Ein Künstlerrequiem

„Ich verkaufe mich nicht.“

Andere meiner Zunft verkaufen sich gut und gerne. Gerhard Richter zum Beispiel. 2,6 Millionen Euro erhielt er für ein angeblich nicht übermäßig schönes Bild. Aber, bitte, 2,6 Millionen Euro. Wie viel Fantasie und wie viel Zauber liegen in diesen Worten? Und wie wundersam sind die Geschichten, die der Kunstmarkt schreibt, dieser unglaubliche Dschungel. „Verrat‘ mir das Geheimnis, wie die Menschen ASCHE machen… Das möchte ich so gerne wissen, es war doch abgemacht, sei nicht gemein, von ASCHE träum‘ ich die ganze Nacht. Nun sag‘ mir schon das Geheimnis, komm schon und dann lass‘ ich dich in Ruh, die ASCHE gibt mir die Macht genau zu sein wie du…“, stöhne ich; aber kein Richterspruch erlöst mich von all meinen Zweifeln. „People think I’m crazy, ´cause I worry all the time, if you paid attention, you’d be worried too, you better pay attention, or this world we love so much might kill you, i could be wrong now, bit I don’t think so, `cause it’s a jungle out there…“ Ich könnte Monk sein, ein Mönch, so wie Antonius einer war. Ich ziehe mich in meine Atelierhöhle zurück und verkaufe mich nicht. Nachdenklich lausche ich dem Requiem von Brahms. „Herr Richter, lehre doch mich, ich hoffe auf dich, denn des Herrn Richter Wort bleibet in Ewigkeit…“

Ungefällig und nicht gerade niedlich

Der Pianist Glenn Gould, ein Künstler, dessen Kunstverständnis mich sehr geprägt hat, soll die Musik von Mozart nicht sonderlich gemocht haben. Denn Gould spielte Mozart, so seine böswilligsten Kritikern, ungefällig und überhaupt nicht niedlich.

Das besagt nun aber keinesfalls, dass Glenn Gould die Musik von Mozart nicht schätzte. Im Gegenteil. Denn wenn Gould etwas wirklich nicht mochte, dann spielte er es einfach nicht. Wenn er einen Komponisten allerdings interpretierte, dann war sein Zugriff auf dessen Musik immer entschlackt und stets ungewöhnlich.

Ungefällig und nicht gerade niedlich… also Kunst.

Wer Komponisten lächeln hört…

Die Komponisten, sie lassen mit ihrer Kunst hören, aber niemals sehen. Ich dagegen lasse sehen, aber nicht wiedererkennen…

Wer jetzt, wie ich, Komponisten lächeln hört, der weiß, dass sie mir hier entgegen treten, vergleichbar dem delphischen Orakel. Die Komponisten mögen mir auf all meine Fragen vielleicht einen Wink geben. Das aber nur, wenn ich zugleich verstehen lerne, dass sie so vieles für sich behalten werden.

Damit meine ich etwas Unbenennbares, etwas Unaussprechliches, etwas Unpräzises, aber zugleich etwas, was ich ganz deutlich mit dem Herzen wahrnehmen kann…

Warum das alles? Damit ich jeden Tag meiner Herzensdame hier etwas vorspielen darf.

Was ich erbeute sind Bilder

Ein Beutebild (bitte nicht verwechseln mit Beutekunst) ist ein Werk, das zum Zweck meiner geistigen Erbauung in der farbigen Tiefe meiner Seele, im Dickicht meiner sprachlichen Verwirrungen gefangen wird. Es wird von mir gehegt und gepflegt, es wird „groß gedacht“, um dann in eine andere Realität ausgebildert zu werden. Kurz davor blickt es mich noch einmal an und fragt mich „Hast du genug?“… erst wenn ich ihm stumm zu genickt habe, dreht es sich um und geht seinen ganz eigenen Weg.

„BACH to the Roots“

Es ist ganz einfach so: Dürer liegt mir am Herzen.

Es gibt zahlreiche Blätter von Albrecht Dürer, die mich zu eigenen Grafiken inspirierten. Als ich den Artikel hier und heute verfasste, dachte ich intuitiv über meine kulturellen Wurzeln nach. Als die Wurzeln eines Menschen werden ja oft (nur) seine Herkunft und seine Familie bezeichnet.

Ich ergänze an dieser Stelle gerne noch meine selbstgewählte Familie, d.h. meinen mich prägenden kulturellen Hintergrund. Ein „Wer bin ich?“ könnte mit einem „Wo komme ich her?“ gleichgesetzt werden. Und wenn ich weiter darüber nachsinne, dann komme ich ebenso schnell zur nächsten Frage: “Wer oder was hat mich geprägt?“.

Es wäre jetzt zu einfach, mir zu vordergründig, nur „Albrecht Dürer“ in den Zeugenstand zu rufen. Lieber betrachte ich amüsiert meine heutigen BLOG-Bilder und finde, dass ich, wenn ich es denn wollte, noch ganze andere Namen hier nennen könnte.

Keiner ist mir wichtiger als der andere. Sie alle zusammen bilden meine Wurzeln und wachsen in das Substrat meiner Seele hinein, aus dem ich dann als ihr Spross, hoffe ich, einem guten Licht entgegen wachsen kann.

Aus meinem Poesiealbum

Wenn die eigene Rede ins Stocken gerät, dann greift jeder von uns gerne schon einmal auf den einen oder anderen Klassiker zurück, auf deren schon vorverdaute Weisheiten. Ob ich mir damit Autorität verschaffe oder nur den Magen verderbe, ich will es nicht selber beurteilen müssen. Das könnten mir vielleicht auch nur die drei Klassiker gemeinsam erklären, die ich hier und heute in meinem Poesiealbum harmonisch vereint vorfinde. Es handelt sich um Ikarus, Goethe… und die Zeit.

 

Selbstreflexion

Selbstreflexion bezeichnet laut Definition die Tätigkeit, über sich selbst nachzudenken. Das bedeutet, sein Denken, Fühlen und Handeln zu analysieren und zu hinterfragen mit dem Ziel, mehr über sich selbst herauszufinden…

Ich nenne das von alters her Kunst. Deutlicher kann ich es gar nicht sagen/zeigen.

Liebeslied

Meine Kunst begreife ich als ein ständiges Suchen, ein Pochen, ein Wühlen in Rissen und Brüchen, als ein zauberfähiges Gebrabbel der Poesie.

Niemand kann so schön / Mit deinen Händen spielen, / Schlösser bauen, wie ich / Aus Goldfinger; / Burgen mit hohen Türmen! / Strandräuber sind wir dann. / Wenn du da bist, / Bin ich immer reich. / Du nimmst mich so zu dir, / Ich sehe dein Herz sternen… (Else Lasker-Schüler)

Königsgambit

Jeder Zug (im Leben?) sollte der Beherrschung des Zentrums, der Sicherung des Königs, der Entwicklung der eigenen Figuren, der Abwehr einer konkreten Drohung oder dem Angriff auf den gegnerischen König dienen. Und natürlich die Liebe zu meiner Königin beweisen! Denn ich werde niemals meine Königin vergessen. Niemals. Nicht in meiner Kunst. Nicht in diesem Leben. I am the king I can do anything…