Kunst als Tanz poetischer Wassertropfen

Im Atelierhaus wars, wo ich beschaute, wie Papiere auf Papier angeordnet paßten; Die alte Zeit gedacht ich, die ergraute. Sie liegen da in Reih geklemmt…

Wieder einmal wurde mir bewußt : Kunst ist nichts, was man sich an die Wand hängt. Oder ein Zeitvertreib für einen netten Nachmittag. Kunst ist Poesie. Kunstwerke sind immer nur jene Tropfen, die auf einen kochend heißen Stein fallen. Trifft solch ein Wassertropfen auf jenen heißen Stein des Anstoßes, dann verdampft bekanntlich die unterste Wasserschicht sofort. Dies geschieht bevor sich die Hitze durch den gesamten Tropfen ausbreiten kann. Zwischen Wasser und heißem Stein entsteht ein dünner Film aus Luft. Diese sogenannte „Isolierschicht“ ist entscheidend für das „Tanzen der Wassertropfen“… Und dieses poetische Tanzen mit Wort und Bild möchte ich gerne als Kunst begreifen.

(*Obige Gedichtzeilen von William Shakespeare aus seinem Kaufmann von Venedig.)

Blume der Liebe

Ich bin der Pfeifer an den Toren der Morgendämmerung / Es ist keine Magie, es ist kein Wahnsinn / (Mein Bild gleicht einer) Power-Blume yeah, oh (Flower-Power, Flower-Power, Flower-Power, Blume der Liebe) …

  Liedzeilen aus Stevie Wonder’s Journey Through „The Secret Life of Plants“.

vor der grenze

… H.C. Artmann begleitet mich ein Stück des Weges über den Friedhof. Bis er plötzlich, wie von einer Bö ergriffen, verweht. Zurück bleiben schattenhafte Zeilen auf einer Mauer. Und präparierte Gräber, in deren Mitte ich mich wähne. Ein Muster aus polierten schwarzen Flächen in einer kleinen Bucht aus Kies und Geröll.

Vom Spiel etwas erwarten

Allez mesdames et messieurs faites vos jeux … Als ich heute wieder eine meiner „Historischen Studien“ beendet hatte, hörte ich urplötzlich ein fernes Flüstern, das zwischen all den Formen, den Farbspuren und -nuancen hindurch, vergleichbar den wispernden Zweigen eines Baumes, an mein Ohr drang… das Bild beherbergte tatsächlich eine Stimme, versteckt zwischen kleinen Schnipseln …

  „Als ich in den Spielsaal trat, konnte ich mich eine Zeitlang nicht dazu entschließen mitzuspielen. Ich fühlte mich durch das dichte Gedränge abgestoßen. Aber auch wenn ich allein dagewesen wäre, auch dann wäre ich wohl am liebsten bald wieder weggegangen und hätte nicht angefangen zu spielen… Mag es auch lächerlich sein, daß ich vom Roulett soviel für mich erwarte, für noch lächerlicher halte ich die landläufige, beliebte Meinung, daß es töricht und sinnlos sei, vom Spiel überhaupt etwas zu erwarten…“ 

(aus: „Der Spieler“ von Fjodor Dostojewski)