Mein kaiserviolettes Herz

Am Tag meiner Geburt prasselte farbiger Regen nieder, schenkte den Personen im Paradies ihre smaragdgrünen Augen, die Pfauenaugen bekamen ihr Lapislazuli. Trübe Pfützen erinnerten sich zurück an ihr ägyptisches Jaspis.

Das holländische Orange legte sich Träume zu, der Atem wurde gelber Jasmin. Seine Worte, die er formte, sie trugen nun ein Pfirsichrot mit sich, Sätze aus Almandin und Eisenkiesel, ihr venöses Blut, sie alle küssten meine Lippen, bis diese in einem Hyazinthrot erblühten. Gelbgrau schwebte die Sonne über mir, während violettweise Linien den Himmel schraffierten, in denen Wolken sich mit der Korallenrose vermählten. Fehlerhaftes wurde eingeschmolzen zu einem zeisiggrünen Gebet, das fortan die Korridore von Nervenheilanstalten überzog. Die zur Seite Gekippten knieten davor nieder und verfaßten ihre großen Testamente. Ich selber nahm mir indes die Beichte ab und gelobte fortan allen Farben in meinem kaiservioletten Herz ein Wohnrecht auf Lebenszeit einzuräumen.

Zauberspruch (und -bild)

Die Faszination der Schönheit, die wir so sehr ersehnen, sie ist gleichzeitig der Schleier über einem Alptraum, den die tagtägliche Welt für uns bereit hält. Aber vielleicht, so ist zu hoffen, besitzen die Lebenden und die Toten zum guten Schluss doch (zusammen) eine Stimme; diese besondere Stimme, eine Stimme voll Kunst, sie schwebt frei umher… Diese Stimme, sie ist losgelöst von allem … eine Stimme, die uns versöhnt, nicht trennt oder spaltet. Eine Stimme, die uns sagt: Ich liebe dich. Denn so lautet er, unser Zauberspruch. Nur er verwandelt uns Tiere in Menschen. Viel zu häufig haben wir indes diesen Zauberspruch vergessen, sowie seine einfachen, zärtlichen und zauberhaften Worte…

Ich liebe dich.

nach wie vor

… leider habe ich vergessen, von wem diese Gedichtzeilen sind, wo ich sie gelesen habe. Den Bilderrahmen erbte ich einst von meiner Großmutter. Das Bild malte ich einige Monate nach ihrem Tod.

Alles hat nach wie vor Bedeutung.

Beweise meiner Abwesenheit

Unmöglich sich selber jemals einzuholen. So sehr ich versuche, mich anstrenge, um mich endlich zu erreichen, ich bin stets schon fort, wenn ich glaube, ich würde mich endlich doch zu fassen bekommen…  Zurück bleiben, als Zeichen, dass ich schon hier & dort war, Bilder, Zeichnungen und Collagen.

Das Gespräch zweier Seelen.

Nachdenken über die „eigentliche Bedeutung dieser wunderbaren Kunst“… oder auch: Kyot trifft auf Detlef Bach.

Zum Existenzgefühl des Menschen gehört es, zu begreifen, dass er ein Teil von etwas großen Ganzen ist. Und dass er zugleich das festhalten will, was ihn von jeden anderem Menschen unterscheidet. Solch ein Bestreben nannte ich bis dato gerne auch meine Kunst. Und mein Freund Kyot fügt hinzu: „Mir ist beim Malen wichtig, dass der Moment in der Linie spürbar ist.“

Und so wollen wir es, unser ständiges Bemühen, verstanden wissen: Wir alle spielen oder starren ständig auf unzählbar viele Bühnen und/oder Bildschirme. „Individualität versus Schwarmverhalten“ heißt das Stück, dass überall und pausenlos um uns herum gezeigt bzw. uns vorgespielt wird. Ein Philosoph resümiert, dass das Eigene (Ich) heutzutage in Gefahr ist, entwertet zu werden. Lieber schließe man sich deshalb der Masse an und übernähme die Standards, die von der Masse verlangt und definiert würden. „Man geht zuerst ins Netz und schaut auf den medialen Beobachtungsschirm, um dann zur Selbstwahrnehmung zu kommen.“ (Rüdiger Safranski)

