Sprache und Schweigen

Glaube mir und denk, ich sags aus tiefster Seele dir: die Sprache ist ein großer Überfluss. Das Beste bleibt dich immer für sich und ruht in der Tiefe, wie die Perle im Grunde des Meers. (Friedrich Hölderlin)

Seele in Aspik

Realität ist, was unsere Erwartungen enttäuschen kann… Man holt sich Beulen an der Wirklichkeit. Sie zwingt uns als Widerstand zu Umwegen, also zu Kultur. (Hans Blumenberg)

Home Sweet Home

Bought myself a country house with an antique carved oak door / It was Home Sweet Home, home sweet home / Just a place to lay our head think of all those things we said / About in our Home Sweet Home. (Peter Gabriel)

Ein Traum von großer Magie (oder: Die Hochzeit)

Viel königlicher als ein Perlenband / Und kühn wie junges Meer im Morgenduft, / So war ein großer Traum – wie ich ihn fand. / Durch offene Glastüren ging die Luft. / Ich schlief im Pavillon zu ebner Erde, / Und durch vier offne Türen ging die Luft – / Und früher liefen schon geschirrte Pferde / Hindurch und Hunde eine ganze Schar / An meinem Bett vorbei. Doch die Gebärde / Des Magiers – des Ersten, Großen – war / Auf einmal zwischen mir und einer Wand: / Sein stolzes Nicken, königliches Haar… // Dann warf er sich mit leichtem Schwang der Lenden – / Wie nur aus Stolz – der nächsten Klippe zu; / An ihm sah ich die Macht der Schwere enden. / In seinen Augen aber war die Ruh / Von schlafend- doch lebendgen Edelsteinen…

(Hugo von Hofmannsthal)

wiederfinden widerspiegeln

Um sich von den Zweifeln an seiner Lebenswahl abzulenken schlägt der heilige Antonius, ein passiver, weinerlicher und mit seinem Schicksal unzufriedener Mann, die Bibel an willkürlichen Stellen auf, die nur wieder Versuchungen (u. a. Reichtum, Ruhm, Sexualität) hervorrufen. Antonius ist in der ganzen Welt auch als der Heilige bekannt, der Verlorenes wiederfindet: die alltäglichen Dinge, mehr oder weniger wichtige Dokumente oder auch den Glauben… an Reichtum, Ruhm und Sexualität. Für den Philosophen Michel Foucault sind die „Versuchungen des heiligen Antonius“, so wie der Autor Gustave Flaubert sie beschreibt, ein Bibliotheksphänomen, das „in und durch das Verbindungsnetz des schon Geschriebenen existiert“, ein Prototyp der Traumliteratur. Antonius singt: „Ich sehe die Sterne, ich höre den rollenden Donner … Und führe mich nach Hause, welche Freude wird mein Herz erfüllen / Dann werde ich mich mit demütiger Anbetung verneigen… How great Thou art / How great Thou art…“ Und ich? Ich freue mich, von ganzen Herzen, ihn heute wiedergefunden zu haben, sein Bild, das ich mir einst von ihm machte.