Kein Spiegel kann dem Menschen ansehen, wer er ist.

Dünner Seelenstoff? Aus kalten, harten Blicken eines Spiegels geformt, die dich nicht in sich eindringen lassen? = autonome Spiegelbilder?

Der Spiegel ist an sich eine leere reflektierende Fläche, die durch die Reflexion von Licht Abbilder gegenüberliegender Objekte entstehen lässt und diese dadurch verdoppelt. Als Projektionsfläche ist der Spiegel immer an die Anwesenheit eines Referenten gebunden, denn das Wesen des Spiegels besteht darin, dass er an sich eigenschaftslos, also Nichts, ist und erst durch die Präsenz eines Objektes zu etwas wird, das eng an die Eigenschaften dieses Objektes gebunden ist. Dies setzt die Gleichzeitigkeit von dem gespiegelten Objekt und dem Objekt des Spiegels voraus, denn der Spiegel ist kein Speichermedium und somit stetiger Revision unterzogen. Folglich kann sich das Spiegelbild durch Bewegung jederzeit verändern und bleibt demnach kurzlebig, flüchtig und vergänglich.

Spiegel sind Werkzeuge, um die Neugierde zu befriedigen, denn sie gewähren zum Beispiel Einblicke in Räume ohne selbst in dem Raum anwesend zu sein. Der Spiegel macht dadurch eigentlich Nicht-sichtbares für den Betrachter sichtbar.

Was aber, wenn ein Spiegel sich an das alles nicht mehr halten und lieber autonom sein möchte? Nicht mehr an all die ästhetischen oder moralischen Konventionen gebunden, die ihm ständig vorgehalten werden…

Porträt des Künstlers als Hofnarren

Jemanden zum Narren halten, zum Narren haben – jemanden narren, foppen, veralbern. Der Narr, er soll fassen und fürchtet sich davor…

Ein seltsamer, fast gespenstischer Geist beherrscht ihn. Verloren in den Abgründen der Mutlosigkeit gewinnt er oft das Beste: sich selbst; und vertieft in große Gedanken verliert er sich wie Spreu in den Wind geworfen… Außer Gebrauch gekommen ist für ihn die allgemeine Bezeichnung als ein „Künstler“, der „künstlerische“, verdrehte, einfältige Dinge tut, halb mutwillig, halb wahnsinnig… so lebt er in fortlaufenden überzarten Sorgen, die ihm die gesunden Sinne zu verrücken drohen. Er ist eine Figur, die keinen festen Platz in der ständischen Ordnung und somit in der Gesellschaft hat, die sich keinerlei Normen verpflichtet fühlt und in ihrer menschlichen Gegebenheit aus dem System fällt. Mit sich selbst stets im Unklaren, dünkt es ihn fürchterlich, auch nur von ferne irgendwelches Vertrauen zu sich zu haben und strotzt doch zugleich von Vertrauen zu sich selber. Sein Gefühl der Erleichterung beim Urinieren zeigt, dass der Narr/Künstler daran arbeitet, Empfindungen für sich selbst zu klären… aber er traut es sich nur dann, wenn er mitten im Fieber des Schaffens begriffen ist. (☛ siehe/lese hierzu u.a. „Über den Charakter des Künstlers“ von Robert Walser.)

Mutter ohne Kind / Kind ohne Mutter

eine geste zu einer figur geronnen dahingekauert von großem leid von schmerz und verlust gepeitscht gekrümmt in trauer von tränen nieder gedrückt von tränen die das gesicht wegwuschen als wäre es niemals dort gewesen hätte nie geschmunzelt geredet nie geküsst ausgelöscht durch traurigkeit nicht mal mehr im stande flehend die arme zu heben

 

Meine Geschichte

Bekehrungen, Wiederzufügungen, Exkommunikationen, Versöhnungen, Abspaltungen, Verleugnungsschwüre, Zickzack der Dämonendienerei und Menschendienerei, der Behexungen und Verirrungen: meine Geschichte – die Geschichten eines Irrtums?

(Verdammt! Mir ist plötzlich, als ob Octavio Paz mich kennen würde.)

Denk ich an Melania und Donald in der Nacht…

Denk ich an Melania und Donald in der Nacht … Du fragst warum die nächte mit gierigen weibern teuer sind / und warum man aus liebe alles geld vergeudet / Der grund für den bankrott ist dabei mehr als offensichtlich: / man ließ dem luxus eben allzu freien lauf / Das gold kommt aus den minen der indischen termiten und / die Venusmuschel nur aus dem Roten Meer / die stadt Tyrus in Phönizien bietet ihre purpurfarben an / und die Beduinen in Arabien den teuren zimt – / mit diesen waffen erobert man auch die unnahbarsten frauen / selbst solche die so spröde sind wie Penelope / Und dann stolzieren sie vor unseren augen mit dem herum / was ihre männer einzig nur von ihren vätern erbten – / keiner hält sich mehr zurück weder im wünschen noch im / schenken – und die preise machen skrupellos / Mit gold kauft man sich gerechtigkeit und mit gold gesetze / mit gold die menschlichkeit und die moral …

Wenn ich von Leuten höre, dass sie Donald Trump gewählt haben, werde ich neugierig. Ich kenne einige. Sie sagen, sie hätten Trump für seine wirtschaftspolitischen Positionen gewählt. Sie halten sich nicht für fremdenfeindlich, rassitsisch oder sexistisch. Wer sich für Trump entscheidet, wählt aber das Gesamtpaket. / Mit seinem gold vertraute Priamos auch seinen Sohn dem Thraker / Polyester an – der brachte ihn dann um / und für arme voller gold schickte Eriphyle ihren gatten in den / krieg um Theben wo er in den abgrund ritt  … Und meine heißen Tränen fließen. (Textcollage: Sextus Propertius, Boxoma Saint John & Heinrich Heine)

Verwittert vom Träumen

Das war´s wohl. Im Dunkeln saß verlassen ein Kind / Und weinte hinaus in Nacht und Wind / Und streckte empor die zitternde Hand / Das blaue Auge gen Himmel gewandt / Und der Engel des Todes umfasste mild / Der trostlosen Unschuld trauerndes Bild – Ich habe den Tod verleugnet / Ich war zornig / Wollte verhandeln / Die Depression drückte mir aufs Herz und dann, kam leise, wie über Nacht, die Akzeptanz. Wirklich? Die Schmerzen sind vergangen, der Kampf ist, so scheint es, vorbei und als Trauernder möchte ich mich wieder mehr der Außenwelt zuwenden…

Zurück liegen so viele Träume von Leben und Tod. Ich konnte über beides entscheiden. Wenn ich meinen kindlichen Stachel benutzte, konnte ich Leben nehmen. Oder aber Leben geben, wenn ich davon absah. Ich träumte von meiner Angst vor dem Leid im Leben, wie auch von meiner Angst vor dem Tod als Erlösung…  Niemand war mehr da, der mich tröstete, der mir die Angst weg strich mit einer milden Geste. Der mich beruhigte mit einem Lächeln. Dort wo einst ein Herz, blickte ich in einen kalten Spiegel.

Zeigte er mir je die Wirklichkeit, frage ich mich heute mehr denn je.

(Gedichtfragment von Friedrich Hebbel)

DIP * DIP * DAP *

#im stillen busch den bach hinab / treibt Amor seine spiele. / und immer leise dip dip dap (bezeichnung des schalles bei leisen tritten), so schleicht er nach der mühle. / es macht die mühle klap, rap, rap, / so geht es stille dip, dip, dap, / was ich im herzen fühle  *Willst du das?