Music Must Change

Alltagsfetzen, Visionen, Erinnerungen, alles vermischt sich am Tag X in der Corona-Krise und der daraus resultierenden Ausgangssperre zu einem nebelhaften Gebilde, es scheinen die alten Weiden so grau: Donald Trump setzt die WHO unter Druck. Jetzt droht er damit, die Zahlungen der USA auszusetzen. Die WHO würde sich zu stark auf China konzentrieren und habe in der Corona-Krise falsche Empfehlungen gegeben. Tja, phantasiere ich, träge auf der Couch liegend, Vulkane explodieren durch den Schnee / Der Mückenstich bringt einen Traum / Aber das Gift ist verrückt / Die Musik muss sich ändern / Denn wir kauen einen Knochen / WHO ARE YOU… Das ist die Frage. The Who, ich seh‘ es genau, zeigten mit WHO ARE YOU ein letztes Mal in voller Besetzung, warum sie eine der größten Bands der Rockgeschichte waren. Nach dem Ausscheiden von Keith Moon waren The Who de facto Geschichte. WHO ARE YOU war ihr letztes starkes Album. Die Songs von Pete Townshend und John Entwistle, das immer noch unbestreitbare Können aller Bandmitglieder in ihren jeweiligen Fächern – all das machte WHO ARE YOU zu einem Triumph. Wer bisher anderer Meinung war, sollte dieser Platte doch noch mal eine Chance geben, so wie ich es gerade mache… The Who sind The Who. Donald Trump ist und bleibt also ein Idiot. Seine ewigen, immer wiederkehrenden Kränkungen sind, sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind!, nur eine „Legitimation jedweden Verhaltens, das sich nicht an die demokratischen, aber auch nicht an die Regeln des Marktes halten will. Der rücksichtslose Erfolgsmensch… und das gekränkte Opfer… sind […] zwei Seiten ein und desselben Phänomens… Ein rücksichtsloser… Gewinner wie Trump… findet die größte Gefolgschaft stets in einer Armee der Gekränkten.“ (Georg Seeßlen) Ein schäbiges Verhalten am Rande zur Paranoia. MUSIC MUST CHANGE. Unbedingt. Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll. MUSIC MUST CHANGE… & die Quarantäne geht in die nächste Runde.

 

Fake News

Im Netz verbreiten sich von Tag zu Tag immer mehr und immer absurdere Erklärungen und Verschwörungstheorien zum Thema „Corona“. Alles Fake News. Also manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten, die sich, wie gesagt, überwiegend im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken und anderen sozialen Medien zum Teil viral verbreiten. Die Nerds fragen sich, wie das Virus in Wahrheit aussieht.

Und was es denkt.

Schreibend kann ich erst genesen, schreibend werde ich erst gesund.

Ein Tagebuch zu schreiben, das sei gut für die Gesundheit. So sagt es ein gewisser Dr. James W. Pennemaker, Autor des Buches „Heilung durch Schreiben“. Er behauptet in seinem Buch, dass es auch egal sei, ob jemand das Tagebuch je lesen würde oder nicht. Zum Arzt würden Tagebuchschreiber*innen auf alle Fälle, so Dr. Pennemaker, seltener gehen als solche Menschen, die gar kein Tagebuch führen würden. Ich möchte dem hundertprozentig zustimmen wollen. Ich gehe seit Wochen nicht mehr zum Arzt. Das liegt meiner Beobachtung nach aber daran, dass ich a) nicht krank bin… b) es eine Kontakt- und Ausgangssperre wegen der Corona-Krise in Deutschland gibt… und ich c) jeden Tag Tagebuch/Blog schreiben will und muss. Ich hätte gerade einfach keine Zeit, um einen Arzt aufzusuchen. Richtig ist aber durchaus, dass das Schreiben mir ausgesprochen gut tut. Die Corona-Epidemie ist für mich zu einem zwingenden Grund meines alltäglichen Schreibens geworden. Alltag und Kunst haben sich hier zu einer Einheit vermischt.