Auf diese Art und Weise läuft jeder von uns allerdings Gefahr sein eigenes, wahres Selbstgefühl zu verlieren…Denn zum Denken, so die Philosophin Hannah Arendt, benötige jeder von uns das Alleinsein. Sie meint damit die Unterbrechung des ständigen, überbordenen Kommunikationsstroms mit all seinen Informationen. Von diesen werden wir Tag für Tag geradezu überschwemmt. Um diesem Tsunami entkommen zu können, bedarf es der Zurückgezogenheit, der Vereinzelung. Kunst war für mich, war für uns, stets dieser Ort. Ein selbstgewähltes Exil auf Zeit, ein Moment des erfrischenden Alleinseins. Spürbar in jeder Linie. Diese Kunst als auch – und vorallem – das „Denken“, so sagt Hannah Arendt, sei mit der „Erfahrung des inneren Gesprächs mit sich selbst“ vergleichbar. „Das Denken ist, existentiell gesehen, etwas, das man allein tut, aber nicht einsam: allein sein heißt mit sich selbst umgehen; einsam sein heißt alleine sein, ohne sich in das Zwei-in-einem aufspalten zu können, ohne sich selbst Gesellschaft leisten zu können.“

Wir deuten Hannah Arendt für uns gerne so um, das wir auch in der Kunst als Einzelner, der jeder von uns nun einmal ist, seine Dualität entdecken, d.h. ein Gespräch innerhalb der eigenen Seele zu führen vermag. Wenn zwei Künstlerfreunde sich also nun zusammen finden und jeder dem anderen seine ganz eigene Kunst an- und darbietet, welche Quíntessenz könnte dieses Gespräch zweier Seelen ergeben? Vielleicht ist es die wunderbare Erkenntnis, dass beide Freunde durch ihr vertrauensvolles Gespräch am Ende, jeder für sich, ein kleines bißchen weniger allein ist. Dies wäre doch ein überaus schöner und tröstlicher Gedanke: Durch Kunst weniger allein als zuvor. Aber sehen Sie doch selbst: im „Salon 87a“ am 29. und 30. Oktober 2022 und am darauffolgenden Wochenende am 5. und 6. November 2022.

Beizeiten werde ich diesen Artikel noch einmal posten… Heute wollte ich mich einfach schon einmal an ihm erfreuen. Für mich allein.

PEACE FROG

Unsere Froschschenkel / Ihr reißt sie uns bei lebendigen Leib / mit blossen Händen ab / Sie gelten Euch als Fastenspeise / Ihr rühmt deren feinen Geschmack / Ich klage Euren kranken Geist an / Ihr sagt wir wären Boten des Jüngsten Gerichts / Und bestellt im Restaurant unsere Schenkel nach / Dazu noch einen guten Weißburgunder / Danach geht´s aufs Hotelzimmer / „BITTE NICHT STÖREN“ / wird als 11.Gebot an die Tür genagelt / Dann nagelt auch Ihr / Oder werdet genagelt / Meine Denktradition ist dagegen antik: / unsterblich durch den eigenen Geist / kleiner und zierlicher als jede Wahnvorstellung eurerseits / und doch ein Zauberspuk…

(aus: „Die Psychoanalyse des Froschkönigs“)

Zwischenspielzeit

Das Thalia Theater in Hamburg wirbt zur Zeit u.a. mit dem Slogan „Zusammenkunst“ für die kommende Spielzeit. Dieser Begriff gefiel mir, als ich vor Tagen in Hamburg war, auf Anhieb. Denn meine Kunst ist mir mehr denn je eine wahre Zusammenkunst. Bild, Text, Collage, Zeichnung, Heiliges und Profanes, all das fließt zusammen. Gehört zusammen. So etwas schlicht nur „Kunst“ nennen zu wollen, ist mir zu kurz gedacht. Meine Vision ist eher großes Theater.