Halterlose Illusionen

Tanz in den Mai. Mit halterlosen Illusionen. Das ist wunderbar. Mein Leiden wird gesegnet.

Kaltblütig. Liebe, Sex und Angst. Ah! Ah! welche absurde Einbildung! Ein Mann mit Hund im Regen. Drogen Schnaps, Depression. Ich wüsste nichts… was uns hindert… dies zu glauben. Und Tod. Im verdunkelten Vortragssaal war in der rechten Ecke der Leinwand ein nur schwach sichtbares Objekt zu erkennen. Das Objekt ähnelte der Venus, wie sie kurz vor Sonnenaufgang am östlichen Himmel erscheint. Das Ziel jedes Geschöpfes ist die Befreiung des himmlischen Strahls, der in der Materie eingeschlossen ist. Hurra! Hurra!… die neuralen Pfade des Gehirns entlang fliegen. Zunächst machen wir am Mond Halt, wo sie sich reinigen. Nachher steigen sie zur Sonne auf. Die milde Sonne auf meinem Visier entriss mir keinen Seufzer. Wir sind Schmarotzer und wir wissen es. Wir. Sie. Du. Es. Ich. Hurra!… Schmarotzer. Zerschlagt die Bilder! verschleiert die Jungfrau! Betet, fastet, weint, kasteit euch! Fort mit der Philosophie und den Büchern! Glückauf! Das Leben besteht aus einem bunt geschminkten Flickenteppich von Sätzen und Zitaten. Wörtern, die man eingerahmt sich selber hinter den Schreibtisch hängt, leeren Versprechungen gleich. Lügen und falsche Wahrheiten… bemalte Pappen… ein Salat wie ein Gelände ohne richtigen Horizont. Kein Leuchtturm lockt mich heim. Sirenen fordern auf zum Tanz in den Mai…

Ein Wunder das weinte und das schrie

„Mein Muttervulkan“, philosophierte ich, „hat mich als eine Landschaft geschaffen. Zu allererst wwwurde dieses kleine Land vermessen! Abgeschritten und gewogen. Dann wwwurden alle Details mit Namen versehen, damit man die Details von einander unterscheiden konnte. Alle WWWelt macht das so.“ Details erhielten so poetische Namen wie Glied, Scheide, Bauch oder Po. Hände. Finger. Gesicht. Haare oder Narbe. Beine sowie Nabel. Mund. Oder auch Lorelei. Ebenso Rapperswil. Die Mütter der Welt benannten alles so natürlich wie möglich. Auch meine Mutter. Auf ihr unterhaltsames Spiel der Namen wollte ich Obacht geben! Alle Namen und Begriffe wollte ich mir genau einprägen. Still lauschte ich. Und sagte vorerst keinen Ton. Nur allzu gerne hätte ich schnell gelernt, an was ich mich zu halten hätte. Wollte zügig herausfinden, wer und was ich war.

Mein wohliges Abgesondertsein

Mein „Freund“ Hans Werner Henze warum ich gerade heute an ihn denken muss, weiß ich nicht – (geboren am 1.Juli 1926 in Gütersloh; gestorben am 12. Oktober 2012 in Dresden) war ein herausragender Künstler. Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Komponisten des 20. Jahrhundert. Vor allem seine Schriften über Musik, Kunst, Leben haben mich immer inspiriert. Für eine kleine Werkreihe hatte ich u.a. Partituren von Hans Werner Henze als Grundlage benutzt…

Es ging bei den Arbeiten, wie immer bei mir, in die Nacht hinein „mit traumwandlerischer, mondsüchtiger Sicherheit, und es öffneten sich nach und nach lauter Türen zu weiteren Bildern und Klängen, Zusammenhänge entstehen, von denen man nichts wusste und von denen man schon wenige stunden später nicht mehr weiß, wie sie zustande gekommen sind. Leer und todmüde geht man aus einem – manchmal jahrelang ununterbrochenen – Arbeitsprozess hervor, und es beginnt die Zeit des Zurückschauens und des Nach-Denkens.“ Das schrieb Hans Werner Henze in Musiksprache und künstlerische Erfindung, Musik und Mythos; Neue Aspekte der musikalischen Ästhetik V; Fischer Taschenbuch Verlag 1999. (Siehe auch Artikel vom 9. April 2012 „Wunderbare Lobhudelei“ )… „Wir träumen“, schrieb Henze an anderer Stelle weiter, “ ja nur Vergangenheit.“  Vielleicht meinte er aber auch nur die zukünftige Vergangenheit.

