Ungefällig und nicht gerade niedlich

Der Pianist Glenn Gould, ein Künstler, dessen Kunstverständnis mich sehr geprägt hat, soll die Musik von Mozart nicht sonderlich gemocht haben. Denn Gould spielte Mozart, so seine böswilligsten Kritikern, ungefällig und überhaupt nicht niedlich.

Das besagt nun aber keinesfalls, dass Glenn Gould die Musik von Mozart nicht schätzte. Im Gegenteil. Denn wenn Gould etwas wirklich nicht mochte, dann spielte er es einfach nicht. Wenn er einen Komponisten allerdings interpretierte, dann war sein Zugriff auf dessen Musik immer entschlackt und stets ungewöhnlich.

Ungefällig und nicht gerade niedlich… also Kunst.

„BACH to the Roots“

Es ist ganz einfach so: Dürer liegt mir am Herzen.

Es gibt zahlreiche Blätter von Albrecht Dürer, die mich zu eigenen Grafiken inspirierten. Als ich den Artikel hier und heute verfasste, dachte ich intuitiv über meine kulturellen Wurzeln nach. Als die Wurzeln eines Menschen werden ja oft (nur) seine Herkunft und seine Familie bezeichnet.

Ich ergänze an dieser Stelle gerne noch meine selbstgewählte Familie, d.h. meinen mich prägenden kulturellen Hintergrund. Ein „Wer bin ich?“ könnte mit einem „Wo komme ich her?“ gleichgesetzt werden. Und wenn ich weiter darüber nachsinne, dann komme ich ebenso schnell zur nächsten Frage: “Wer oder was hat mich geprägt?“.

Es wäre jetzt zu einfach, mir zu vordergründig, nur „Albrecht Dürer“ in den Zeugenstand zu rufen. Lieber betrachte ich amüsiert meine heutigen BLOG-Bilder und finde, dass ich, wenn ich es denn wollte, noch ganze andere Namen hier nennen könnte.

Keiner ist mir wichtiger als der andere. Sie alle zusammen bilden meine Wurzeln und wachsen in das Substrat meiner Seele hinein, aus dem ich dann als ihr Spross, hoffe ich, einem guten Licht entgegen wachsen kann.

Aus meinem Poesiealbum

Wenn die eigene Rede ins Stocken gerät, dann greift jeder von uns gerne schon einmal auf den einen oder anderen Klassiker zurück, auf deren schon vorverdaute Weisheiten. Ob ich mir damit Autorität verschaffe oder nur den Magen verderbe, ich will es nicht selber beurteilen müssen. Das könnten mir vielleicht auch nur die drei Klassiker gemeinsam erklären, die ich hier und heute in meinem Poesiealbum harmonisch vereint vorfinde. Es handelt sich um Ikarus, Goethe… und die Zeit.

 

Liebeslied

Meine Kunst begreife ich als ein ständiges Suchen, ein Pochen, ein Wühlen in Rissen und Brüchen, als ein zauberfähiges Gebrabbel der Poesie.

Niemand kann so schön / Mit deinen Händen spielen, / Schlösser bauen, wie ich / Aus Goldfinger; / Burgen mit hohen Türmen! / Strandräuber sind wir dann. / Wenn du da bist, / Bin ich immer reich. / Du nimmst mich so zu dir, / Ich sehe dein Herz sternen… (Else Lasker-Schüler)

Against Interpretation

Über die Kreuzigungsgruppe des „Isenheimer Altars“ von Mathias Grünewald meinte Pablo Picasso: „Ich liebe dieses Bild und habe versucht, es zu interpretieren… Aber so wie ich anfange zu zeichnen, wird etwas ganz anderes daraus.“ Und ich versuche es erst garnicht richtig. Das hat „auch damit zu tun, das pluralistische Gesellschaften aufgehört haben, von ihren Dichtern und Denkern irgendwelche Heilsbotschaft zu erwarten.“ (Hans Magnus Enzensberger). Wer wäre ich denn, daß…? Ich mache mir allenfalls flüchtige Skizzen, fertige Nebenversionen an, ziehe kurze Schlüsse. Wenn, dann wäre ich wohl eher ein delirio interpretativo.

Die Wahrheit ist von dieser Welt

Unsere Gesellschaft bewahrt kaum eine Erinnerung daran, daß das entscheidende Kunstwerk, um das man sich bemühen, der entscheidende Bereich, auf den man ästhetische Werte anwenden muss, man selbst, das eigene Leben, die eigene Existenz ist. Der Künstler ist dafür da, um Fenster einzusetzen, wo vorher Wände waren. (Verständnisvoll nicke ich Foucault zu.)

Simple Man

I’m… just a simple man / I have to do the simple things / That a simple man… can / You… are holding out your hand / You want to know the simple things / In my simple plan… and / I know there’s so much to share / But what else can I do? / Yes, I’m a simple man!*

(*Klaus Nomi)

A simple plan

It’s such a simple, simple plan: Wenn die Wolken ziehen und die Schiffe segeln, dann muss ich wohl die Ur-Suppe auslöffeln, die ich mir selber eingebrockt habe? O, nein. Denn ich löffel nicht, ich schlürfe meine Kunst…

Nur einmal fing ich an zu schrei’n : „Ich esse keine Suppe! Nein! Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht!“ … I hope you understand / It’s so simple… (Struwwelpeter, Klaus Nomi & ich)