz zur Ruh’, / bald, mein Liebes, schläfst auch du; / ich wünsch’ dir vom Herzen gute Nacht! / Träume süß von unserm Glück, / und kehre bald mit neuer Zahl zu mir zurück; / Danke, du hast mich reich gemacht!                                                                                                                         Ein Text, ein Lied, frei nach Bruno Elsner, was mir einfällt, jetzt am letzten Tag des Jahres. Und ich stelle fest, ich lüge mich mal wieder an. So wie ich es immer tue, wenn ich beichte. Also meine Kunst mache. Nicht alles war in diesem Jahr rosig. Auch dieses Jahr gab es Steuererklärungen und Schulkonferenzen, an denen ich teilnehmen mußte. Viel Lärm um nichts. Unterm Strich bleibt aber zu sagen, ich wurde geliebt. Das gleicht alles andere aus. Ohne Liebe wäre die Welt die Hölle… ich weiß das, ich hab mir nämlich davon ein Bild gemacht.