Wiederholungszwang

Er stockte. „ Sagen Sie doch bitte den Eltern, dass sie einen Künstler zur Welt gebracht haben. Aber bringen sie es ihnen schonend bei. Es wird ein Schock sein. Erst diese komische Geburt. Und dann das auch noch!“ Die Stimme des Arztes klang irgendwie sehr traurig. Heimlich blinzelte ich mit einem Auge. Und sah, dass er sehr nachdenklich zu mir hinabschaute. „Es wird für die Eltern ein Schock sein. Gewiss,“ versicherte die Krankenschwester. Sie zupfte an der Decke des Bettes herum… MOMENT! MOMENT! … Diesen Text habe ich doch schon einmal geschrieben. STIMMT GENAU!… Aber ich wollte ihn einfach noch einmal HÖREN (mit einem KLICK auf schwanenbeichte):

schwanenbeichte_01

Und wie geht es weiter? Dies kann und muss man jetzt „leider“ wieder mühsam selber lesen… Es ist doch tragisch… oder?

„Künstler. Zum allerersten Mal in meinem Leben hatte ich dieses Wort vernommen. Und augenblicklich war ich vom Zauber dieses Wortes gefesselt. Auf der Stelle wollte ich Künstler werden! Das Künstlertum sollte mir gehören. So wie der Arzt es betont hatte, musste es etwas wunderbares sein. Mir kam es wie ein Essen vor, das ich, obwohl ich es nicht kannte, gleichwohl bestellte, weil es so lecker klang. Künstlertum. Dieses Wort lag wie ein geheimnisvoller Geschmack auf meinen Lippen. Wie die Zutat zu einem exotischen Essen. Ein Gewürz des Lebens. Als Künstler würde ich sicherlich eine Lücke finden. Und mich in ihr einrichten können. Würde dort fortan mein Spiel spielen. Die Dinge des Lebens und mich selber könnte ich in dieser Lücke verrücken. So wie es mir und meinen Spielregeln zusagte. Nachdenklich geworden blickte ich auf das Papierschildchen an meinem Handgelenk. Dort waren nur einige nichts sagende Punkte und Linien hinterlassen wurden.“

Und wenig später heißt es in meiner Schwanenbeichte: „Alles war offen. Alles war weit gespreizt. Freizügig. Ohne Hemmungen. Niemand hatte den Kunstweber gezwungen sich auszuziehen. Er hatte sich selbst entblößt. Und deswegen musste auch niemand zur Selbstbeschämung neigen. Im Gegenteil. Alle waren entzückt über die Enthemmtheit des Kunstwebers. Und genau deshalb hielt ich Ihn für einen verlogenden Possenreißer! So sehr mich die Geste des Possenreißers auch berührte, so sehr ärgerte sie mich gleichzeitig auch. Er war ein Gaukler…   Ein Bild zerbrach.“

(Text und Bilder sind selbstverständlich von mir. Den Text las mein lieber Freund Olaf Reitz  www.olafreitz.de ) Die Schwanenbeichte wird fortgesetzt. Sie ist fast wie ein Wiederholungszwang.

