Weder Gottesurteil noch Sünde

Welche Rolle spielen Krankheiten in der Phantasie? Wie verhalten sich Krankheit und seine Therapie zu meiner Kunst und meinem Leben? Indem ich das Virus zu meinem Modell mache, wird dieses Ding zu einem ästhetischen Faszinosum. Dort, wo ich eine wunderbare Form sehe, sehen andere Betachter vielleicht nur eklige Farben und bizarre Formen. Und attestieren mir eine „Wahnvorstellung“. Mit Krankheiten spielt man nicht! Ich dagegen nenne mein Spiel schlicht »geistiges Leben«. Und das beinhaltet »Begierde, Appetit, Gelüste, Verlangen, Sehnsucht, Unersättlichkeit, Verzückung, Neigung.« (…) »Krankheit ist die Nachtseite des Lebens, eine eher lästige Staatsbürgerschaft. Jeder, der geboren wird, besitzt zwei Staatsbürgerschaften, eine im Reich der Gesunden und eine im Reich der Kranken. Und wenn wir alle es auch vorziehen, nur den guten Ruf zu benutzen, früher oder später ist doch jeder von uns gezwungen, wenigstens für eine Weile, sich als Bürger jenes anderen Ortes auszuweisen«. (Susan Sontag; „Krankheit als Metapher“)

Vorhang auf: „Kill Corona / Volume 1“

Dachten wir wirklich es würde so einfach werden? Ja, für eine Sekunde, da dachten wir es! Aber durch die Corona-Pandemie ist die Gesellschaft nun einem gewaltigem Stresstest unterzogen. Nun muss plötzlich und auf einmal alles komplett herunter gefahren werden. Da sollte es zur Beruhigung mehr geben als dramatische Berichte von Ausnahmezuständen weltweit. Oder „Einschlägen“ schon ganz in der Nähe. Vielleicht helfen feine Beobachtungen, kluge Reflexionen und Metaphern? Etwas mehr Begeisterung, bitte! Es geht hier schließlich um Kunst. Aber ist da nicht schnell dieses grundlegende Misstrauen gegenüber den Möglichkeiten der Kultur? Kunst- und Kulturspass angesichts einer weltweiten Pandemie? „Das Übermaß an realem Leiden duldet kein Vergessen.“ So zischt Theodor W. Adorno böse zu mir rüber. Ich will hier aber gar keine irgendwie gearteten Vergleiche anstellen, rechne kein Unheil gegen ein anderes auf… ich stehe eben nicht an der vordersten Front, dort, wo Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern und Pfleger alles tun, um zu helfen und zu heilen. Diese Menschen vergesse ich nicht. Doch ist meine Welt derzeit eine völlig andere. Ich ziehe die Jalousien runter. Und sperre das Virus ein. Zu mir in meinen Turm. Hier bin ich Hölderlin. Hier bin ich Rapunzel. Hier bin ich Künstler und kann mit dem Virus anstellen was ich will. Ich bin wie Rorschach. Hier bin nicht ich mit ihm eingesperrt, der Virus ist mit mir eingesperrt. Die Einsamkeit ist tatsächlich eine schöne Sache, wenn man mit sich selbst in Frieden lebt und was Bestimmtes zu tun hat. Und das habe ich… Dürfte ich also was anmerken? – Ihr habt Corona versucht die Seele aus dem Leib zu prügeln. Aber Ihr konntet es nicht töten. Ich habe ihm dann eine Kugel in den Kopf gejagt. Aber das Virus-Herz hat einfach weitergeschlagen. Du siehst es mit deinen eigenen wunderschönen blauen Augen. Sollte es jemals wieder aufwachen, werden wir dieses Spiel fortsetzen… Aber eines werden wir nicht tun. Wir schleichen uns nicht nachts in das Zimmer, wie eine miese dreckige Ratte, und töten es im Schlaf. Und wir tun das aus folgendem Grund nicht. Es ist unter unserem Niveau. Sind wir uns da einig? Gut. Und ich geb‘ dir einen Rat, scheiß Virus, wach‘ ja nie wieder auf… ich möchte euch ermutigen, von Zeit zu Zeit auf respektvolle Weise meine Gedanken zu hinterfragen. Wenn ihr von einem meiner Vorhaben nicht überzeugt seid, ist es das Klügste mir das mitzuteilen. Aber erlaubt mir euch zu überzeugen und ich verspreche euch hier und jetzt, kein Thema wird jemals Tabu sein. Abgesehen von dem Thema natürlich, das gerade zur Sprache kam… SCHEISS CORONA!

(Zitate aus: „Kill Bill, Volume 1“ von Quentin Tarantino)

Die können immer nur das Licht aussperren, hier oben in meinem Kopf können sie nichts aussperren!

