Believe Me But I´m „Polanoid“

Went to college, studied arts / To be an artist make a start / Studied hard, gettin‘ my degree / But no one seemed to notice me / Painter man… / All day long I think of things / But nothing seems to satisfy / Think I’ll lose my mind / If I don’t find something to pacify / Who want to be a painter man / Can you help me occupy my brain? / Tried cartoons and comic books / Dirty postcards could have done / Here was where the money laid / Classic art has had it’s day / I need someone to show me / The things in life that I can’t find / I can’t see the things that make true happiness / I must be blind / Make a joke and I will sigh / And you will laugh and I will cry / Happiness I cannot feel / And love to me is so unreal / Who want to be a painter man / And so as you hear these words / Telling you now of my state / I tell you to enjoy life / I wish I could but it’s too late… Who want to be a painter man? (Wenn „Boney M“ und „Black Sabbath“  hier für mich ihre Songtexte „Painter Man“ und „Paranoid“  verzahnen, dann überleg ich mir kurz, ob das überhaupt sinnvoll ist.)

Was soll´s, sag ich schließlich.  / „Das ist auch die Ekstase des Polaroid: fast gleichzeitig den Gegenstand und sein Bild (…) erhalten.“ Jean Baudrillard, let me tell you somethin’ / I’m my own polaroid.

skarabäus mikrobe fiebriger heiland

frag mich um meinen namen / ich will ihn dir beichten / kein ort ist mir ähnlich: / bin honig unter kanditen / bin vergoldeter zuckerhut / eigentlich bin ich biene / wabengebilde immenhäusle / eigentlich bin ich brief…

(Insekten klauen bekanntlich wie die Elstern. Hier legt sich mein fiebriges Insekt ein Gedicht von H.C. Artmann unter sein Kopfkissen.)

Wunderhorn-Insekten

O, ich hör’ dich singen, / Das Herz möcht’ mir im Leib zerspringen…

Wer von Insekten träumt, ist in aller Regel über etwas besorgt, denn Insekten stehen symbolisch für Ängste und Befürchtungen. Sie können allerdings auch eine starke emotionale Bindung, gar eine Obsession mit einer bestimmten Aktivität bedeuten…

Kunst zum Beispiel? Ich frag bloß nur.

Insekten stehen, laut Traumdeutung, gleichzeitig für sexuelle Gedanken. Ja, ja… das kennen wir schon. Sigmund Freud, ick hör dir strapsen.

Was aber, wenn Insekten mal von uns träumen? An dem Bächlein thust du saufen, / Du tunkst dein klein Schnäblein ein, / Meinst, es wär der beste Wein?…

Diese Bilder will ich sehen.

 

Maikäfermalen

Setze Maikäfer in Tinte. (Es geht auch mit Fliegen.) / Zweierlei Tinte ist noch besser, schwarz und rot. / Lass sie aber nicht zu lange darin liegen, / Sonst werden sie tot. / Flügel brauchst du nicht erst rauszureißen. / Dann musst du sie alle schnell aufs Bett schmeißen / Und mit einem Bleistift so herumtreiben, / Dass sie lauter komische Bilder und Worte schreiben. / Bei mir schrieben sie einmal ein ganzes Gedicht.

Wenn deine Mutter kommt, mache ein dummes Gesicht; / Sage ganz einfach: »Ich war es nicht!«

(Joachim Ringelnatz)

Und bei mir malten sie überdies ein grandioses Bild.

Promenade durch meine Asservatenkammer

Meine Atelier- oder Salonhängung bezeichnet eine besonders enge Reihung von Postkarten, Fotos, Grafiken und Krimskrams. Häufig reichen diese bis an die Decke, die Rahmen meiner Werke hängen dicht beieinander. Sie ist auch bekannt als Petersburger Hängung. Diese Bezeichnung geht auf die üppig behängten Wände der Sankt Petersburger Eremitage zurück. Diese Form der Präsentation der Gemälde reicht bis zur Spätrenaissance zurück, als vermehrt Ölgemälde hergestellt und erworben wurden. Sie bringt eine veränderte Intention bei der Ausstellung von Kunstwerken zum Ausdruck, die sich im Lauf der Geschichte vollzogen hat…

So eine Salon- oder Atelierhängung zielt darauf ab, den Betrachter durch die schiere Menge der versammelten „Kunstwerke“ zu beeindrucken. Objekt der Bewunderung ist letztlich nicht das einzelne Bild, sondern derjenige, der über die Mittel verfügt, eine große Kunstsammlung zusammenstellen zu können. „Je üppiger die Pläne blühen, um so verzwickter wird die Tat“. (Erich Kästner) Die heute gebräuchliche, weitaus sparsamere Hängung von Bildern lässt das Einzelkunstwerk und den Künstler stärker hervortreten. In meinem Atelier ficht mich das aber nicht an.

Hier bin ich ein dienstbarer Schatten, einer Archivar, ein Diener meiner Werke.

„Ghost Light“

Das „Ghost Light“ – eine brennende nackte Glühlampe auf einem schmalen Eisenständer. Ein Licht, das die Bühnengeister wieder wecken soll…

Mein Bild/meine Collage: inspiriert durch ein Ballett von John Neumeier. Der Choreograf spricht in einem Interview über Ängste, Humor und Liebe, aber auch die Angst, diese Liebe zu verlieren… seine Kunst sei in Corona-Zeiten nun „berührend ohne Berührungen“. Ich muss an die Lieben denken, die ich malte, weil ich sie nie berühren konnte.

Kulturwelt, rückwärts

Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können, schreibt mir Jean Paul ins Poesiealbum. Ich sehe, wie bestimmte Bilder verblassen, wie Sterne, die ihren Glanz verlieren, nur weil sie einem neuen Tag weichen sollen.  

Die Liebe zu meinen Bildern ist nicht orientierbar, das heißt, man kann nicht zwischen unten und oben oder zwischen innen und außen unterscheiden. Was verschwindet kehrt wie auf einem Möbiusband auch immer zu mir zurück.

Der Gottesbeweis und seine Geschichte in der Neuzeit

Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, gemeint ist hier Gott, existiert nicht in Wirklichkeit, sondern nur im Verstand. Oder unter dem Schaum eines guten Cappuccinos verborgen… oder in der Zeitung, die ich im Café lese. Denn Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, dann musst du sie auch sehn.

Don’t you know I had a dream last night…

I had been dreamin’ / Dreamin’ again… Words and pictures… And I dreamed that we were lovers…

I had been dreamin’: Bilder sollten keine Währung an den Börsen der Welt sein. Sie sollten nicht der Bewertungstyrannei eines „immer größer-immer teurer“ unterworfen sein. Deshalb möchte ich meinen Bildern die Poesie zur Seite stellen…

Eine Poesie, die keiner Hierarchie verpflichtet ist, sondern nur dem „Nervengeflecht, vom Hirn gesenkt in jeden Körperteil“ (John Donne). Oder eine Poesie, grandios wie eine „Hot Buttered Soul“ (Isaac Hayes).