2. Aufzug, 29. Auftritt

Weibchen! Täubchen! Meine Schöne! Vergebens! Ach! Sie ist verloren! Ich bin zum Unglück schon geboren. Ich plauderte, und das war schlecht, und drum geschieht es mir schon recht! Seit ich gekostet diesen Wein – seit ich das schöne Weibchen sah, so brennt´s im Herzenskämmerlein, so zwicket´s hier, so zwickt´s da! Herzensweibchen! Liebes Täubchen! ´s ist umsonst! Es ist vergebens! Müde bin ich meines Lebens! Sterben macht der Lieb ein End, Wenn ´s im Herzen noch so brennt… This is the end… Beautiful friend… This is the end… My only friend, the end. (Pfeift.) Gute Nacht, du schwarze Welt!… Eins! (Sieht sich um, pfeift.) Zwei! (Sieht sich um, pfeift.) Drei! (Sieht sich um.) Nun, wohlan! Es bleibt dabei! Weil mich nichts zurücke hält, Gute Nacht, du falsche Welt! … (Text aus: DIE ZAUBERFLÖTE von Wolfgang Amadeus Mozart; Neunundzwanzigster Auftritt –  sowie THE END von The Doors. Meine Zeichnung auf einem Plakatmotiv von Nadine Batze)

Menuetto and Trio. Allegretto 4:05

Luna lächelt. Zwischen weggeworfenen Stullenpapier und Eierschalen suchen kleine Männer sie, die blaue Blume! Sie unterliegt der Zeit nicht, sie ist außerhalb von ihr. Und ihnen. Weniger explizit. Heißt dies nun aber, dass sie verschiedene Blicke auf sich zieht und katalogisiert? Vor ihr kniet ein kleiner Mann der protokolliert, was sie preisgibt: Vermutungen über das Aussehen der Frau …. als Frau, als Blume, verdichtet zu einer eindeutigen Hingabe! Blickintensive Sensationslust…                                                      Ohne den kleinen Fetisch „Penis“ würde die Frau den kleinen Mann auf der Stelle verzehren. Ohne Nachzudenken. Ohne Reue. Ein Achselzucken… vielleicht. Aber nicht bestimmt.

Die Blume. Sie lächelt. Der kleine Mann wagt nicht den Kopf zu heben. Er schreibt seelen-un-ruhig weiter. Und weiter. Und weiter. Er blickt das Leben nicht an! Es zuckt bloß zwischen seinen Beinen.

Der Gott meiner Liebe

Und nun kann sich wieder lieben, was einst mal auseinander fiel. So heißt es, glaube ich, bei Goethe. Aber könnte es nicht auch anders herum lauten: Nun fällt wieder auseinender, was sich einst mal liebte? Der Gott meiner Liebe war sterblich. Er starb so viele Tode. Er hat… er hatte so viele Namen.

Er starb an den unmöglichsten Orten, aus den unmöglichsten Gründen. Aus Eitelkeit. Auf beiden Seiten. Gedankenlosigkeit. Dummheit. Ignoranz. Leichtsinnigkeit. Er starb im Vorübergehen. Im Bett. Bei einem guten Essen. „There are places I’ll remember…All my life though some have changed…Some forever not for better…Some have gone and some remain…All these places had their moments…With lovers and friends I still can recall…Some are dead and some are living…In my life I’ve loved them all“… singen die BEATLES (In My Life).

Verrückt was wir uns antun… wir Liebende. „Nur mit dir“ hauchen wir und lügen schon, dass sich die Balken biegen. Lügen wir uns an aus Einsamkeit? Der Gott meiner Liebe war sterblich. “Ich habe gefunden: mit denen zu sein, die ich liebe, ist genug… Am Abend mit den andern in Gesellschaft zu verweilen, ist genug… Umgeben zu sein von schönem, neugierigem, atmendem, lachendem Fleisch, ist genug… (Walt Whitman; Grashalme, Diogenes Verlag Zürich, 1985)

Und ich? Hatte ich nie genug? Konnte und wollte ich den Hals nicht voll genug kriegen? Wer war und wer bin ich, dass…? Der Gott meiner Liebe(n), er war LEIDER sterblich.

