Liebeslied

Meine Kunst begreife ich als ein ständiges Suchen, ein Pochen, ein Wühlen in Rissen und Brüchen, als ein zauberfähiges Gebrabbel der Poesie.

Niemand kann so schön / Mit deinen Händen spielen, / Schlösser bauen, wie ich / Aus Goldfinger; / Burgen mit hohen Türmen! / Strandräuber sind wir dann. / Wenn du da bist, / Bin ich immer reich. / Du nimmst mich so zu dir, / Ich sehe dein Herz sternen… (Else Lasker-Schüler)

Against Interpretation

Über die Kreuzigungsgruppe des „Isenheimer Altars“ von Mathias Grünewald meinte Pablo Picasso: „Ich liebe dieses Bild und habe versucht, es zu interpretieren… Aber so wie ich anfange zu zeichnen, wird etwas ganz anderes daraus.“ Und ich versuche es erst garnicht richtig. Das hat „auch damit zu tun, das pluralistische Gesellschaften aufgehört haben, von ihren Dichtern und Denkern irgendwelche Heilsbotschaft zu erwarten.“ (Hans Magnus Enzensberger). Wer wäre ich denn, daß…? Ich mache mir allenfalls flüchtige Skizzen, fertige Nebenversionen an, ziehe kurze Schlüsse. Wenn, dann wäre ich wohl eher ein delirio interpretativo.

Königsgambit

Jeder Zug (im Leben?) sollte der Beherrschung des Zentrums, der Sicherung des Königs, der Entwicklung der eigenen Figuren, der Abwehr einer konkreten Drohung oder dem Angriff auf den gegnerischen König dienen. Und natürlich die Liebe zu meiner Königin beweisen! Denn ich werde niemals meine Königin vergessen. Niemals. Nicht in meiner Kunst. Nicht in diesem Leben. I am the king I can do anything…

Besondere Vereinigungen

Die Mannigfaltigkeit der Küsse… Lippenpaare, mehr wert als alle Beredsamkeit der Welt…

… sie erzeugen Bilder des Verlangens: das Kamasutra meiner Hermaphroditen … Kunst ist und bleibt eben meine große Lustmaschine.

Mein wundersames Groschenroman-Oratorium

Als Oratorium bezeichnet man in der musikalischen Formenlehre bekanntlich die dramatische, mehrteilige Vertonung einer zumeist geistlichen Handlung, verteilt auf mehrere Personen, eine erzählend-dramatische Komposition.

Als barocker Minimalist, als den ich mich selber gerne bezeichne, aber eben auch als Künstler, stehe ich bekanntlich recht allein am Rande und zugleich im Mittelpunkt meines Ateliers, wo ich immer wieder neue Abenteuer (ohne irgendwelche Mitstreiter) zu bestehen habe. Der Groschenroman erlangte mit solch einem Konzept oft Kultstatus. Kritiker sprechen hier allerdings schnell und hochnäsig von „Schundliteratur“. Schund. Unmoralisch. Verderbt. Aber Kunst kann niemals keusch sein, argumentierte schon Picasso. Warum sollte es dann die Literatur sein? Und warum sollte ich mich in meiner Kunst überhaupt irgendwie zurückhalten und nur wertvoll daher kommen? Selbstzensur ist die erste Untugend der Kreativität, finde ich, sie sollte nicht zum Selbstbild eines Künstlers werden. Im Dunkeln ist gut munkeln, auf Pappe gut zu oratieren. Soll heißen: Bach spielt Bach.

Die Wahrheit ist von dieser Welt

Unsere Gesellschaft bewahrt kaum eine Erinnerung daran, daß das entscheidende Kunstwerk, um das man sich bemühen, der entscheidende Bereich, auf den man ästhetische Werte anwenden muss, man selbst, das eigene Leben, die eigene Existenz ist. Der Künstler ist dafür da, um Fenster einzusetzen, wo vorher Wände waren. (Verständnisvoll nicke ich Foucault zu.)

Tunnel of Love

Ob unter Tage oder über Nacht, ich lebe in einem unendlichen Kunsttunnel. Vielleicht werde ich eines Tages ja verrückt aufgrund meines Wunsches nach all den Walzern, die hier so gerne gespielt werden. Aber dies ist das Leben, das ich gewählt habe.

Hier höre ich endlich auf deutsch zu denken. Stattdessen tanze ich lieber deutsch. Es ist gerade dieses Deutschtanzen, das zu nichts anderem taugt, als mein Geblüt zu erhitzen und unmoralische Begierden zu wecken. Die ganze Unterhaltung in meinem „Tunnel of Love“ besteht in einem beständigen Herumdrehen, das einem den eigenen Kopf wirblich macht und zu guter letzt die Sinne beraubt. Auf den Leinwänden, die um mich herum stehen, sehe ich ineinander verknotete Paare, die Schultern bewegungslos.

Oder ich erblicke beleibte Herren, die ihre Partnerin mit festem Griff auf den Bauch geklemmt haben. Emanzipierte Damen, die sich den Herren an die Brust werfen. Ein Künstler, der seine Frau, pausbäckig vor Freude, über und in farbdurchtränkte Untergründe schiebt…

Alles um mich herum torpediert liebevoll lächelnd die Posen eines verlogenen Anstandes. Die verschiedenen wollüstigen Drückungen und das Schwellen des erhitzten Busens erwecken Begierden, die ich je eher je lieber zu befriedigen suche… mit all meiner Kunst.

(Fotos: Bettina Osswald)

Simple Man

I’m… just a simple man / I have to do the simple things / That a simple man… can / You… are holding out your hand / You want to know the simple things / In my simple plan… and / I know there’s so much to share / But what else can I do? / Yes, I’m a simple man!*

(*Klaus Nomi)