„Sehr neue Bilder“

David Hockney hatte schon lange vor mir die Idee, seine neuesten Bilder schlicht und einfach nur „very new paintings“ zu nennen.

Deshalb wählte ich für mich hier auch bloß: „Sehr neue Bilder“.

Mein Liebeslied (für S.)

Liebste, weil Dir das Bild von einem „autonomen Spiegel“ so sehr gefiel… hier, für Dich: O, Du : uns ist der Mond ein großes gelbes Tulpenbeet / (Es wälzen keuchend sich vom Horizonte Hollands taube Strahlen). / Vermischt sich Apfelmusgehirn mit Loderherz: kommt Eros viel zu spät / Und wir befinden uns weitaus am wohlsten in der Vertikalen. (Für Dich. Von Hugo Ball. Und auch von mir.)

Begegnung mit Hölderlin

„Wenn aus der Ferne, da wir geschieden sind, / Ich dir noch kennbar bin“, so hebt das an, und: „So sage, wie erwartet die Freundin dich? / In jenen Gärten, da nach entsetzlicher / Und dunkler Zeit wir uns gefunden?“ Diotima ist nun seit Jahren tot, aber die Stimme, die hier erklingt, lässt nicht locker: „Das muß ich sagen, einiges Gutes war / In deinen Bliken, als in den Fernen du / Dich einmal fröhlich umgesehen / Immer verschlossener Mensch, mit finstrem / Aussehn. Wie flossen Stunden dahin, wie still / War meine Seele über der Wahrheit, daß / Ich so getrennt gewesen wäre?“

Feuriges und Drängendes

Legenden, Märchen, Religionen, Kunst. Nur mit Hilfe meiner Sprache lässt sich über etwas debattieren, was es gar nicht gibt. Meine „fiktive Sprache“ (Yuval Noah Harari) lässt mich an unmögliche Dinge glauben, lässt mich Unmöglichkeiten erst richtig schätzen und lieben lernen. Mit meiner fiktiven Sprache lassen sich Dinge ausmalen, Träume kreieren, Intimitäten aufzeichnen, Wahrheiten und Lügen abbilden, absonderliche Wirklichkeiten zum Leben erwecken; mit anderen Worten: meine Kunst machen.

Wirkliche Illusion

Komm, auf zum Tanz! Die Sonne verglüht! Sprache und Bilder sind mir zwei Zungen, die sich kreuzen. Beide verbieten mir den sicheren Grund, damit ich wachsam bleibe. Sie zwingen mich mit Schmeicheleien, auf dass ich ich mich in die Sprache wie in Bilder einfühlen soll. Auf dass ich unter sie schlüpfe, wie unter ein schützendes Ginkgo-Blatt.

Veröffentlicht unter Kunst

Bezüge zu Vergangenheit und Zukunft

„Schichten, die gar nicht unbedingt voneinander ableitbar zu sein brauchen, deren Charakteristikum manchmal geradezu in ihrer Unableitbarkeit besteht…“ & „… mehrere Handlungen übereinander geschichtet. Eine Vorwegnahme des Joyceschen „Stundentanzes der Simultaneität«. Der Schritt von der Dramaturgie des Sturm und Drang zur Jetztzeit ist erstaunlich klein: Aufhebung der drei Einheiten (=Ort, Handlung, Zeit) führt stracks zur Aufhebung von Raum und Zeit, befindet sich im Innern der „Kugelgestalt der Zeit“: Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit werden vertauschbar.“ (Bernd Alois Zimmermann)

Die kreisförmige Zeit

Was ist die Zeit? Wenn mich niemand darüber fragt, so weiß ich es; wenn ich es aber jemandem auf seine Frage erklären möchte, so weiß ich es nicht. Das jedoch kann ich zuversichtlich sagen: Ich weiß, dass es keine vergangene Zeit gäbe, wenn nichts vorüberginge, keine zukünftige, wenn nichts da wäre. Wie sind nun aber jene beiden Zeiten, die Vergangenheit und die Zukunft, da ja doch die Vergangenheit nicht mehr ist, und die Zukunft noch nicht ist? So äußerste sich einst Augustinus Aurelius.

Das heutige Gödel-Universum hält dagegen eine von dem österreichischen Mathematiker Kurt Gödel 1949 entwickelte kosmologische Lösung parat. Diese beschreibt ein rotierendes, geschlossenes, stationäres, homogenes Universum und zeichnet sich dadurch aus, dass in ihm Zeitreisen möglich sind; das heißt, es gibt geschlossene zeitartige Geodätische (= die lokal kürzeste Verbindungskurve zweier Punkte) zu jedem Ereignispunkt, ob in Vergangenheit oder Zukunft. Weil damit auch Zeitreiseparadoxien verbunden sind, zeigt das Modell, dass für deren Vermeidung weitere Prinzipien über die Allgemeinen Relativitätstheorie (nach Einstein) hinaus notwendig sind.

„Jeder, der von Gödels Ergebnissen über die Zeit nicht schockiert ist, hat sie noch nicht hinreichend verstanden“, sagt dazu der Philosoph Palle Yourgrau. Gödel, so der Philosoph, habe die Zeit „nicht illuminieren, sondern eliminieren“ wollen. „Aus der Sicht Gödels ist die Zeit selbst – und daher auch Geschwindigkeit und Bewegung – nur eine Illusion. Denn wenn wir die Vergangenheit wieder besuchen können, existiert sie ja immer noch.“ In der Welt der Mathematik ist alles im Gleichgewicht und perfekt geordnet. Sollte man nicht dasselbe für die Welt der Realität annehmen, entgegen allem Anschein? Fragt Kurt Gödel selber.

Ist in meiner Kunst, ähnlich der Mathematik, nicht ebenfalls alles im Gleichgewicht? Doch wo genau befinde ich mich in meiner (künstlerischen) Realität jetzt gerade…? Jetzt ist die Zeit, in der ich das Wort „jetzt“ ausspreche bzw. ein Bild erschaffe.