Mein Traum von einer Perlentaucherin

…Katsushika Hokusai (October 31, 1760 (exact date questionable) – May 10, 1849) was a Japanese artist, ukiyo-e painter and printmaker of the Edo period. He was influenced by such painters as Sesshu, and other styles of Cinese painting. Born in Edo (now Tokyo), Hokusai is best known as author of the woodblock print series Thirty-six Views of Mount Fuji which includes the internationally recognized print, „The Great Wave“ created during the 1820s. Hokusai created the „Thirty-Six Views“ both as a response to a domestic travel boom and as part of a personal obsession with Mount Fuji was this series, specifically The Great Wave print and Fuji in Clear Weather, that secured Hokusai’s fame both in Japan and overseas. As historian Richard Lane concludes, „Indeed, if there is one work that made Hokusai’s name, both in Japan and abroad, it must be this monumental print-series…“. While Hokusai’s work prior to this series is certainly important, it was not until this series that he gained broad recognition.

Mit anderen Worten: Hokusai wurde in Edo, dem heutigen Tokio,im neunten Monat des zehnten Jahres der Horeki-Periode geboren, seine Eltern sind unbekannt. Mit drei Jahren wurde er von Nakajima Ise adoptiert, einem Spiegelmacher für den Hof des Shogun. Im Alter von 18 Jahren, als er bereits einige Erfahrungen als Holzschneider hatte, begann er in der Werkstatt des Ukiyo-e-Meisters Katsukawa Shunr aus der Katsukawa-Schule zu arbeiten, einem Maler und Zeichner von Farbholzschnitten. 1779 veröffentlichte er seine ersten Arbeiten: Schauspielerportraits, die unter dem Namen Katsukawa Shunr erschienen und sich vor allem durch die individuellen Gesichtszüge der Dargestellten auszeichneten. Er verließ die Werkstatt seines Meisters erst 1793 nach dem Tod Shunsho. Den Namen Shunro führte er bis 1794. Danach wanderte Hokusai durch Japan. Er wechselte häufig seine Lehrer und Schulen und auch mehr als 30 Mal seinen Namen und wohnte an etwa 90 verschiedenen Orten, wobei er seine Kunst immer weiter perfektionierte. Nebenbei verfasste Hokusai auch volkstümliche Romane. 1782 erschien sein erstes Buch mit eigenen Illustrationen…

Ab 1798 nahm er eigene Schüler an und unterrichtete sie in der Kunst des Holzschnitts und der Zeichenkunst. Von diesem Zeitpunkt an zeichnete er unter seinem bis heute bekannten Namen Katsushika Hokusai. Als die wirtschaftliche Lage in Japan schlechter wurde, verschlechterten sich auch die Absatzmöglichkeiten für Hokusai, so dass er seine Bilder im Straßenhandel anbieten musste. Nach dieser Phase begann eine Zeit der staatlichen Zensur, die ihn dazu brachte, auf bestellte Malereien für wohlhabende Kunden auszuweichen. Katsushika Hokusai starb am 10. Mai 1849, also am 18. Tag im vierten Monat des zweiten Jahres der Kaei-Periode. Hokusai war sein ganzes Leben damit beschäftigt, sich künstlerisch weiterzuentwickeln. Am Ende seines Lebens beschrieb er sich stolz als „Landarbeiter“. Auf seinem Totenbett soll er gesagt haben: „Hätte der Himmel mir weitere fünf Jahre geschenkt, wäre ich ein großer Maler geworden.“ Obwohl sich Hokusai mit verschiedenen Stilrichtungen auseinandersetzte, blieb er stilistisch unabhängig. Zeitweise lebte er in größter Armut, und auch nachdem er mit seinem künstlerischen Schaffen Geld verdienen konnte, bevorzugte er ein einfaches Leben. Zu seinem Spektrum gehörten alle Formen und Techniken des Holzschnittes und der Malerei, und seine Motive reichten von der Darstellung kämpfender Samurai bis hin zu erotischen Szenen wie etwa Der Traum der Perlentaucherin.

