Bilder-Geschichten aus einer Verrichtungsbox

Was sind Ateliers anderes als abgeschirmte Verrichtungsboxen, die einer Garage ähneln (mein Atelier wäre tatsächlich durch eine Garage erreichbar!) und Prostituierten oder eben auch Künstlern die Möglichkeit bieten, ihre Freier zu bedienen.

Die Freier fahren mit ihren Autos in die Box (bzw. an die Box heran, in meinem Fall wäre das so, Parkmöglichkeit direkt vor meiner Garage…), in der sie vor fremden Blicken geschützt Sex haben können. Solch ein Sex ist bekanntlich, so meinen schmallippige Puristen, nur grober Unfug mit drei Buchstaben. Ohne jeglichen Geist.

Man könnte natürlich auch nur Kunst betrachten. Oftmals auch nur grober Unfug. Aber eben mit Geist. (Ach, man kennt die Künstler ja so genau! Picasso, Schiele, Degas. Man weiß ja, wie diese Künstler so ticken. Das Feuilleton lügt nicht.)

Der Maler steht etwas vom Bild entfernt. Er wirft einen Blick auf das Modell … //… die Perspektive rückt sie beide in eine Nachbarschaft … // … eine Bewegung, etwas Licht würde genügen, um sie verschwinden zu lassen.*

Richtig ist und bleibt, dass in meinem Atelier jeder Gast, der mich besuchen mag, auf alle Fälle vor fremden Blicken geschützt ist. Versprochen! Wir könnten auch nur einen grünen Tee zusammen trinken, wenn Wein schon zu verwegen wäre.

Wie dem auch sei, glauben Sie mir, der Künstler, er spukt durch solch eine Verrichtungsbox und flüstert leise zu sich selbst: „I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhäuser Gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain.“ … den „Tears in rain monologue“ aus dem Film Blade Runner. Immer und immer wieder.

Schauen Sie ruhig mal vorbei. Und lauschen Sie. Was immer ihr Herz begehrt.

(*Zitiert aus: „Foucault – Velázquez – Las Meninas“)

The Times They Are A Changing

Bob Dylans Variationen der Matthäus-Passage aus Kapitel 19,30 („Aber viele, die jetzt vorn sind, werden dann am Schluss stehen, und viele, die jetzt die letzten sind, werden schließlich die ersten sein“) verdeutlichen …, dass es in „The Times They Are A-Changing“ unbestreitbar um einen radikalen Veränderungsprozess geht. (Literaturkritik von Matthias Bergert)

echte Spuren, echte Zeichen

Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen: / Wie kann das sein, daß diese nahen Tage / Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen? / Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt… /… daß alles gleitet und vorüberrinnt. Ein Wechsel von Stimmen und Echos rückt mehr und mehr ins Sichtbare. Oder umgekehrt, das Sichtbare ermöglicht mir jetzt den geliebten Wechsel von erzählenden Stimmen und ihren Echos. Nichts wird mich vor Missverständnissen schützen können, schon gar nicht die Poesie, die Chance und Gefahr zugleich, das Wort für mein eigenes Bild ergreift. Doch streicht sie durch das Chaos und ordnet es für mich.

Die Freude des Künstlers

Die Ersatzbefriedigungen, wie die Kunst sie bietet, sind gegen die Realität Illusionen, darum nicht minder psychisch wirksam dank der Rolle, die die Phantasie im Seelenleben behauptet hat. Die Rauschmittel beeinflussen unser Körperliches… (Zitiert aus „Das Unbehagen in der Kultur“ von Sigmund Freud.)

Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer

Und man darf wohl aufseufzen bei der Erkenntnis, daß es einzelnen Menschen gegeben ist, aus dem Wirbel der eigenen Gefühle die tiefsten Einsichten doch mühelos hervorzuholen… Irgendwie steckt die Angst hinter allen Symptomen, aber bald nimmt sie lärmend das Bewusstsein ganz für sich in Anspruch, bald verbirgt sie sich vollkommen, daß wir genötigt sind, von unbewusster Angst – oder wenn wir ein reineres psychologisches Gewissen haben wollen, da ja die Angst zunächst nur eine Empfindung ist – von Angstmöglichkeiten zu reden. (Zitiert aus „Das Unbehagen in der Kultur“ von Sigmund Freud.)

Goya, Kominsky, Anima & ich.