Der Zauberspruch

Gin: Herrje! Diese Bilder hier, die sind alle krank? / Fizz: Das sind nur die Symptome. / Gin: Ach, was, Symptome… Auswürfe sind das! Künstlerisches Gewölle. Kunstförmige Gebilde aus ausgewürgten, unverdaulichen Nahrungsresten… / Fizz: Tatsächlich?! So siehst du das? / Gin: Nee! Das weiß ich. Alle Kunst entsteht daraus, dass sich der Künstler der Welt unsicher ist. Diese Welt passt nicht zu ihm, und er passt nicht in sie, er fühlt sich fremd… ihm wird schlecht durch soviel Welt. Er muss sich übergeben. Da… das seh ich doch… / Fizz: Ich will Dich gar nicht unterbrechen, nur zart darauf hinweisen: Die sind schon von Dir, diese Bilder, daran kannst Du Dich noch erinnern?! / Gin [hält irritiert inne, schaut sich stumm die Bilder an.] : Nun ja…wenn man genau hinschaut… eine gewisse Virtuosität ist den Werken nicht abzusprechen… 

Fizz: Mein Freund…Der Tod ist nirgends und überall. Und wir finden uns, ohne es zu ahnen, schon um die Taille gefasst im Geichschritt mit ihm – Takt für Takt. / Gin: Und deshalb lehren wir die Kunst, Angst in Wonne zu verwandeln. / Fizz: Aber vielleicht, so hoffen wir von ganzen Herzen, besitzen die Lebenden und die Toten zum guten Schluss doch eine Stimme; aber diese besondere Stimme, sie schwebt frei umher… Diese Stimme, sie ist losgelöst von allem … eine Stimme… / Gin: … die uns versöhnt. / Fizz: Statt spaltet. / Gin: Eine Stimme, die uns sagt… / Fizz: Ich liebe dich. / Gin: Ja! Ja! Das ist er! Der Zauberspruch! / Fizz: Er verwandelt uns wieder zurück… / Gin:…von Tieren zurückverwandelt in Menschen. / Fizz: O, fast hätten wir es vergessen… dieses einfache… / Gin: Ich liebe dich. / Fizz: Begreifen wir doch endlich – Denn nicht mehr ist der Mond Himmel für uns, als wir Himmel für den Mond sind. / Gin: Das heißt – Wir brauchen einander.

(Gin&Fizz, in „Todfeinde“)

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Der große Andere

Laut Wikipedia ist der große Andere ein Begriff der Lacan’schen Psychoanalyse. Der große Andere ist im Unterschied zum „kleinen anderen“ ein Konzept der Andersheit. Der große Andere ist das Andere des Subjekts, das Nicht-Ich, das dieses Subjekt jedoch immer schon strukturiert und ausrichtet. Das Nicht-Ich ist also ein großer Anderer. Und das kleine Ich, dies wäre dann niemand anderes als ich… der Mann im Kinde oder das Kind im Manne… und zwar jetzt? Zur gleichen Zeit. Ich bin überhaupt nicht verwirrt; aber wir sind es.

Querschläger

Alles an meinem Werk erinnert mich an Querschläger / Ich gehe vor ihnen in Deckung / Habe Angst dass sie mich am Kopf / Und in die Seele treffen / Was paradox ist / Denn ich selber hatte ja auf mich geschossen / Zielte direkt auf mich / Schloss jedoch die Augen und verzog / Alles zischte kreuz und quer umher…

Als der erste Qualm sich verflüchtigte / Lud ich trotzig nach / So schnell wollte ich nicht aufgeben / Das Spiel begann von Neuem…

Neue Erfahrungen

Eine gute Freundschaft entsteht, wenn man sich der ständigen Verwechslung von Ich und Du enthält…

Mein Freund Kyot und ich haben eine große Wandinstallation geschaffen. Uns beiden zur Freude. Zu sehen auf der WOGA im „Salon 87a.“ WOGA steht bei uns übrigens für Wunderbar Offenherzig Geniale Arbeiten … zu bestaunen am: 29. – 30.10. und 5. – 6.11.2022 an besagter Stelle. (Falls das hier jemand liest.)

Wir dachten uns: wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man malen.

Neulich im Murmelbachtal

Bei der Betrachtung eines alten Meisters, befällt mich eine süße Melancholie, Bilder steigen in mir auf. Und ich murmel so vor mich hin…

Der rund 3,6 km lange Murmelbach, entspringt bei 287 Höhe in der alten Hofschaft Marpe, ganz nahe Lichtscheid am Rande des ehemaligen Standortübungsplatzes Scharpenacken… schon kurz hinter seiner Quelle wird er in einer Kette von Teichen gestaut, von denen einige Teil des Vorwerkpark sind. Er fließt am Rande der Barmer Anlagen durch das Murmelbachtal, gibt dem alten Pilgerheim Murmelbachtal am Fuß des Scharpenacker Bergs seinen Namen und verschwindet kurz darauf in einer ca. 800 m langen Verdolung, einer jener röhrenförmigen Einfassungen des Wasserlaufs zu seiner Untertunnelung…oja. All das murmel ich so für mich dahin. Ich bin wohl tatsächlich ein alter Murmel-Bach… Meister. Vor dem sich eine vermaledeite Idylle reckelt… tja, es ist eben so, wie es ist…