Genesis 1 – 2 – oder 3

Nichts bleibt wie es zuvor einmal war. Genesis bezeichnet z.B. nicht nur das 1.Buch Mose, sondern auch eine nationale Polizeiaktion gegen Pädokriminalität in der Schweiz; eine US-amerikanische Raumsonde wurde so benannt, ebenso ein Satellit, eine britische Musikband gab sich den Namen. Es gibt einen gleichlautenden Roman, eine Automarke, eine philippinische Fernsehserie und…und…und… Ebenso gibt es ein Bier oder Zigaretten, die auf den Namen Corona „hören“. Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Dann zeigte er auf Adam. Und der Rest ist Geschichte. Damit der Mensch aber erst zum Menschen wird, geschieht immer noch ein Zweites. Es heißt, der Grundstoff Erde, aus dem Gott den Menschen geformt hat, wird erst richtig zum Menschen, indem ihm Gott seinen Atem, seinen Geist in die Nase bläst. Gott tritt also in den Menschen – seine Schöpfung – hinein. In ihm berühren sich Himmel und Erde. Und wenn Corona nun uns berührt? In uns hinein tritt? Was geschieht dann als ein Drittes? Welche Schlüsse ziehen wir denn aus dieser Schöpfungsgeschichte?

Mephistopheles: Wir müssen erst in einem Leben sterben, ehe wir ein anderes beginnen können?

Gott (The Godfather): Frag mich nicht nach meinen Geschäften.

Mephistopheles: Ist es wahr?

Gott: Frag mich nicht nach meinen Geschäften!!!

Mephistopheles: Doch.

Gott: Hör auf!… (nach einer kleinen Pause)… also gut… dieses eine Mal…. dieses eine Mal darfst Du mich nach meinen Geschäften fragen.

Mephistopheles: Ist es wahr?… (eine kleine Pause)

Gott: Nein!

Mephistopheles: Ogott…. (beide umarmen sich / eine Pause entsteht)… Ich glaube, wir brauchen beide was zu trinken.

Gott: 1 – 2 oder 3

Die Schöne und das Biest

„In der Kindheit glaubt man, was erzählt wird, und zweifelt nichts an. Man glaubt, dass wenn man eine Rose pflückt, der Familie ein Unglück widerfährt. Man glaubt, dass die Hände einer Bestie anfangen zu dampfen, sobald sie jemanden tötet, und dass sich die Bestie dafür schämt, wenn ein junges Mädchen in ihrem Hause wohnt. Man glaubt noch tausend andere naive Sachen. Ein wenig von dieser Naivität erbitte ich mir jetzt von ihnen, und sage – um uns allen Glück zu bringen – die drei magischen Worte. Das wahre „Sesam öffne dich“ unserer Kindheit: Es war einmal … “ ( *)  Die traurige Wahrheit ist jedoch: Krankenschwestern und Pfleger fühlen sich schon seit Wochen wie in einem Krieg, in dem sie mit „Wasserpistolen“ kämpfen müssen: schutzlos einem Feind namens Corona ausgeliefert und mit schweren Verlusten in den eigenen Reihen; viele fühlen sich wie Kamikaze-Kämpfer, müssen zum Teil mit einfachen OP-Masken arbeiten. Es fehlt an Schutzkleidung und Desinfektion. Eine Krankenschwester schreit: „Ihr könnt euch euer Geklatsche sonst wohin stecken. Wir sind keine Helden. Wir sind die Idioten der Nation!“ … Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute (oder: Und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende).

*Jean Cocteaus Vorwort zum Film „La Belle et la Bête“ (die Schöne und das Biest).

Grauen, Grausen oder Gruseln?