Meine Bilder, die Fotografien aus unterschiedlichsten Zeiten und von verschiedenen Generationen, all meine Texte, wie das alles zusammenfügen? Die Biografie + das Werk + das Leben = alles Eins. Aber welche Form? Flach wie das Universum? Mit dem „Fluch“ sich auszudehnen bis in alle Ewigkeit.  Und/oder um sich rotierend im Sinne eines Kurt Gödel, um Zeitreisen möglich zu machen? Alles existiert gleichzeitig, nicht am selben Ort, verteilt auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: die Eltern, Omi, Opa, meine Nebenhimmel, der Impfstoff gegen das Corona-Virus, Cary Grant, Antonius, Prince, Shirley MacLaine, Baupläne zum Blau des Himmels also auch auf Erden. Ich hock mich auf das Karussell, dass sich im Kreis dreht, aber auch gleichmäßig und gemächlich einem zunehmenden, steigenden Radius folgt, wie eine unendliche Langspielplatte, die von innen nach außen von einem Diamanten abgetastet wird. Genau: Der Diamant bin ich! Ein Stück Kohle wird unter Druck des Lebens zu einem Diamanten. Oder so sollte es wenigstens sein. Und so ist es: I´m A Solo Dancer! Stop! Look! READ And Listen: … Ich werde abgetastet. Und lehre dabei meinen Ohren wahrzunehmen, was mein Herz mir sagt: Es kämpft jeder seine Schlacht allein. Doch nachtwandelnd zieht die Liebe mich zu sich hin. Gerade in Zeiten von Corona. Denn alles Glück ist Gemeinsamkeit. (& Diejenige, die ich meine, wird wissen, dass ich sie meine.) Und die Kirmesorgel spielt: „Einzug der Gladiatoren“ von Julius Fučík.

(Wenn es jemals ein Bild von mir gab, das nach Kirmesorgelmusik-Begleitung lechzte, dann das obige, finde ich.)

Ein kleiner Homeoffizier.

„Home is …. I forgot!“ In jedem gesunden, nicht depressiv verstimmten Menschen gibt es, denke ich, laufend eine ganze Menge solider Wünsche nach Zufriedenheit. Was ist aber, wenn ein sehnlicher Wunsch auf falschen Annahmen basiert. Und, nur so zum Beispiel, mein Wunsch ein Gemälde Detlef Bach zu besitzen, durch den Erwerb einer Fälschung schlicht und einfach daneben geht? “Verdaaaaaammt!!!!!“, würde ich sagen. Anderseits, wenn man meine Arbeiten schon für würdig hält zu fälschen, dann muss ich doch wer sein. Oder etwa nicht? Also ich mag das: (M)ein Leben im Reservoir der Zeichen von Kunst und Philosophie, Trash und Hochkultur, Heiligem und Profanen. Voltaire, der gerade bei mir vorbeischaut, schmunzelt mich an und gibt zu bedenken: „Das Paradies ist da, wo ich bin.“ Und damit meint er nicht sich, sondern den Zustand der inneren Zufriedenheit. Ich verstehe das und hocke mich auf der Stelle nieder, um noch ein Bild von mir zu fälschen. Ich bin wieder daheim, bei mir, sitze da und rezitiere leise: „…sei das Glück mit dir! Sei das Glück mit dir! Steh? gerade; Kerzengrade, lache in den Sonnentag, was immer auch geschehen mag! Hast du Sorgenmienen, fort mit ihnen! Fort damit, ja ja! Für Trübsal sind andere da! Home is just emotion / Sticking in my throat.“

 

Meine Bilder, nach der Vertreibung aus dem Paradies, parallel zu Massenpsychologie und Ich-Analyse. Oder auch: Vor Hausfreunden wird gewarnt.

Freud: “Ja ja, der Frühling, das ist eine turbulente Jahreszeit. Dies ganze Geschwätz von der Wiedergeburt.“ – Ich: „Neue Nester, Corona und junges Gras, das ist einfach überwältigend.“- Freud: „Ich warne Sie, je älter man wird, desto leichter wird man überwältigt. Der Frühling ist eine gefährliche Zeit, nehmen Sie sich lieber in acht.“ – Ich: “Ach, wissen Sie, ich brauche meine Bilder unbedingt. Als Beweis, dass sich die letzten Tage wirklich ereignet haben. Ich könnte mir sonst vielleicht einreden, es war nur ein Traum… so aber nicht.“ – Freud: „Und man darf wohl aufseufzen bei der Erkenntnis, dass es einzelnen Menschen gegeben ist, aus dem Wirbel der eigenen Gefühle die tiefsten Einsichten doch eigentlich mühelos heraufzuholen, zu denen wir anderen uns durch qualvolle Unsicherheit und rastloses Tasten den Weg zu bahnen haben.“

Genau! Das hätte ich nicht besser formulieren können.