http://de.wikipedia.org/wiki/Katsushika_Hokusai

An AbbyWinterTale

Mein Einstieg in diese Collage/Zeichnung war eigentlich das Bi unter den Frauen, die ich war/bin oder die ich seien könnte. (Künstler sind Frauen wie andere auch).Da steh ich absolut zu. Ich hab mir am Anfang gesagt: ich will nur ´ne Frau dazu, gar kein Pärchen. Aber irgendwann braucht man noch einen Schritt mehr… und noch einen Schritt… das ist so eine kleine Sucht, würde ich sagen. Und irgendwann ist man dann dort angelangt: Partnertausch, Pärchentausch, mehrere Paare zusammen, durcheinander, wie ein Wollknäuel. Ein gefallener Stern aus Haut und Schweiß… dann: dieses Gesicht. Das ist schon lustig… Noch nie so einen blödsinnigen Einfall auf dem Rücken…? Auf dem Rücken liegend … und jubelnd? Irgendwann geht man zu Freunden, man baut ja Freundschaften auf… Dann fährt man mal zu denen nach Hause. Oder man trifft sich zusammen im Club. Irgendwo. Das ist total unterschiedlich. Am Anfang traut man sich noch nicht. Aber mittlerweile, wenn man ein paar Jährchen dabei ist, dann sagt man sich: „Komm, wir wissen ja, warum wir hier sind“ … und dann geht es aber auch los. Das ist doch der KICK. Darum geht es halt. Dämonen verjagen… schöne anstrengende Arbeit. So schön, dass wir aufgeschreckt unseren tieferen Sinn suchen. Anerkennung. Vollendung. Genau deshalb brauchen wir… deshalb brauche ich fesselnde Geschichten… wie zum Beispiel eine Fabel von Körpern, auf schweißnassem Grund hinschattiert, bereit eine nackte Schlacht zu schlagen. Oder ein finsteres Gesicht, das zu mir gehört. Ein tiefer Schnitt am Rückrat entlang. Bis zum Schwanz, damit der Körper entträumt wwwird. Was bedeutet (schon) pornografisch? Wenn etwas richtig lecker aussieht… wie ein AbbyWinterTale.

Kunst ´n` Lügen

Worte sind mächtige Verführer, Illusionisten, Verzauberer, Erreger, Einschläfer und noch vieles mehr. Zugleich können sie jedoch keinen Anspruch auf Wahrheit erheben, weil sie niemals frei sind. Sie sind und bleiben ein Leben lang unsere Sklaven. Und wir müssen uns fragen, wie wir mit ihnen umgehen, wofür wir sie gebrauchen und lieben; oder sie missbrauchen und vergewaltigen…

Paul Rosenberg zeigt Somerset Maugham drei Spaziergängerinnen von Auguste Renoir. Wer sind wir, dass wir Worte wie diese, gerne für die eine oder andere Aussage benutzen? Wenn der Mensch die Worte für bare Münze nimmt, dann passiert stets ein Unglück. Dann werden Philosophen, wie auch Politiker unausstehlich. Soziologen, Psychologen, Religionsverfechter, alle werden sie merkwürdig-sonderbar, wenn sie sich auf die Richtigkeit des/ihres Wortes berufen! Dann sollte man spätestens weghören. Weggehen. Und diese Wortheiligsprecher wegsperren. Oder sie nur noch Gurken pflanzen lassen. Worte sind da, dass man mit ihnen jongliert! Man soll sie in die Höhe werfen und wieder auffangen. Mit Worten soll man wie mit Kindern spielen…

Ich kann meine Worte nicht leben. Sie sind außerhalb von mir. In mir sind die Bilder, sind die Träume. Worte sind an die Dinge da draußen geheftet, thesenhaft angeschlagen. Mit der Zeit verwelken all diese wichtig-unwichtigen Worte wie Blumen. Dann kommen sie auf den Kompost der Zeit. Mal mag ich mehr die Pfingstrosen, die wie ein Gedicht von Ingeborg Bachmann duften. Dann lieber Hyazinthen, die Friedrich Nietzsche besprüht hat, dann Gladiolen wie Marie Luise Kaschnitz, Vergissmeinnicht a la Rainer Maria Rilke; Foucault eine Seerose, Wondratschek ein Stiefmütterchen, Arno Schmidt eine Kaktusblüte, Wolfgang Max Faust eine Prothea… wie auch ich! Mein Blumenwortgeschmack ändert sich ständig. Worte eilen den Bildern hinterher. Denn am Anfang war kein Wort. Am Anfang war und ist stets ein Bild.