Das Credo

Bei jenen Nicht-mehr-Tieren, bei Philosophen, Künstlern und Heiligen macht die Natur, die niemals springt, ihren einzigen Sprung, und zwar einen Freudensprung (Nietzsche).

Aber nur, so glaube ich, wenn wir Künstler, die wir in unser Atelier gehen, dafür Sorge tragen, dass wir nicht Wahnideen für Investitionen gebären, sondern Provilaxe betreiben gegen die Entartung unserer Seelen.

 

Analoge Beichte in digitaler Welt

Meine Bilder weisen Wörter wie „Schönheit“, wie „Anmut“ oder „Richtigkeit“ weit von sich. Solche Wörter, sagen sie, gehören nicht in ihr eigentliches Sprachspiel. „Ach, du willst ein Spiel spielen?,“ will ich von dem Bild wissen. „Ja. Ein seltsames Spiel, diese Kunst,“ antwortet das Bild und ergänzt „denn der einzig gewinnbringende Zug, er ist nicht zu spielen.“ „Du meinst, es gibt in der Kunst keine Gewinner?“ „Genau. Gewinner: Keine.“ Das Bild berührt sich selbst und entwirft sich auf diese Weise ständig neu. Es lächelt mich farbig an und changiert leicht im Sonnenlicht.

La Création du monde

im anfang war nichts ♢ nichts ausser nacht ♢ te po ♢ leere ohne licht ♢ kalt und stumm formlos und starr ♢ in der etwas begann ♢ sich im dunkeln allmählich zu regen ♢ flüsternd ♢ seufzend sich zu erheben…

… und es feucht wurde ringsum ♢ aus hitze und feuchtigkeit die materie in all ihren formen entstand ♢ sie fest wird und fester ♢ bis erde und himmel ♢ gestalt gewannen: vater und mutter  – ( aus: ERSTE ERDE EPOS von Raoul Schrott )

vater und mutter zugleich ( … inspiriert durch die Musik von Darius Milhaud. )

An lichtgewobener Kette

Aus meinem Skizzenalmanach: „An lichtgewobener Kette muß ich hängen / Aus hohen Himmeln in das trübe Leben, / Genötigt hin und her zu schweben, / Weil sanfte Ätherwellen mich bedrängen…

Man haucht mich an mit Worten und mit Klängen, / Und schon will meine Flügelwaage beben. / Um die Erschütterungen aufzuheben, / Dreh ich mich in den ewigen Gesängen…“ (Ach, Hugo Ball, mein guter Freund, Du formulierst exakt die Worte, die es verstehen meinen Engel ganz tief in seiner Seele zu berühren und ihn zauberhaft für mich beschreiben. Und ich fürchte mich deshalb auch nicht vor ihm, diesem Wesensbild der eigenen Person. Im Gegenteil.) Denn „so sieht man wohl in frommen Kemenaten / Aus Watte und aus Werg an einem Faden / Die Geistestaube schweben im Geviert.“

Zweifacher Maillol

Was kann ich von Maillol lernen? Sehr viel. Die Kleinplastiken aus der Anfangszeit des Künstlers sind z.B. deshalb so überzeugend, weil der Künstler mit seiner Ehefrau Clotilde stets sein Idealmodell vor Augen hatte. Ihr Typ und ihre Proportionen wurden für sein bildhauerisches Werk wegweisend: „Ich habe eine kleine Frau geheiratet. Ich habe immer kurze Beine vor Augen gehabt. Deshalb suchte ich die Harmonie der kurzen Beine. Wäre ich mit einer langbeinigen Pariserin verheiratet, dann hätte ich vielleicht die Harmonie der langen Beine gesucht.“ So Aristide Maillol. Und ich? Auch ich habe Tag für Tag eine Harmonie vor Augen. Auch ich bin verheiratet.

Stop! In the name of love

Stop! In the name of love / Before you break my heart / I’ve known of your / Your secluded nights / I’ve even seen her / Maybe once or twice / But is her sweet expression / Stop! In the name of love …

Before you break my heart…   (The Supremes)

Geständnisse des Fleisches

Zeige mir, was du malst. Und ich sage dir, wer du bist.

Kann Kunst über mich die absolute Wahrheit sagen? Oder ist es nicht vielmehr so, dass ich im Bild und durch das Bild und so vor aller Augen meine Sünden gestehe? Und die Kunst mir dafür Erlösung verspricht? Der Philosoph Michel Foucault schreibt in seinem Werk „Die Geständnisse des Fleisches“ von einer Pflicht des Subjekts zur stetigen Problematisierung des Verhältnisses von Freiheit und Natur, von Vernunft und Begehren… Welcher mit gesundem Geist Begabte sähe es … nicht lieber, dass uns von der Natur überhaupt keine Wollust(gefühle) gegeben wären?

Nun, ich gestehe hier nur allzu gerne, ich würde die Wollustgefühle wählen. Immer und immer wieder.

Jenseits des Realitätsprinzips

„Jenseits des Realitätsprinzips? Was meinst du damit?“ fragte der Kunstkritiker mich streng, „erkläre dich genauer!“ „Ich kann mich leider nicht erklären, Sir,“ antwortete freundlicherweise und an meiner Stelle die Alice auf bzw. aus dem Bild, „denn ich bin gar nicht ich, verstehen Sie?“ Alice hatte recht. Denn erst durch eine vollständige Identifikation mit einem Bild, wie diesem hier zum Beispiel, würde sich auch mein eigentliches Ich bilden. Und die Einheit von all meinen Bildern, so sah ich es, sie ersetzte meine ansonsten fragmentarische Wahrnehmung des eigenen Körpers. Aber solch eine Aussage war dem Kunstkritiker offensichtlich zu verrückt. Er verließ genervt den Ort des Geschehens. Ich stand noch eine kleine Weile da, winkte ihm freundlich hinterher; immer kleiner wird ihm wahrscheinlich meine Hand mit dem Taschentuch erschienen sein. Und am Ende glaubte er sicherlich, ich sei ein äußerst seltsamer Vogel mit nur einem Flügel. Als der Kritiker dann hinter seinem begrenzten Horizont verschwand, flog ich tatsächlich heimwärts… mitten in ein Bild hinein.