Grauen, Grausen oder Gruseln sind Ausdrucksweisen der gehobenen Umgangssprache für ein gesteigertes Gefühl der Angst oder des Entsetzens. Dieses ist meist mit der Wahrnehmung von etwas Unheimlichem, Ekligem oder Übernatürlichem verknüpft. Wie dem Junk-Food. Minderwertigem Essen, das ungesund ist, weil es zu viel Fett, Zucker und Salz enthält, wie z.B. Pommes, Burger, Chips, Würste oder Schokoriegel. Ich frage mich jetzt aber ernsthaft, was dieses Corona-Virus dann bloss an uns findet?

Das Gebet

Wir sind aus solchem Zeug wie das zu Träumen, / Und Träume schlagen so die Augen auf, / Wie kleine Kinder unter Kirchenbäumen, / Aus deren Krone den bassgoldnen Lauf / Der Vollmond anhebt durch die große Nacht. / Nichts anders tauchen unsre Träume auf. / Sind da und leben, wie ein Kind das lacht, / Nicht minder gross im Auf- und Niederschweben / Als Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht. / Das Innerste ist offen ihrem Weben, / Wie Geisterhände im versperrten Raum / Sind sie in uns und haben immer Leben. / Und drei sind eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum. (Hugo von Hofmannsthal)

„Das dünkt mich seltsam“

Corona führt nicht nur zu einer Atemwegserkrankung mit Symptomen wie Husten und Fieber. In schwereren Fällen kann es sogar zu schweren Atembeschwerden kommen. Aber Corona infiziert auch meine Träume: Langsam, in leisen Selbstgesprächen voll lüstern−listigen Bildern kommen die Corona-Träume in einer ewigen Gedanken-Möbiusschleife daher. Sie sind nicht orientierbar; ich kann nicht zwischen unten und oben, nicht zwischen innen und außen unterscheiden. Einmal fügen sie mich zusammen, einmal nehmen sie mir den Kopf. „Es läuft der Frühlingswind / Durch kahle Alleen, / Seltsame Dinge sind / In seinem Wehn. / Durch die glatten / Kahlen Alleen / Treibt sein Wehn / Blasse Schatten. / Er schüttelte nieder / Akazienblüten / Und kühlte die Glieder, / Die atmend glühten.“ (Hugo von Hofmannsthal)

Im Totalzusammenbruch der Ordnung bildet sich lustvolle, erotische Anarchie*

Ja, ist denn heut‘ schon Weihnachten? Ach, nein, ich träume… und im Traum wird mir klar, wie wir alle Corona besiegen könnten. Ich stelle mir Corona schlicht und einfach wie eine Orange vor, gespickt mit Gewürznelken. Der Virus sieht dann aus wie ein alter schwedischer Weihnachtsbrauch. Es werden immer 24 Nelken in eine (Virus-)Orange gesteckt. Pro Tag entfernt man eine Nelke bis schließlich an Heiligabend die letzte Nelke gezogen wird. Und dann sind wir alle wieder gesund. Gleichzeitig verströmen die präparierten Orangen so einen taumelnd-berauschenden Duft, den viele von uns sicherlich mit der Weihnachtszeit verbinden. Das wäre doch herrlich. (…) Und der erotische Akt? Was hat der mit der Bekämpfung der Krise zu tun? Ach, der?! Der stellt hier nicht weniger als ein wunderbares Zeichen meiner lustvollen Anarchie dar.

(*Matthias Horx)

In der Nachricht entferne ich mich von meinem Alltag, um von Ferne zu ihm zurückzukehren.

Da, zwei Königskinder!… & alle Menschen gehen ihre Wege (in meinem letzten Traum). / Und süße Früchte werden aus den herben / und fallen nachts wie tote Vögel nieder / und liegen wenig Tage und verderben. / Und immer weht der Wind, und immer wieder / vernehmen wir und reden viele Worte / und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder. / Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen? / Was frommt das alles uns und diese Spiele, / die wir doch groß und ewig einsam sind / und wandernd nimmer suchen irgend Ziele? / Was frommt’s, dergleichen viel gesehen haben? / Und dennoch sagt der viel, der (in meinem Fall) „LIEBE“ sagt, / ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt / wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.