Kein Bild von Traurigkeit

„Die Wüste durchqueren mit Resten einiger Bilder von einst im Sinn“. Eine freie Arbeit für das Grabmal der Zeit. Die Zeit auf dem Schoß einer Frau, die dem Alter her kaum eine Mutter sein kann. Eine Zeit, die erstarrt im Augenblick der Frau. Sie weiß: Wenn du lange in die Zeit zurück blickst, dann erfindet diese Zeit auch dich … wieder und wieder und wieder … neu. Du bist dann Zeit ohne Ziel, ganz nur Spiel. Eins wird zwei, so wie zwei eins wird mit den Resten einiger Bilder.

Angefügt ans Heute

Sollt es so kommen, daß ich

arglos verkinde?

Und habe Augen, die sehn bloß,

ein zuckendes Licht lang,

die Unrast, keusch, einer Quelle?*

* Giuseppe Ungaretti

Im Dichterspiegel

Nichts ist stummer als die seltsame Straße,

wo Blatt weder aufkommt noch fällt oder wintert,

wo keinerlei Ding sich abmüht oder gefällt,

wo kein Wechselspiel ist von Schlafen und Wachen. *

*Giuseppe Ungaretti

Wiener Schmäh

„Alles wirklich Wertvolle ist aus einer Spielerei hervorgegangen … Ja, man kann soweit gehen zu sagen: Ein Mensch, der nicht weiß, dass er ein Narr ist, ist nicht nur kein Künstler, sondern versteht überhaupt nichts vom Leben.“ (So beschreibt es der von mir sehr verehrte Egon Friedell, ein „genialer Dilettant“ durch und durch.)

Alice hinter den Spiegeln (der Kunst)

„In unserem Lande gibt es nur einen Tag auf einmal“ sagte Alice.

„Was für eine armselige Regelung“, meinte die Rote Königin. „Hierzulande haben wir meistens zwei oder drei Tage und Nächte gleichzeitig, und im Winter nehmen wir manchmal mindestens fünf Nächte zusammen – das hält wärmer… Fünfmal so warm und gleichzeitig fünfmal so kalt!“