Aussagebilder

Bilder die eine Behauptung wiedergeben, also eine Aussage darstellen, die wahr oder falsch sein könnte.

Veröffentlicht unter Kunst

Nervöse Beichte

Hohes Gericht, wir fragen uns: ist wahre Kunst nicht mit Pornografie vergleichbar? Bedenken wir, Pornografie ist nicht allein die Darstellung von etwas sehr Intimen.

Sie ist ein Spiel mit bewußten Übergriffen. Zu allererst lüftet sie vor unser  aller Augen einen Vorhang. Und eröffnet uns damit den Blick durch ein Schlüsselloch, durchaus auf Bilder von Menschen in einem Zustand von Ektase und Unkontrolliertheit. Was, so frage ich, ist jedoch ein Künstler anderes als ein Mensch in Ekstase und Unkontrolliertheit?

Zum eigentlichen Künstlertum gesellt sich nun noch ein Element des Exibitionismus, d.h. die Erzeugung eines möglicherweise sexuellen Bildes vor einem Publikum, das dieses Bild gar nicht sehen will. Hohes Gericht, was genau bietet ein Künstler uns da eigentlich an?

Bilder, die niemand von uns letztlich wirklich sehen will? Ja. Genau. Kunst ist, wie auch Pornografie, eine optische Gewalttat, das geben wir hier gerne zu Protokoll. Nicht jedermans Geschmack. Nicht schön im idyllischem Sinne. Wir wollen an dieser Stelle zudem nicht den Voyeurismus vergessen. Ebenfalls ein Übergriff im Künstlertum. Dieser erzeugt einen Blick auf etwas, was eigentlich nicht gesehen werden will. Doch der Künstler schaut hin. Ständig. Zwanghaft.

Wir haben demnach Bilder, die wir nicht sehen wollen. Und gleichzeitig Bilder, die nicht betrachtet werden möchten. Was also ist denn nun die Kunst? Eine nervöse Beichte, würde ich meinen. Und zwar eine äußerst nervöse Beichte über Bilder, die ihm, also den Künstler, quälen, so wie es immer der Fall ist.

Was genau ist mit »der Fall« gemeint? Dies ist laut Ludwig Wittgenstein die Vorstellung, dass sich unsere Welt vollständig durch das Nebeneinanderstellen von Aussagesätzen beschreiben lasse. Wohlgemerkt, der Philosoph erwähnt Aussagesätze; der Künstler würde auch seine Aussagebilder anführen und nebeneinander stellen, denn er weiß zu gut, dass wir, wenn wir überhaupt über Bilder nachdenken, wir dazu Wörter und Sätze benutzen müssen.

Wir sollten dem Künstler zuhören und zuschauen bei seinem Tun. Oja, der Künstler verfolgt, er schaut hin, er genießt, er präsentiert… Irrungen und Wirrungen, Gefühle, tiefste Abgründe, alles Bilder, die ein Publikum gar nicht wahrhaben möchte!

Im Märchen werfen wir den, der anders ist an die Wand, damit er sich in einen reinen Menschen verwandeln kann. In unserer Welt könnten wir seine Bilder an die Wand hängen, damit sie uns verwandeln. Aber wer bin ich, dass…?

Ein Künstler.

Ungeschickte Liebesbriefe

„Dränge die Ereignisse nicht in einen Plan.“ So lautet einer meiner Vorsätze für das Jahr 2023. Übersetzt heißt dies wohl: „Mach einfach deine Bilder“. Lass sie geschehen. Das werde ich. Und ich werde sie wie eh und je wie Liebesbriefe betrachten. Es ist mir ganz egal, ob diese dann geschickt oder ungeschickt ausfallen. Ich dränge sie eben nicht in einen Plan. Es sind und bleiben Liebesbriefe. Es kann nicht genug davon geben.

Wiedergeburt

„Wer warst du? Und wofür standen deine Träume?“

Ein Berg von Fotografien und all die Erinnerungen, die in der Nacht zu mir kommen. Die Morgenspaziergänge, diese ungeheuren Schlafzimmergespräche… irgendwie, so denkt man bei sich, kann das doch alles nicht wahr gewesen sein. Nein, aber es wird wahr! Weil ich die Vergangenheit ständig neu interpretiere. Sie ist niemals festgeschrieben. Sie wird jeden Tag…

… und in jedem Bild von mir, neu geboren. Alles verbindet sich mit allem… neu.

 

Tagebuch=Aufzeichnungen

Was kann ein Bild überhaupt „sagen“? Über was spricht es, wenn es sich nicht gerade in all seinen Formen vergeht? Nun, an einer Stelle fragt mein Bild „Vater?“. Nicht weit von der Frage entfernt spricht es über „unkastrierte Lebensener(gie)“ und äußert sich wie folgt: „Ich bin schamlos. Ich biete mich euch an.“ Nur wenig später entdecke ich einen Namen: „Osman“. Bin ich vielleicht dieser Osman? Über all das könnte ich versuchen mir einen Reim zu machen. Dabei ist das Bild, die Kunst, genau das, was sie ist. Sie repräsentiert nichts. Sie repräsentiert nur sich selbst. Schriftsteller sollten wissen was sie schreiben, aber ein Bild? Alles bleibt mehrdeutig. Je mehr ich mein Bild betrachte, umso mehr Echos stellen sich ein. Echos meiner unterschiedlichsten Stimmen und Stimmungen. So verschieden sie auch seien mögen, alle wiederholen sie, dass die Bilder die Wörter erregen. Und andersrum wird mir mehr als deutlich, dass die Wörter wiederum in diese Bilder verliebt sind. Oja, jedes Bild verlangt wie selbstverständlich nach seinem Höhepunkt. Und die Wörter, sie schenken es ihm…

„Ihm?“

„Ja, genau… mir.“