Erinnerungen einer in Fetzen gegangenen Wirklichkeit

Wir sind also verschiedene Farben und wir sind verschiedene Glaubensbekenntnisse / So we’re different colours and we’re different creeds / Und verschiedene Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse / And different people have different needs / Es ist offensichtlich, dass du mich hasst, obwohl ich nichts falsch gemacht habe / It’s obvious you hate me though I’ve done nothing wrong / Ich habe dich noch nie getroffen, also was hätte ich tun können? / I’ve never even met you, so what could I have done? / Ich kann es nicht verstehen / I can’t understand  / Was einen Mann ausmacht / What makes a man / Hasse einen anderen Mann / Hate another manSie lachte: „Du, um keinen Preis.“Es ist falsch, zu sagen, Ich denke. Es müßte heißen: Man denkt mich. (Lyrics: Depeche Mode; Gedichtzeilen: Arthur Rimbaud.) 

Ausweglose Liebe

Der Mythos erzählt uns von der Nymphe Liriope, die Narziss gebiert, nachdem sie in einem Bach vergewaltigt worden ist. Narziss wird ein langes Leben prophezeit, aber nur, wenn er sich zeitlebens selber fremd bleibt.

Auf dem Bild „Ausweglose Liebe“ ist ein älterer Mann um die 58 Jahre dargestellt, der vornübergebeugt auf einem Atelierboden kniet und selbstvergessen eine Zeichnung betrachtet, das im unteren Bildteil sichtbar wird. Es handelt sich um den Künstler, der sich, so könnten wir es deuten – vergleichbar dem antikem Mythos – in sein Selbstbildnis verliebt. Aber ist der Künstler tatsächlich der Liebende oder ist er nicht wohlmöglich auch der Geliebte? Noch scheint er das Wesen auf der Zeichnung nicht erkannt zu haben. Er ist, wie wir alle, an einem Ort gefangen, unfähig zu erkennen, in welcher Zeit er sich bewegt und darüber hinaus blicken zu können…

„Mein Bild ist mir deutlich“, sagt er zu sich selbst und zerrinnt scheinbar vor lauter Sehnsucht… Nur so könnte sich jeder von uns selber erkennen.

Wenn ich mich täusche, dann bin ich.

Was mich seit Jahren umhertreibt, das ist die Suche nach etwas, was es vielleicht gar nicht geben kann. Was es nie gegeben hat? Solch ein Zweifeln unterscheidet den Künstler vom schnörkellosen Macher. Kunst ist eventuell jenes Stückchen Lehm, dass auf meinen Atemhauch wartet; vielleicht nur eine verschmähte Pappe, die mir aufzeigen kann, was meine Träume bedeuten könnten.

Der komische Held als coole Sau

Würden wir hinhören, wenn ein Bild uns seine Wahr- und Wahnheiten zuflüstert, dann könnten wir vernehmen, wie es von seinen Bedürfnissen erzählt. Sein Bedürfnis sei zum Beispiel, so das Bild, ein reines Bedürfnis, das bedurft werden möchte. Bei dieser Bemerkung würde das Bild kurz zu schmunzeln beginnen, weil es mit Sicherheit bemerken könnte, wie sehr wir von solch einer Äußerung eines einzelnen Bildes irritiert wären. Sein Verlangen, würde das Bild weiter hinzufügen, ohne uns aus den Augen zu lassen, wäre ein brennendes, durchdringendes Verlangen, nach dem es ihm verlangt. „Ich agiere,“ könnte das Bild uns zuflüstern, „um das, wofür ich mich selber halte, tief in etwas zu installieren, was ihr so leichtgläubig für euer Herz haltet.“

„Cool“, könnten wir als Resümee staunend von uns geben, wenn wir das Bild wahrhaftig angeblickt und hingehört hätten.

Auf der Couch bei Dr. Schön

»Was führt Sie her?«, will Dr. Schön von mir wissen…

Dr. Schön gibt mir keine Tipps, wie ich mich als Künstler verhalten soll. Er hilft mir, eine individuelle Antwort in mir selbst zu finden. Oder durch meine Bilder. Schön. Von jeher sind für mich Bilder wichtige Bestandteile meiner Erzählungen (…wie auf diesem Blog). In künstlerischen Reflexionen wird mir oft deutlich, wie selbst hinter einfachsten Bildern ein komplexes Puzzle von Bezügen zur Geistesgeschichte, Logik und Philosophie steckt, ein Aufruf für die Selbstbestimmung des Menschen jenseits gesellschaftlicher Zwänge.

In den Verbindungen von innen und außen, dem Träumerischen und Unheimlichen, ist es zudem leicht in den eigenen Werken Parallelen zu Modellen der Psychoanalyse zu entdecken. Laut der umstrittensten These von Sigmund Freud haben alle Kultur und Religion z.B. den Mord, den Opfertod des „Vaters“, als Fundament unserer Gesellschaft.

Und als ob sein eigenes Schicksal dies unterstreichen will, wird mein Dr. Schön tatsächlich ermordet. Seine Mörderin und einstmals Geliebte lebt danach in Paris und London mit dem gemeinsamen Sohn, einem verrückten Hutmacher.

Sie geht auf den Strich und fällt am Ende einem Lustmörder namens „Feuilleton“ zum Opfer. Ihr Sohn wird Künstler, barocker Minimalist und paradoxer Archäologe.

(Alle ab. Vorhang.)

Hinter den Kulissen treffe ich dann tatsächlich sie… mit ihr wollte und will ich sprechen… Sie wendet sich um und spricht: Meister!

Himmel und Hölle

So wird gespielt:

Der Spieler wirft ein Steinchen in das Erde-Feld und springt von außerhalb mit beiden Füßen hinterher. Beim Landen stößt er das Steinchen mit den Füßen gleich ein Feld weiter. Also steht er jetzt im Erde-Feld und sein Stein liegt in Feld 1. Er springt beidbeinig weiter in Richtung „Himmel“ und schießt dabei das Steinchen immer in das jeweils nächste Feld. Aber Vorsicht! Der Stein darf nicht in der „Hölle“ liegenbleiben. Glücklich im „Himmel“ angekommen wird umgedreht. Auch auf dem Rückweg nicht vergessen, die „Hölle“ auszusparen! Denn der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist da ganz Mensch, wo er auf Erden „Himmel und Hölle“ spielt… oder malt.