Neulich im Murmelbachtal

Bei der Betrachtung eines alten Meisters, befällt mich eine süße Melancholie, Bilder steigen in mir auf. Und ich murmel so vor mich hin…

Der rund 3,6 km lange Murmelbach, entspringt bei 287 Höhe in der alten Hofschaft Marpe, ganz nahe Lichtscheid am Rande des ehemaligen Standortübungsplatzes Scharpenacken… schon kurz hinter seiner Quelle wird er in einer Kette von Teichen gestaut, von denen einige Teil des Vorwerkpark sind. Er fließt am Rande der Barmer Anlagen durch das Murmelbachtal, gibt dem alten Pilgerheim Murmelbachtal am Fuß des Scharpenacker Bergs seinen Namen und verschwindet kurz darauf in einer ca. 800 m langen Verdolung, einer jener röhrenförmigen Einfassungen des Wasserlaufs zu seiner Untertunnelung…oja. All das murmel ich so für mich dahin. Ich bin wohl tatsächlich ein alter Murmel-Bach… Meister. Vor dem sich eine vermaledeite Idylle reckelt… tja, es ist eben so, wie es ist…

Sich vermählen mit der Unendlichkeit

… eine Stimme, die frei umherschwebt als gefürchtete, traumatische Präsenz… was flüstert sie mir zu?

Nun, im Atelier, sagt sie, kann es einem selbst schonmal das Herz zuschnüren. Vor Freude, aber gleichzeitig auch vor Angst. Dann nämlich, wenn ich begreife, dass ich tagtäglich meinen Spielraum, d.h. meine Kunst, erweitern soll/darf/muss. Es geht doch darum, dass ich gegen die Windmühlen, d.h. gegenüber den Widerständen, meinen eigenen Verfehlungen, all den Irrtümern der Welt, versuchen sollte weitherziger zu werden. Ich möchte mich liebevoll-kämpferisch gegen die Wirklichkeit durchsetzen. Denn erst, wenn man aufhört, Menschen und Dinge nach ihrem Marktwert abzutaxieren, wird man, denke ich, entdecken können, dass das Geschenk des Daseins unbezahlbar ist. Wem solch ein autonomes Bemühen arrogant erscheint, gut, der darf mich dann wohl als arrogant bezeichnen. Vielleicht bin ich aber auch nur ein Frosch, der auf den erlösenden Kuss wartet. Auf den Kuss, der mich verwandeln und so erst der Ewigkeit zugängig machen wird.

Verwebung von Fantasien

Mir träumte: Der Beweis, dass der Mensch fehlbar ist, weil er nur ein Herz besitzt. Er sollte viele besitzen, eine ungerade Zahl an Herzen, die er Nacht für Nacht, Tag für Tag, wie ein Rosenverkäufer, an die Frau oder den Mann bringen möchte. Langstilige Herzen, die der Mensch mit spitzen Fingern hinüberreicht, wenn ein Lächeln es ihm wert erscheint. Er kennt sie, die Herzen, die verwelken. Oder Herzen, die vertrocknen, wenn sie mit ihrer Blüte nach unten in unserem Brustkorb hängen und zerbröseln, wenn wir vor Liebeskummer eine Hand um dieses Herz verkrampfen… 

Mehr als zwei Herzen wohnen, ach! in meiner Brust; denn es gibt sie, diese seltsame, gegenseitige Verwebung von Fantasien, von Texten, von Zeichnungen, von Fotos, von Gemälden, von all dem und noch vielem mehr. Die Geschichte meiner Herzen ist eine Geschichte individueller und kollektiver Stilistiken, Improvisation-Strategien, Phrasierung- und Intonationsweisen, kurz: eine jazzige Interpretationsgeschichte.

nach wie vor

… leider habe ich vergessen, von wem diese Gedichtzeilen sind, wo ich sie gelesen habe. Den Bilderrahmen erbte ich einst von meiner Großmutter. Das Bild malte ich einige Monate nach ihrem Tod.

Alles hat nach wie vor Bedeutung.

Leben in einer anderen Welt

Alle Kunst entsteht daraus, dass sich der Künstler der Welt unsicher ist. Diese Welt passt nicht zu ihm, und er passt nicht in sie, er fühlt sich fremd… So schreibt es an einer Stelle Ferdinand von Schirach.

Wenn bestimmte Werke eines Künstlers im Auge eines Betrachters fremdartig erscheinen, dann deshalb, weil der Betrachter sich auf der Seite seines (Beobachtungs)Spiegels befindet. Und auf der Seite seines Spiegels soll Kunst eine Aufgabe haben, Gewinn bringen, Prestige. Auf der anderen Seite jedoch, dort wo der Künstler sich befindet, spendet Kunst allenfalls Trost. Sie hilft dem Künstler sich in der anderen Welt überhaupt erst zurecht zufinden… Künstler und Betrachter leben offensichtlich voneinander getrennt; eine feine Membran steht zwischen ihnen. Vergleichbar einer Trennscheibe, die z.B. Gefangene von anderen Personen trennt. Solch eine Trennscheibe dient dazu, dass keine Gegenstände, Drogen, aber auch keine Schriftstücke, ausgetauscht werden können und keine Berührungen zwischen Häftling und Besucher möglich sind. Trennscheiben bestehen meist aus durchsichtigem Kunststoff. In meinem Fall jedoch aus Fotopapier, Pappe oder auch Leinwand.

Es heißt, die Personen können sich durch die Trennscheibe entweder über Sprechschlitze oder mittels eines Telefons verständigen. Wir können also miteinander reden. Aber verstehen wir uns auch?

Barockes Detail

Fakt ist, ich missbrauche den Barock nicht. Im Gegenteil, ich genieße seinen Schwung in jedem Detail. Verliebe mich in seine kleinen, feinen sinnlichen Anspielungen. So betrachtet, bezeichne ich mich sehr gerne als einen barocken Minimalisten.